Wangs SG

19. September 2019 04:49; Akt: 19.09.2019 04:49 Print

Der erste Schweizer Gletscher wird beerdigt

Vor rund einem Monat erklärte Island den ersten Gletscher für tot. Nun soll am Sonntag auch eine Gedenkfeier für den Pizolgletscher stattfinden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Seit 2006 hat der Pizol in keinem einzigen Jahr an Masse gewonnen, wie es ein gesunder Gletscher sollte. Jährlich verliert er zwischen einem und zwei Metern an Dicke», sagt Matthias Huss, Glaziologe an der ETH Zürich. Der Gletscher habe inzwischen so viel Eis verloren, dass er nicht mehr als Gletscher gilt. Er ist nur noch 0,06 Quadratkilometer gross.

Umfrage
Bereitet Ihnen das Verschwinden der Gletscher Sorgen?

Ein Gletscher sei so definiert, dass er gewisse Zeichen einer Fliessbewegung zeige, so Huss weiter. Dazu sei der Pizol nun zu leicht. «Im Falle des Pizols zeigen sich Auflöseerscheinungen. Vor zwei Jahren sah man noch eine zusammenhängende Masse. Letztes Jahr war er in zwei Teile aufgesplittet. Vor zwei Wochen waren es bereits fünf Teile.» Das sei ein Zeichen dafür, dass er langsam ganz verschwinde.

Gletschersterben geht in Zukunft weiter

Laut dem Experten werden in den kommenden Jahren weitere kleine Gletscher in der Schweiz verschwinden. Von den grossen würden lediglich kleine Reste übrig bleiben. Um dem entgegenzuwirken, sei es nötig, globale Massnahmen zu ergreifen. Sprich die Ziele des Pariser Abkommens in der Schweizer Verfassung umzusetzen und, wie es auch die Gletscherinitiative fordert, dass die Schweiz ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2050 auf null senkt, so Huss.

Wichtig sei auch, Aufmerksamkeit für das Problem zu erregen. Deshalb findet diesen Sonntag eine Gedenkfeier für den sterbenden Pizolgletscher statt. Vor rund einem Monat erklärte Island den 700 Jahre alten Okjokull offiziell für tot. An der Abschiedszeremonie nahmen rund hundert Menschen teil, darunter Regierungschefin Katrin Jakobsdottir.

Keine Kopie

Veranstaltet wird die Gedenkfeier für den Pizolgletscher von diversen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen. «Wir hoffen, dass die ganze Thematik mit so einem Event in den Köpfen der Menschen präsent ist und zum Umdenken führt», so Mischa von Arb, Kampagnen-Koordinator von Fastenopfer und Brot für alle. Auch die Schweiz solle ihren Beitrag gegen den Klimawandel leisten.

Die Gedenkfeier sei aber nicht von der Abschiedszeremonie in Island inspiriert worden. Man habe bereits im Mai mit der Planung begonnen. «Dass aber zwei solche Aktionen parallel geplant werden, zeigt, dass es ein ernstes Problem ist», so von Arb weiter.

(del)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürä1963 am 19.09.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtige Angabe fehlt

    Und wieviel Meter über Meer liegt der Pizol-Gletscher ??!

    einklappen einklappen
  • Evi A. am 19.09.2019 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eiszeit

    Gäbe es keinen Klimawandel, wären wir noch in der Eiszeit. Sicher müssen wir Sorge zur Umwelt tragen, aber Angst ist ein schlechter Berater.

    einklappen einklappen
  • die grüne Ratte am 19.09.2019 05:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich wieder Sommer

    Bekomme ich Frei vom Arbeitgeber , wenn ich ans Begräbnis gehe ?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • wildh. am 20.09.2019 22:09 Report Diesen Beitrag melden

    Geld machen!

    Das Traurige an dem ist jetzt machen die noch ein Geschäft ein Fest? Das ist Geldmacherei und nichts anderes. Nächstes Jahr hat es plötzlich wieder einen.

  • wirzwei am 20.09.2019 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der hat ja Zugenommen im 2019

    Da war ja im 2019 mehr Gletscher vorhanden als im 2018.

  • Strauss am 20.09.2019 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    RIP Schweizer Gletscher

    Fakt ist, es geht einfach viel zu schnell! Wenn zB. ein Ronegletscher innerhalb von 30Jahren praktisch wegschmilzt und so die Alpen instabil werden, dann ist das eine menschgemachte Problematik!

    • Dr Waggis am 20.09.2019 17:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Strauss

      Das ist eben nicht wahr. Die aktuelle Erwärmung ist mit knapp 0,5 Grad pro Jahrhundert vergleichsweise langsam.

    • wirzwei am 20.09.2019 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Strauss

      Ach so ein Schmarren. Etwas behaupten, wo man weiss, dass es gar nicht von Menschen gemacht wurde. Klima findet und fand schon immer statt.

    einklappen einklappen
  • Gletschetoni am 19.09.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Er ist der letzte Überlebende..

    auf dieser Höhenlage. Kein Wunder. Nordseitig im Schatten platziert. Nirgendwo findet man noch Gletscher auf dieser Höhe. Also auch nicht weiter verwunderlich.

  • alice am 19.09.2019 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    also 1955 mein Vater vom Hospiz Bernina nach Hause kam sagte er da ist nicht mehr lange Eis drauf der Gletscher war heute Morgen Rot von Staub das wird das Ende sein 1958 kurtz bevor er starb gabs wieder so ein Saharastubschicht er hat Jahre auf dem Hospiz Bernina gearbeitet und das Fazit der Gletscher schaft es nicht mehr