Zum Abschuss frei

05. Januar 2016 17:40; Akt: 05.01.2016 17:40 Print

Calanda-Wolf lag bei spielenden Kindern

Der Kanton möchte zwei Jungwölfe unverzüglich abschiessen. Dies unter anderem, weil einer bei spielenden Kindern lag. Laut dem Kanton haben Beschwerden keine aufschiebende Wirkung.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

In Flims GR wurde im Sommer ein Wolf beobachtet, der auf einer Wiese an der Sonne lag, auf der zwei Kinder spielten. Als der Vater der Kinder das Tier zu vertreiben versuchte, schlich der Wolf in gerade mal rund zehn bis zwölf Metern Entfernung des Mannes ins Gebüsch. In Höf bei St. Margrethenberg SG näherte sich nur wenige Tage später ein Wolf einem Bauernhof mit Restaurant. Auf Zurufe des Bauern aus 15 Metern Entfernung zog der Wolf nur zögerlich ab.

In Trin GR hetzten im Februar 2015 drei Wölfe ein Reh aus dem nahe gelegenen Wald zwischen die Häuser und töteten es. Als sie gestört wurden, liessen sie die Beute vor einem Hauseingang liegen. Später versuchte einer der Wölfe, zum gerissenen Reh zurückzukehren.

Diese und weitere ähnliche Vorfälle nahmen die Kantone St. Gallen und Graubünden zum Anlass, Ende November beim Bund den Abschuss zweier Wölfe zu beantragen: Nur so könnten die Tiere wieder dazu gebracht werden, sich von Siedlungen fernzuhalten, so ihre Begründung.

Beschwerden haben keine Aufschiebende Wirkung

«Um einer Zunahme von problematischen Verhaltensweisen des Calanda-Rudels vorzubeugen ist die Regulierung unverzüglich an die Hand zu nehmen», schreibt der Kanton St. Gallen im Amtsblatt. Noch ist nicht klar, ob WWF und Pro Natura die Abschussbewilligung des Bundes anfechten wollen. Zuständig sind die Verwaltungsgerichte der beiden Kantone. In St. Gallen läuft die Beschwerdefrist bis zum 18. Januar, in Graubünden bis Ende Januar. Allerdings stellt sich der Kanton St.Gallen auf den Standpunkt, dass allfällige Beschwerden keine aufschiebende Wirkung hätten.

Die vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) bewilligte Abschussbewilligung ist bis Ende März befristet. Demnach dürfen die Jungwölfe nur in Siedlungsnähe abgeschossen werden und es müssen mindestens zwei Jungtiere anwesend sein. Dadurch sollen die Wölfe wieder menschenscheu gemacht werden.

Schnee bringt Wölfe näher an Dörfer

Seit 2014 hätten sich die Wölfe zunehmend auffällig und seit 2015 problematisch verhalten, heisst es. Im vergangenen Jahr wurden 13 auffällige, 17 unerwünschte und fünf problematische Wolfsbegegnungen protokolliert.

Laut Auskunft des St. Galler Volkswirtschaftsdepartements könnte der Wildhüter im Calandagebiet schon bald den ersten Jungwolf ins Visier nehmen. Sobald Schnee fällt und das Wild in tiefer gelegene Regionen zieht, könnten auch die Wölfe wieder nahe an Siedlungen kommen. Im Moment sei dies noch nicht der Fall, sagte Gildo Da Ros, Generalsekretär des Volkswirtschaftsdepartements, am Dienstag auf Anfrage.

Das erste Wolfsrudel der Schweiz lebt seit 2012 im Gebiet des Calanda-Ringelspitz-Massivs im Grenzgebiet zwischen St. Gallen und Graubünden. Das Rudel besteht aus etwa zehn Wölfen: einem Elternpaar mit vier Jungen sowie drei bis fünf Jungen vom letzten Jahr.

(20 Minuten/sda)