Bundesamt für Umwelt

21. Dezember 2015 09:16; Akt: 21.12.2015 12:42 Print

Calanda-Wölfe dürfen abgeschossen werden

Die Wölfe verlieren immer mehr die Scheu vor den Menschen. Deshalb sollen zwei Jungtiere getötet werden – aber nicht gleichzeitig.

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Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat den Abschuss von zwei Jungwölfen aus dem Calanda-Rudel bewilligt. Dadurch sollen die übrigen Tiere wieder scheuer werden und die Siedlungen meiden.

Die Kantone St. Gallen und Graubünden hatten die Abschüsse Ende November beantragt. Das aus etwa zehn Tieren bestehende Rudel verhalte sich «zunehmend problematisch». Immer öfter wagten sich einzelne Wölfe in Siedlungen vor - zum Teil bis in Gehege und Ställe.

Mit dem Abschuss zweier Jungwölfe soll das Verhalten des Rudels beeinflusst werden. Damit die Massnahme wirkt, hat das Bafu Empfehlungen zur Umsetzung erlassen, wie es am Montag mitteilte.

Nicht gleichzeitig schiessen

Es empfiehlt den Kantonen, nicht zwei Wölfe gleichzeitig zu schiessen, sondern jeweils nur einen Wolf. Getötet werden sollen die Wölfe dann, wenn die anderen Rudeltiere dabei sind. Zudem soll der Abschuss in Siedlungsnähe und «während der Aktivitätszeit der Menschen» erfolgen.

Nach dem Abschuss des ersten Wolfes soll das Verhalten des Rudels verstärkt beobachtet und dokumentiert werden. Die beiden Kantone erhoffen sich von den Abschüssen, dass «ein Zusammenleben dieser Grossraubtiere in der Kulturlandschaft auch in Zukunft möglich» sein wird.

Kritik von WWF und Pro Natura

Gegen den Abschuss von Wölfen gibt es Widerstand: Der WWF und Pro Natura kritisierten in einer Stellungnahme, die Kantone und das Bafu reagierten voreilig auf den politischen Druck der Wolfsgegner. «Der angestrebte Lerneffekt auf die zurückbleibenden Wölfe folgt dem Prinzip Hoffnung und ist fachlich fragwürdig.»

Die Gefahr für die Menschen sei minimal. Dass Wölfe, ähnlich wie Füchse oder Rehe, nahe an Siedlungen kommen, sei nicht ungewöhnlich und müsse nicht unbedingt problematisch sein. Durch Abschüsse könne das Rudel als Sozialverband destabilisiert werden, und es könne zu mehr Nutztierrissen und auffälligem Verhalten kommen.

Durch Schlachtabfälle angelockt?

Einwohner von Vättis SG hatten Ende November auf Grund eigener Beobachtungen den Verdacht geäussert, Wölfe würden mit Schlachtabfällen in die Nähe des Dorfs gelockt. Auf diese Weise sollten Vorfälle mit Nutztieren provoziert und die Grundlage für Abschüsse geschaffen werden.

Der Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen, Dominik Thiel, widersprach damals diesen Behauptungen. Der Kanton habe bereits 2014 in der Nähe von Vättis zwei Luderplätze verboten - so werden jene Stellen genannt, an denen Jäger mit entsprechender Bewilligung Füchse anlocken dürfen.

Nur wenige Nutztiere gerissen

Klar ist, dass der geplante Abschuss von Calanda-Wölfen nichts mit Rissen von Nutztieren zu tun hat. Laut Thiel hat das Rudel in diesem Jahr sieben Ziegen und ein Kalb gerissen. Das seien nicht genug Risse, um einen Abschuss zu begründen.

Im St. Galler Kantonsrat waren die Wölfe wiederholt ein Thema. Die SVP reichte Anfang Dezember ein Standesbegehren ein. Das Wolfsrudel sei für die Land- und Alpwirtschaft eine unerträgliche Belastung, schrieb die Partei. Die Sömmerung und die Haltung von Schafen und anderen Nutztieren werde immer aufwendiger.

Das erste Wolfsrudel der Schweiz lebt seit 2012 im Gebiet des Calanda-Ringelspitz-Massivs im Grenzgebiet zwischen St. Gallen und Graubünden. Das Rudel besteht aus etwa zehn Wölfen: einem Elternpaar mit vier Jungen sowie drei bis fünf Jungen vom letzten Jahr.

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Susi Sorglos am 21.12.2015 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur traurig

    Der Mensch ist viel schlimmer als jeder Wolf!

  • Larina am 21.12.2015 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Ich Fass es nicht, wie arrogant muss man sein das man es bewilligt. Schade um die Wölfe

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  • Walter am 21.12.2015 09:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    2015

    Man könnte denken in einer aufgeklärten Schweiz würde sowas nicht passieren. Aber wenn es um Tierschutz geht sind auch wir noch in der Steinzeit. Ist ja nicht so das wir den Wolf schon mal aus der Schweiz vertrieben haben...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schwager Edi am 07.01.2016 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Positiv: Eine Wolfs-Lobby in der Schweiz

    Ich dachte eigentlich, dass ich alljährlich solo gegen die Jagd und für Luchs, Bär, Wolf usw. zur Tastatur greife. Und jetzt sehe ich, dass meine jahrelange, fatalistische Rhetorik "Wölfe haben halt keine Lobby" nicht mehr haltbar ist. Denn dass die Jagd-Lobby in der Schweiz immer unglaublich stark und tief verankert war/ist, lässt sich an x-Beispielen aufzeigen. Und da möchte ich allen Schreibern, die sich ganz alleine hinsetzten und einfach was fürs Calanda-Rudel tun wollten, herzlich danken. So viele schrieben mir aus dem Herzen. Es gibt sie also doch endlich: Eine Wolfs-Lobby!!!

  • Seppl am 21.12.2015 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wolf-hund-hybriden

    nicht mehr lange und der beweis, dass es sich beim calanda rudel um hybriden handelt ist erbracht. somit geht es eh allen an den kragen und es spielt keine rolle ob die zwei jez oder später abgetan werden

  • Tinu am 21.12.2015 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ansiedeln zum Abknallen

    Hört endlich auf mit der Abknallerei von Wildtieren. Bären, Wölfe, Luchse ... erst siedeln wir sie an und dann knallen wir sie wieder ab.

  • Superschwiizer am 21.12.2015 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ironie

    Jawohl, richtig, der Mensch ist das oberste Glied in der Nahrungskette und wenn Ihn etwas in Gefahr bringen kann hat er die Möglichkeit und das Recht zu handeln....Richtig so.

  • Whoppsie am 21.12.2015 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur und Menschheit

    Leider ist es die Schweiz so überbevölkert und es wird so viel Landwirtschaft bis in die Berggipfel betrieben, dass grössere Raubtiere zu wenig bis gar kein Platz mehr haben. Gerade Wölfe brauchen sehr grosse Reviere. Vorallem in grossen Ländern funktioniert das Zusammenleben eben u.a. darum, weil es noch viel unbewohntes Land gibt. Aber dass, "man"nicht einmal gechipte und mit Sendern ausgerüstete Wölfe, die von Biologen überwacht werden, eine Chance bekommen, finde ich traurig. Aber mit dem Futter fängt es ja schon an, anscheinend gibt es nicht einmal mehr genug Mäuse usw., weil Pestizide alles was kreucht und fleucht ausgerottet hat. Und das allertraurigste daran ist, dass die Menschheit tatsächlich schlimmere Probleme hat, als die Frage, ob Wölfe auf Schweizerboden eine Chance zum Leben haben.