Nachhaltig

01. April 2018 17:52; Akt: 01.04.2018 17:52 Print

Das erste Haus aus Hanf wird in Flims stehen

Droge, Medizin – und seit neustem Baustoff: Der Südtiroler Roland Mall baut in Flims GR ein ganzes Haus aus Hanfziegeln.

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Im Gegensatz zum Drogenhanf ist der Baustoff für das Café Lieto in Flims nicht brennbar. Die Hanfziegel widerstehen Temperaturen von über 650 Grad Celsius. Bauplaner Roland Mall kann vom Baustoff noch viele weitere Vorzüge aufzählen. «Mit Hanf baut man schneller, günstiger und vor allem nachhaltiger.» Hanfziegel kann man laut Mall fast fünfmal schneller herstellen als Backsteine, wodurch das Material auch kostengünstiger ist. Die Hanfpflanze wächst circa 50-mal schneller als Holz: Auf einem Hektar wächst in nur fünf Monaten Biomasse für ein kleines Einfamilienhaus. Für das Projekt braucht Mall acht Kubikmeter Ziegel, die aus nichts als Kalk, Wasser und Hanf, genauer gesagt aus Hanfbruch, bestehen. «Dieser wird gewonnen, wenn man die Fasern des Stammes einer Pflanze entfernt und mit Wasser reagieren lässt», erklärt Mall. Die Verbindung vom hohen Siliziumgehalt der Hanfschäben mit dem Magnesitgehalt des Kalks löst eine Karbonisierung (Versteinerung) aus, das Material wird langsam zu Stein und hält dadurch für viele Generationen. Naturkalk ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. So wurde er etwa bereits von den alten Römern für Viadukte und dergleichen verwendet. Sogar das Putzmaterial des Café Lieto wird aus Hanf gewonnen. Spatenstich ist im Mai, schreibt das «Bündner Tagblatt». Sollte das Gebäude einst abgebrochen werden, können Putz und Ziegel bedenkenlos vergraben werden. «Das geschredderte Material dient sogar als Bodenverbesserer, sozusagen als Naturdünger», sagt Mall. So schnell dürfte ein Abbruch aber nicht infrage kommen, wenn man die Langlebigkeit des Gebäudes berücksichtigt. Hanf ist auch ein gesunder Baustoff: Die Ziegel regulieren die Luftfeuchtigkeit und reinigen die Luft zusätzlich, indem sie etwa CO2 aufnehmen.

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Im Gegensatz zum Drogenhanf ist der Baustoff für das Café Lieto in Flims nicht brennbar: Die Hanfziegel widerstehen Temperaturen von über 650 Grad Celsius und fallen unter die Brandschutzklasse schwer entflammbar. Bauplaner und Leiter Roland Mall kann aber noch weitere Vorzüge aufzählen. «Mit Hanf baut man schneller, günstiger und vor allem langlebiger», sagt der Südtiroler.

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Spatenstich für das Café aus Hanf ist im Mai, schreibt das «Bündner Tagblatt». Für das Projekt braucht Mall acht Kubikmeter Ziegel, die aus nichts als Kalk, Wasser und Hanf, genauer gesagt aus Hanfschäben bestehen. «Dieser wird gewonnen, indem die Faser vom holzigen Kern einer Pflanze getrennt wird», erklärt Mall. Die Verbindung vom hohen Siliziumgehalt der Hanfschäben mit dem Magnesitgehalt des Kalks löst dann eine Karbonisierung aus, wodurch das Material langsam zu Stein wird und dadurch für viele Generationen hält. Hanfziegel kann man laut Mall fast fünfmal schneller herstellen als Backsteine, wodurch das Material auch eine negative CO2-Bilanz aufweist. «Zudem wächst Hanf schneller als Holz», bemerkt er (siehe Bildstrecke). Sogar das Putzmaterial wird aus Hanf bestehen. Lediglich das Fundament wird aus Beton gebaut, so verlangt es die Bauordnung wegen der Erdbebensicherheit.

Gebäude ist wiederverwertbar

Auch in Sachen Umweltfreundlichkeit punkten die Hanfziegel. Sollte das Gebäude einst abgebrochen werden, können sie, zusammen mit dem Putz, bedenkenlos vergraben werden. «Das geschredderte Material dient sogar als Bodenverbesserer, sozusagen als Naturdünger», erklärt Mall. Die Ziegel können aber auch als Baumaterial wiederverwertet werden, wodurch ein Kreislauf entsteht – und vor allem kein Abfall. So schnell dürfte ein Abbruch aber nicht infrage kommen, wenn man die Langlebigkeit des Gebäudes berücksichtigt.

Die Ziegel stammen aus dem grenznahen Eyrs im Südtirol. Es mache keinen Sinn, natürliche Baustoffe zu verwenden, diese dann aber über Tausende von Kilometern zu transportieren, sagt Mall. Der Lieferant presst die Ziegel selber: «Werner Schönthaler ist ein guter Freund von mir und beschäftigt sich schon länger mit Hanf als Baustoff.» Dessen Haus ist ebenfalls aus Hanf gebaut. «Die Atmosphäre dort ist wohltuend und gesund», erzählt Mall. Die Ziegel regulieren die Luftfeuchtigkeit und reinigen die Luft zusätzlich, indem sie etwa CO2 aufnehmen. «Ich schlafe dort besser als anderswo.» Zurzeit bezieht der Unternehmer seinen Hanf noch aus Italien. Das Ziel sei jedoch, bald Ziegel aus Schweizer Hanf herzustellen, sagt Mall.

