11. Juni 2006 22:20; Akt: 11.06.2006 21:24 Print

Die Ostschweizer Dialekte: «Grell, abstossend und kalt»

Thurgauerisch, Appenzeller- und St.-Galler-Deutsch belegen schon seit 200 Jahren die hintersten Plätze der Dialektrangliste. Selbst einigen St. Gallern gefällt ihre Sprache nicht.

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Helle Äs und Ös sind das Markenzeichen der Ostschweizer Dialekte. Und in der ganzen Schweiz stört man sich daran. In Umfragen wird die Sprache mit Ausdrücken wie «unsympathisch», «abstossend» und «grell» beschrieben, so die «NZZ am Sonntag». Entsprechend bilden die Ostschweizer Dialekte in Rankings meist das Schlusslicht.

Beliebt hingegen sind die Dialekte der Berner, Bündner und Walliser. Auch bei einer Online-Umfrage von 20 Minuten bezeichnen nur 7 Prozent von 1500 Teilnehmern den Ostschweizer Dialekt als ihren Lieblingsdialekt. Das kommt nicht von ungefähr: Selbst einigen Teilnehmern unserer Umfrage gefällt ihr Dialekt nicht und sie hören ihn nicht gern im Radio und Fernsehen.

(poe)

Gehören ostschweizer Dialekte wirklich auf die letzten Plätze?

Patrick Furrer, 23, St. Gallen:
Der St. Galler Dialekt sollte viel weiter oben sein. Die Österreicher und Deutschen verstehen uns am besten. Während meinen vier Jahren in Zürich wurde ich wegen meinen Äs und Ös des Öfteren ausgelacht.

Karin Hochreuteler, 20, St. Gallen:
Die Anschuldigungen sind berechtigt. Ostschweizerisch im Fernsehen klingt einfach blöd. An den Zürcher Dialekt hat man sich gewöhnt. Blöd
angemacht wurde ich wegen meines Dialekts aber noch nie.

Marc Freiheit, 28, St. Gallen:
St. Gallerisch ist sehr sympathisch. Natürlich wird man angemacht, das ist normal. Wie man bei Anita Burri gesehen hat, haben es auch Prominente mit Ostschweizer Dialekt schwer. Da steht man drüber.

Amanda Hirzel, 18, St. Gallen:
Die Ostschweizer sind da, wo sie hingehören. Ostschweizer Moderatoren am Fernsehen klingen mies. Ich wurde noch nie negativ auf meinen Dialekt angesprochen. In der Schule wurden Appenzeller gehänselt.

Anastasius Salonidis, 27, St. Gallen:
Ich finde den St. Galler Dialekt eigentlich ganz angenehm. Ostschweizer haben den Ruf, Bauern vom Lande zu sein. Zürich, Basel und Bern sind eher Weltstädte und deswegen beliebter bei den Leuten.