Hans Raab

27. Januar 2010 16:36; Akt: 28.01.2010 09:14 Print

Die Fischfarm ist endgültig gestorben

von Amir Mustedanagic - Es sollte ein Comeback mit Sprengkraft werden: Melander-Züchter Hans Raab kündigte eine «revolutionäre Überraschung» an. Nun liegt er im Spital und ist in «akuter Gefahr». Seine Fischfabrik wird «endgültig geschlossen». Das letzte Kapitel einer unendlichen Geschichte scheint geschrieben.

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Sorgte für Schlagzeile um Schlagzeile: Hans Raab bei einer seiner vielen Medienkonferenzen. (Bild: Keystone)

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Er poltert, er schimpft, er läuft rot an und ärgert sich über Kanton und Staat: Hans Raab ist nicht nur der berühmteste Fischzüchter der Schweiz, er ist ein mediales Spektakel. Der 70-jährige Erfinder der Ha-Ra-Putzmittel und Multimillionär sorgt seit über einem Jahr für Schlagzeilen. Das neueste Kapitel sollte das Comeback seiner Melander-Fischfarm werden: Er kündigte «eine revolutionäre Überraschung» und die Wiedereröffungung seiner Fischfabrik in Oberriet an.

Das Programm klang abenteuerlich: Eine Führung durch das Werk, ein gemeinsamer Ausflug nach Liechtenstein zur Pressekonferenz, ein Vortrag zur «revolutionären Überraschung» und als Highlight die Bekanntgabe, ob er den Kanton St. Gallen auf die angedrohten 100 Millionen Franken Schadenersatz verklagt. Doch es kam ganz anders.

Hans Raab in «akuter Gefahr»

Nur einen Tag vor der Pressekonferenz hat das Herz von Hans Raab ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er habe gerade die Räume für die Medienkonferenz inspiziert, als er umkippte, wie sein Medienberater Peter Ziegler mitteilte. Raab sei nicht mehr ansprechbar gewesen und musste notfallsmässig ins Spital gebracht werden. «Er ist aber wieder bei Bewusstsein», sagt Ziegler gegenüber 20 Minuten Online. Er habe mit seiner Frau sprechen können, befinde sich aber immer noch auf der Intensivstation und sei in «akuter Gefahr».

Während Raab sich im Spital Grabs von seinem Infarkt erholt, sollen Transporter vor der Fischfabrik in Oberriet anrollen, wie Ziegler sagt. «In Zukunft wird dort nichts mehr laufen – Hans Raab ist todkrank.» Zudem dürfte laut Ziegler auch seine angedrohte 100-Millionen-Klage kein Thema mehr sein. Die Gründe sorgen aber für Verwirrung: Dem Regionaljournal von Radio DRS sagte Ziegler: «Der Aufwand und die Kosten einer Schadenersatzklage wären zu gross». Gegenüber 20 Minuten Online sagte er: «Die Anwälte raten aufgrund des gesundheitlichen Zustandes davon ab».

Vom Comeback zur totalen Schliessung

Innerhalb von einem Tag lösten sich die Ankündigungen von Raab in Luft auf. Seine «revolutionäre Überraschung» verpuffte im Nichts, seine Klage ist kein Thema mehr und seine Betäubungsmethode noch immer «nicht tiergerecht», sagt Marcel Falk, Sprecher des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET) gegenüber 20 Minuten Online. Raabs Medienberater Peter Ziegler hatte immer wieder von «neuesten Gutachten» gesprochen, die «durchaus genehmigungsfähig» seien und den immer wieder kritisierten Kantonstierarzt Thomas Giger «unter Druck bringen». Tatsächlich sind beim BVET «weder neue noch alte Gutachten eingegangen», sagt Falk. An der Sachlage habe sich nichts geändert.

Für Peter Ziegler ist am Herzinfarkt und dem erneuten Scheitern nur einer Schuld: der Kanton St. Gallen und dessen Kantonstierarzt Thomas Giger. Giger hat mit einer superprovisorischen Verfügung vom 21. Januar gerichtlich verboten, dass Raab an seiner Medienkonferenz ihm eine Amtspflichtverletzung nachsagt. «Das hat dem Mann den Rest gegeben», ist Zielger überzeugt. Er habe seither von nichts anderem mehr gesprochen. «Sollte der Mann sterben, ist das die Schuld des Kantons.»

Die Vorwürfe gegen Giger und den Kanton sind nur das neueste Kapitel in der unendlich scheinenden Geschichte von Hans Raab und dem Kampf um seine Melander: Raab unterstellte Giger bereits gemeinsame Sache mit den Tierschutzorganisationen zu machen. Giger habe Gesuche nicht eingereicht und «seine Amtspflicht mehrmals grob verletzt». Er fühlte sich deshalb vom Kanton enteignet und drohte von Anfang an mit Abwanderung. «Ich habe Angebote aus aller Welt», verkündete er im April. Im Juni teilte er mit, die Farm ziehe in seine Heimat, das deutsche Saarland – geschehen ist bis heute nichts. Im Gegenteil.

Der Kampf gegen die Behörden als Mission

Die Behörden im Saarland empfingen Raab alles andere als wohlwollend: Seine Tötungsmethode wurde auch dort als nicht tiergerecht und verboten abgestempelt. Raab ist dort kein unbeschriebenes Blatt: Er stritt 2008 mit den Steuerbehörden vor Gericht um Steuernachzahlungen in Millionenhöhe und hatte wiederholt Ärger mit dem Betriebsrat des Ha-Ra-Betriebes. Und auch in der Schweiz geht es nicht nur um die Tötungsmethode: Die Fischfabrik sitzt auf offenen Rechnungen.

Mehrere hundertausend Franken soll Raab Handwerkern gemäss dem St. Galler Amtsblatt schulden. Melander-Händler verlangten Polizeischutz vor Raab und Mitarbeiter klagten gegen den Chef. Die Melander-Zucht blieb aber bis zuletzt in Oberriet, auch wenn die Tiere nicht mehr dort getötet wurden. Ob sie nun von den Speditionsfahrzeugen abgeholt werden? «Wir haben das Gelände gesichert und es herrscht ein Foto-Verbot», teilte Ziegler gegenüber 20 Minuten Online präventiv mit.

Letztlich bleiben viele Fragen im Zusammenhang mit der Fischfarm offen, eines scheint aber sicher: Hans Raab hat seinem Ruf alle Ehre gemacht. Der Staat und seine Steueransprüche, seine Gesetze, seine Forderungen sind Raab längst ein Dorn im Auge. Seine Stiftung für Unternehmensethik und soziale Verantwortung kämpft seit Jahren gegen «zu Unrecht von Steuern und anderen staatlichen Massnahmen betroffene Unternehmer und gegen das selbstherrliche Gebaren der Finanzbehörden und anderer staatlicher Stellen». Seinen eigenen Fall scheint Hans Raab verloren zu haben. «Die Melander-Fischfarm in Oberriet wird endgültig geschlossen», hiess es am Mittwochabend in einer Medienmitteilung. Die restlichen Fische seien tierschutzgerecht geschlachtet. «Es befinden sich jetzt im Betrieb keine Fische mehr.»