Sehen Sie hier im Video, wie die Hanfziegel hergstellt werden. (Video: Schönthaler)

Wer mehr über das Projekt und Hanfziegel erfahren möchte, kann sich vom 6. bis 8. April am Criterion Festival in Zürich einen Eindruck verschaffen.

(tso)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bau Löwe am 01.04.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfachste Physik

    Wird den Bausektor nicht revolutionieren, trotzdem eine gute Sache. Die Architekten hingegen erfinden lieber die Bauphysik neu und die Industrie ist weiterhin Scharf auf EPS, da dieser Sondermüll weiterhin subventioniert wird. Das Problem schimmelnder Häuser wird dann auf die Eigentümer und Mieter abgewälzt, sie würden nicht richtig lüften, dabei leben sie in "plastiktüten" , die aufgrund der Ausdunstungen und Temperaturunterschiede unweigerlich anfangen zu schwitzen. Natürliche Wände in Holz, Lehm, Hanf etc. können hingegen Feuchte aufnehmen und die langsam abgeben ohne dabei zu schimmeln.

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  • il sirsilvan am 01.04.2018 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hanfisolation

    mein haus in den bergen jahrgang 200 ist mit hanf isoliert

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  • Heidi Heidnisch am 01.04.2018 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Echallens VD

    Das erste Haus aus 90% Hanf und 10% Holz stand bereits 1993 in Echallens VD. Damals fand im Museum für Weizen und Brot ( Musee du ble et du pain) auch die erste Hanfausstellung statt, wo auch traditionelle Hanfaussteuer und Hanfschürzen aus verschiedenen Jahrhunderten präsentiert wurden, nebst der ganzen Palette an Ökoprodukten aus Hanf. Mitgemacht haben dabei auch Bernard Rappaz und das Hanflädeli Bern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland Mall am 03.04.2018 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Folgt ser Bar

    Facebook Lieto.Flims

  • fox am 02.04.2018 10:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsinn

    Gute Ackerböden für den Anbau von Baumaterialien zu nutzen, ist Verschwendung. Dort sollen Lebensmittel angebaut werden. Es hat genügend Holz als Baustoff zur Verfügung. Zudem hat Holz weit bessere Qualitäten als Hanf.

    • OekoHero am 02.04.2018 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Hanf statt Fleisch

      Den Boden für die Nahrung für Tiere zu benutzen, die wir essen hat keine Zukunft. Wenn wir weniger Fleisch essen werden riesige Flächen für zB BioGemüse und auch Hanf frei werden.

    • fox (Biobauer) am 02.04.2018 13:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @OekoHero

      Das ist leider nicht ganz richtig. Ich habe geschrieben: auf "guten Ackerbödem". Es ist Unsinn, dort sowohl Hanf als auch Fleisch zu produzieren.

    • erntehelfer andi am 02.04.2018 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      @fox

      Hanf anbauen anschliessend mulchen, perfekter Gründünger.

    • Ganjiadelic am 03.04.2018 18:20 Report Diesen Beitrag melden

      Legaliz it

      Bis der letzte Baum gefällt wurde und Du keinen Sauerstoff mehr hast. Logisch ist Holz eines der besten Baustoffe. Aber bei unserem sinnlosen Holzverbrauch wie auch bei Papier muss endlich ein Umdenken in die Köpfe der Gesellschaft. Schon nur die Argumente: schneller, preisgünstiger, nachhaltiger. Sollte genügen.

    • Roland Mall am 03.04.2018 20:17 Report Diesen Beitrag melden

      360 was man aus Hanf alles machen kann

      Ja da bin ich toll deiner Meinung. Deswegen haben wir die Initiative gegründet Hanf 360 der alle Produkt vom Hanf nutzt, Samen zum Essen und Ol Blüten für Säfte oder dere Harz Produkte, Fassern für Kleidung! Kom und entdecke uns an der Criterion in Zürich und sehe und probiere selbst!

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  • gogg am 02.04.2018 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderpflanze

    Hanf bietet so vieles. Man sollte dieser Pflanze nicht so negativ gegenüber stehen, nur weil es Leute gibt, die Hanf mur wegen des THCs anbauen und verbrauchen. Das Zeug gehört fast überall hin, darüber hinaus wird keiner von Industriehanf high und für die Medizin brauchts das THC nicht. Ausser vielleicht bei Krebs gegen die Schmerzen.

  • BiChaDe am 02.04.2018 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    innovativ

    Das ist super und macht hoffentlich Schule... Hanfseile haben wir ja schon lange und die halten besser als die Kunststoffseile. Auch Stoff ist bereits lange im Gebrauch. Das nenne ich Nachhaltig und kann auch hier in Europa angebaut und verarbeitet werden... Daumen hoch für Innovation :)

  • Jack G. am 02.04.2018 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man riecht dann

    immer nach Hanf, am Zoll wird man von den Drogenhunden gestellt, viel Spass mit den Grenzbeamten.

    • OekoHero am 02.04.2018 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      Hausdurchsuchung

      Das gibt dem Begriff "Hausdurchsuchung" gleih eine andere Bedeutung... ;-)

    • Roland d Mall am 03.04.2018 20:23 Report Diesen Beitrag melden

      Neutralisiert Gerüche

      Alle die Hanf kennen richen Materia, aus gutem Grund. DIE Mischung ist aber geruchslos. Es wird nur der Stängel brauch genuzt, durch den Kalk und waaser entsteht ein Versteigerungs Prozess, das Material wirkt kann ionisierende u d neutralisiert für Jahrzehnte Gerüche auch den Rauch oder noch Fette!

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