Attacke im Zug

05. Februar 2014 16:19; Akt: 07.02.2014 12:56 Print

Der Behinderten-Schläger ist gefasst

Der 39-jährige T.M. wird im Zug attackiert – er ist behindert und kann sich nicht wehren. Die Familie des Opfers ist erschüttert. Der Täter wurde gefasst.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Sonntag ist der 39-jährige T.M.* auf dem Weg zu seiner Grossmutter im Pflegeheim. Er sitzt im Zug, als er unvermittelt von einem jungen Mann attackiert wurde. Seine Kollegen filmten den Vorfall. Das Video verbreitete sich rasend schnell.

Schlotternd vor Angst kommt T.M. im Pflegeheim an und erzählt, was passiert ist. Doch erst, als die Eltern das Video sehen, realisieren sie die Heftigkeit des Angriffs. Sein Vater Hermann M. sagt: «Er hat uns erzählt, dass er eine Ohrfeige gekriegt hat, aber wie heftig das war, sahen wir erst da.»

«Ihm ist noch ein bisschen schwindlig vom Übergriff», sagt sein Bruder Roger M. «Das Video hat uns alle sehr betroffen gemacht – aber wir sind froh, wurde es veröffentlicht. Kurze Zeit später gingen nämlich bereits Hinweise bei der Polizei ein.» Bereits am Sonntag hatte das Opfer Strafanzeige in Bürglen gegen unbekannt erstattet. Inzwischen hat die Kantonspolizei Thurgau den Täter gefasst. Der in der Region wohnhafte Türke ist geständig. Der 22-jährige Mann gab als Motiv an, er sei verbal provoziert worden.

Der Bruder des Opfers widerspricht der Darstellung des Täters: «T.M. ist eher scheu und introvertiert, er würde nie jemanden provozieren.»

Opfer in «Schockphase»

T.M. ist seit der Attacke im Zug «sehr niedergeschlagen». Er habe Mühe, den Vorfall zu verarbeiten, sagt Roger M. «Er versteht nicht, warum gerade ihm so etwas passieren musste.»

Sein Bruder befinde sich derzeit in einer Schockphase. Gegenwärtig werde abgeklärt, ob er psychologische Betreuung brauche, um das Erlebte zu verarbeiten. «Er muss das aber selbst wollen», sagt Roger M.

T.M. ist eine Frohnatur und in der Gegend bekannt. Nach dem Vorfall wurde seine Familie von einer Sympathiewelle überrollt. «Auf Facebook schrieben die Leute hunderte Einträge, das hat uns sehr gut getan», sagt sein Bruder.

Täter lebt in Heim

Der Täter S.I.* lebt derzeit in einem Heim in Güttingen. Gemäss Leser-Reportern ist er in seiner Vergangenheit schon öfters durch Pöbeleien aufgefallen. Im Heim will man zum Vorfall nichts sagen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Der Sprecher bestätigt jedoch, dass die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KESB) in Weinfelden eingeschalten wurde.

Der Vater von T.M. erwartet vom Schläger, dass er für seine Tat geradesteht. Hermann M.: «Er soll sich bei meinem Sohn entschuldigen.»

* Name der Redaktion bekannt

(num)