Suizidprävention

06. Juli 2016 05:53; Akt: 06.07.2016 05:53 Print

Depressionen nehmen nach dem Winter zu

Die Nachfrage bei der Suizidprävention U25-Schweiz ist seit der Lancierung vor zwei Jahren stetig gestiegen. Nun werden im Herbst in der Ostschweiz neue jugendliche Berater gesucht.

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In der Schweiz nimmt sich täglich ein Jugendlicher unter 25 Jahren das Leben. Die Betroffenheit der Hinterbliebenen ist gross. Wie hier 2012 in Taylorsville, Utah. (Bild: Keystone/AP/kim Raff)

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«Im kommenden Herbst suchen wir wieder motivierte Peers, die wir in St. Gallen und Wil ausbilden», sagt der Wiler Raphael Wobmann, Initiator von U25 Schweiz. Mit Peers sind jugendliche Berater von 17 bis 25 Jahren gemeint, die andere Jugendliche in schwierigen Situationen beraten, etwa wenn sie suizidale Gedanken haben. Diesen Ansatz verfolgt das Projekt seit Anfang 2014. «Die Suizidprävention in der Schweiz ist ein schweres Feld, es kann noch viel gemacht werden», sagt Wobmann. Er sieht sich durch die hohe Nachfrage bei U25 Schweiz bestätigt. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Projekt einen Zuwachs von 66% an Anfragen im Vergleich zum Jahr 2014. Für 2016 wird nochmals eine Zunahme erwartet.

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Zusätzlich zu den Peer-Ausbildungen in St. Gallen und Wil lanciert Wobmann im Herbst eine App, die sich dem Problem des Cyber Mobbing annimmt. «Die App ist derzeit noch in Planung. Wir haben aber bereits einige Ideen, die wir damit umsetzen möchten.» Grundlage für die App bilden juristische Grundlagen und Erkenntnisse aus der Konfliktforschung, an denen sich die Betroffenen orientieren können.

Viele Anfragen im März

Ein Grossteil der Betreuten bei U25 Schweiz seien weibliche Teenager im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Die Gründe dafür reichen von Schulstress über Liebeskummer bis zu Missbrauch in der Familie. «Manche sagen, sie ritzten sich, andere waren bereits beim Psychiater und fühlten sich dort nicht wohl», sagt Wobmann. Der Anteil von männlichen Jugendlichen sei kleiner, weil sie Probleme anders zu bewältigen versuchten. «Sie sind häufig nicht so offen oder wollen nicht darüber sprechen.»

Auffällig sei zudem, dass es die meisten Anfragen im März gebe. Dies liege daran, dass man dann erst richtig merke, wie schlecht es einem geht. «Im Winter kann man noch dem schlechten Wetter die Schuld geben. Im Frühling tummelt sich dann aber das gesellschaftliche Leben und man realisiert seine eigene Situation.» Auch gegen Ende der Sommerferien nehmen die Anfragen laut Wobmann zu.

«Das ist eine Katastrophe»

Kurz nach der Lancierung des Projekts vor rund zwei Jahren war Initiator Wobmann guter Dinge, dass die Kantone St. Gallen und Schaffhausen finanzielle Unterstützung für eine schweizweite Kampagne bereitstellen würden. Doch nun nach mehr als zwei Jahren harter Arbeit hat sich diesbezüglich noch immer nichts getan. «Mit keinem Kanton in der Ostschweiz gab es einen Fortschritt. Das ist eine Katastrophe», so Wobmann zu 20 Minuten. Die Behörden hätten das Gefühl, alles selber im Griff zu haben. Die Betroffenen müssten aber im Vordergrund stehen, nicht die Politik. Entmutigen wolle man sich durch das Verhalten der Kantone aber nicht. Im Gegenteil: «Das spornt uns nur noch mehr an.»

(jeh)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mister1234 am 06.07.2016 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder bei unserer Gesellschaft

    Mehr ist mehr, schöner ist schöner. Bei unserer Gesellschaft werden eben immer mehr Leute verrückt... Im

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  • lexy am 06.07.2016 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Laien können das genau so.

    Denke das sie mit den Laien nicht schlecht fahren, die sind noch nicht so abgestumpft wie die sogenannten Fachleute. Kenne auch einen Fall da wollte sich jemand in der Psychiatrischen Klinik anmelden ( suizidal ) und wurde abgewissen, mit der Begründung wen sie sich selber melde ist sie nicht so schlimm dran. Sie könne ja zum Psychiater.... Der hat nach der 1 Stunde gleich mal den Rezept block gezückt und wollte irgend etwas verschreiben. Bei solchen Fachleute ist man mit Laien besser dran.

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  • O.S. am 06.07.2016 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute sache.

    Gut gibt es dieses Projekt. Schade aber gibt es immer noch keine neuen Ansätze um vorallem männliche Jugendliche abzuholen, bevor sie Suizid machen. Immerhin machen sie rund 80 Prozent der Betroffenen in dieser Altersgruppe aus. Und wie es scheint, sind sie auch bei sieser neuen Sache stark untervertreten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rex Aragon am 07.07.2016 02:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich habe ehrenamtlich

    ein offenes Ohr wie Tür bei mir. sterben ist keine Option!

  • Ramona am 06.07.2016 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RESPEKT

    Ich finde es bewundernswert das es solche tolle junge Menschen gibt welche sich nebst ihrer beruflichen Tätigkeit noch so engagieren. Ich zolle euch meinen höchsten Respekt. ES SOLLTE MEHR SOLCHE LEUTE GEBEN!

  • Petra am 06.07.2016 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Kreis drehen

    Fachleute gibt es, aber null Einfühlungsvermögen, es wäre so wichtig und eigentlich sollten es nur Leute die das auch mal durchlebten helfen, man kann sich eine Depression oder Angstzustände hatten wissen wie es ist unbeschreiblich schlimm, lähmend, Horror. Mich macht das so wütend manchmal diese theoretische denken. Würde so gerne helfen.

  • Opi am 06.07.2016 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stress

    Ich als selbst Betroffene kann es gut verstehen . Im Frühjahr sind Prüfungen Stress und viele sind überall erreichbar Prüfungen immer mehr wird verlangt. Alkohol Ausgang . Ist das noch Lebensqualität ? Finde es sehr gut das gleichaltrige zur Seite stehen . Und einander unterstützen. Aber was ich zweifle ist das solche Ereignisse im bekannten Kreis nicht in weite Runden gehen und alle wissen Bescheid .

  • Manu Koller 1 am 06.07.2016 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Vieles handgestrickt.

    Vor lauter Überkonsum bracucht es immer mehr Psychologen für alles mögliche. Kau nimmt etwas nicht einen gerade Lauf kippen sie um. Man kann es auch Wohlstandskrankheit nennen. Unsere gesellschaft wird imm weicher und alle leben im Überfluss. Vieles ist einfach nur selbstgestrickt.