Rorschach SG

17. Juli 2018 10:53; Akt: 17.07.2018 18:03 Print

Der «Gnadenhof» ist eine 1-Zimmer-Wohnung

Ein Tierschutzhof ruft auf Facebook zu Spenden auf. Hinter dem Projekt steckt eine Frau, die aus einer 1-Zimmer-Wohnung Hunde verkauft.

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«Euch gefällt unser Tierschutzverein und ihr möchtet gerne etwas dazu beitragen? Dann werdet doch Mitglied, Gönner oder Spender und helft uns dabei, Tieren zu helfen», so heisst es im Facebook-Eintrag des Vereins Heart-Hof aus Rorschach. Dazu werden Bilder von Tieren in idyllischer Umgebung gepostet, die den Eindruck erwecken, hier würden auf einem Hof Tiere aus prekären Verhältnissen gerettet.

Ein Augenschein vor Ort macht klar: Hinter dem Tierschutzverein steckt eine 26-jährige Ostschweizerin, die aus ihrer kleinen 1-Zimmer-Wohnung in Rorschach SG einen Hundehandel betreibt. Bis zu drei Hunde leben hier, dazu seit ein paar Wochen eine flugunfähige Krähe in einem Terrarium.

Kritik von VgT

Die Frau räumt gegenüber 20 Minuten ein, dass die Verhältnisse nicht eben optimal seien. Tatsächlich hat sie bis letztes Jahr im Aargau einen Hof betrieben, diesen aber räumen müssen, nachdem es heftige Kritik von Tierschützern gehagelt hatte. Der Hof sei verwahrlost, so das Urteil des Vereins gegen Tierfabriken (VgT), die Tierhaltung alles andere als tiergerecht.

Den Zusatz «Hof» im Namen hat die Frau beibehalten. Aus dem Gehöft ist jedoch eine circa 15 Quadratmeter grosse Wohnung geworden. Die Hunde importiert die Frau aus Bulgarien, um diese dann in der Schweiz zu vermitteln. «Diese habe ich im Schnitt zwei bis vier Wochen bei mir», so die 26-Jährige zu 20 Minuten. Danach verkaufe sie die Tiere für 500 Franken weiter. Eine Bewilligung für Hundehandel kann die 26-Jährige nicht vorlegen. Auch waren die verkauften Hunde nicht jedesmal kastriert. Die Frau begründet es damit, dass die Hunde zu jung seien für eine Kastration.

«Von einer Hölle in die andere»

«Für mich klingt das alles andere als seriös», sagt die Ostschweizer Tierrechtlerin Edith Zellweger. Tiervermittlungen über Social-Media-Plattformen verurteile sie generell. Hunde, die aus dem Ausland importiert werden, müssten bei Amicus, der Datenbank für Hunde, registriert werden, zudem sollten sie kastriert sein. Ansonsten zeige dies, dass jemand keine Verantwortung übernehme: «Oft wird unter dem Deckmantel des Tierschutzes ein fragwürdiger Handel betrieben», sagt sie.

Dem St.Galler Veterinäramt ist die Frau bisher nicht negativ aufgefallen. «Bei uns gehen regelmässig Meldungen ein, dass an einem Ort mit der Tierhaltung etwas nicht stimme», sagt der stellvertretende Kantonstierarzt des St. Galler Amts für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) Stefan Siegmann. In der Folge würden Kontrollen vor Ort durchgeführt. Was das Raumangebot für Haustiere in Wohnungen betrifft, gibt es laut Siegmann keine exakten Vorgaben: «Grundlegend ist einfach zu beachten, ob der Vermieter überhaupt Tierhaltung gestattet.»

Neuer Hof gesucht

Die 26-jährige Hundehändlerin versichert, bei ihr gehe alles mit rechten Dingen zu. Sie sei gerade daran, eine Bewilligung für Hundehandel zu erlangen, sagt sie.

Der Name Heart-Hof sei eben nicht nur der Name des ehemaligen Hofes im Aargau, sondern auch der des dazugehörigen Vereins, deshalb habe sie die Facebook-Seite so stehen lassen. Vielleicht werde sie den Namen nun aber ändern. Keinesfalls habe sie vorgaukeln wollen, sie betreibe in Rorschach einen Tierschutzhof. Tieren zu helfen, das sei ihr Antrieb, versichert die 26-Jährige. Sie hoffe, bald einen neuen Hof zu finden, wo sie ihnen ein besseres Zuhause bieten könne.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mani Motz am 17.07.2018 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    leider

    das ist falsch verstandene Tierliebe..

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  • Nica am 17.07.2018 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nötig fremde Hunde importieren

    Hunde importieren?Ohne Wissen um die Vorgeschichte?Nimmt mich Wunder wieviele Hunde davon in den hiesigen Tierheimen abgeschoben wird.Sehr unseriös das Ganze.Sie sieht darin wohl einr lukrstive Einnahmequelle PFUI

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  • Stefan Stammtisch am 17.07.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Dubios

    Seltsames, untransparentes Vorgehen der jungen Frau. Was bezweckt denn nun der Verein?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Spaniel am 17.07.2018 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verein

    Wäre noch spannend zu erfahren wie dieser Verein zusammengesetzt ist. Man kann darüber ja nichts in Erfahrung bringen. 1-Frau Organisation ?

  • Patricia am 17.07.2018 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolut unseriös

    Solche Leute machen den seriösen und ernst gemeinten Tierhelfern alles kaputt !! Solche, die wirklich froh sind um jede Spende, damit sie sich um die Tiere richtig kümmern können. Warum greift der Tierschutz da nicht ein, und nimmt die Tiere raus? Bevor es noch mehr werden!

  • Hitsch Glücklic uf dr Alp am 17.07.2018 15:23 Report Diesen Beitrag melden

    Wie wäre echt die Reaktion, wenn

    in dieser kleinen Wohnung eine Immigrantenfamilie mit 3 Kindern untergebracht wäre? Kaum eine Reaktion nehme ich an!

  • Leserin am 17.07.2018 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte keine Vorverurteilung

    Gemäss Internet war die besagte Dame im vergangenen Jahr daran, eine Ausbildung zur Heimtierpflegerin zu absolvieren. Somit verfügt sie über gewisse Kenntnisse der Tierhaltung. Weiters macht man eine solche wohl dann, wenn man Tiere liebt und drittens verfügt man während einer Lehre noch nicht über ein Vermögen. Es ist somit durchaus verständlich, dass sie sich aktuell noch kein Haus leisten kann. Hauptsache, sie sorgt sich gut um die Tiere.

  • Bruce am 17.07.2018 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Simpel...

    Arbeitslos und 500-1000.- Plus machen im Monat, dabei noch ein paar armen Hündchen knuddeln. Weiss denn das Arbeitsamt etwas von ihrem Treiben und wird alles korrekt versteuert? Wegen den Tieren kann man dank lascher Gesetze nicht einschreiten, aber vielleicht könnte man an dieser Stelle nachhaken.