Arbon TG

05. April 2019 20:51; Akt: 05.04.2019 20:51 Print

Puff um Puff wird ein Ende gesetzt

Fertig Puff: Damit Nachbarn wieder Ruhe haben, hat Kybun-Unternehmer Karl Müller das Haus des Erotikbetriebs Schifflände in Arbon gekauft und dem Betreiber gekündigt.

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«Männer feuern sich bei Orgien gegenseitig an», titelte 20 Minuten im Herbst 2018, als über die Lärmklagen rund um das Etablissement in Arbon berichtet wurde. Anwohner ärgerten sich über Gestöhne, nackte Personen an Fenstern und Müll.

Dem Treiben wird nun ein Riegel vorgeschoben. Die Schifflände ist verkauft. Die Wochenzeitung Felix berichtet, dass die Bordell-Immobilie verkauft worden sei. Seit Monaten sorgte der Betrieb für Aufruhr und Diskussionen. Nun hat der Thurgauer Ingenieur, Massai-Barfussschuh-Erfinder, Kybun-Chef und Namensgeber des Kybunparks, Karl Müller, das Haus gekauft.

Das Haus «Schifflände» liegt am Rande der Arboner Altstadt, nahe beim Hafen, vermeintlich ruhig gelegen. Im Erdgeschoss befindet sich ein Restaurant. Ein Stockwerk weiter oben ist die Kontaktbar.

Nackte Frauen und Männer am Fenster

Diese Lage sorgte in der Vergangenheit für viel Puff. Anwohner störten sich an Nackten am Fenster, Lärm und Müll. Sie forderten, dass die Stadt dem Lokal die Bewilligung entziehe. «Fast täglich stehen die Frauen nackt an den Fenstern, vor allem im Sommer», schrieben Familien, die in der Nähe der Schifflände wohnen, in einem Brief. Auch Freier habe man am Abend unbekleidet durch die Zimmer gehen sehen. Dazu habe man die Befriedigung der Kunden akustisch mitverfolgen können: «Offensichtlich kommt es immer wieder vor, dass Orgien gebucht werden, bei denen viele Männer sich gegenseitig ‹anfeuern›», hiess es im Schreiben weiter. Ausserdem seien überall Scherben, Drogenpäckchen und benutzte Feuchttücher herumgelegen.

Post verweigert

Von diesen Problemen hatte Karl Müller, Besitzer der benachbarten Liegenschaft «Rebstock», anscheinend genug. Er kaufte das Haus und kündigte dem Betreiber der Kontaktbar.
Per eingeschriebenen Brief habe der neue Eigentümer dem Pächter zum Jahresbeginn gekündigt. Doch wie Felix berichtet, verweigert laut Müller der Puffbetreiber die Annahme der Post und reagiere auf keine Telefonate. Ausserdem sei der Mieter mit seinen Schulden in Verzug.

Pächter Remo Pingiotti, der schon 16 Jahre im Haus ist, streitet die Vorwürfe ab. Wie er 20 Minuten mitteilt, könne er belegen, dass er keinen Rappen schulde. Um den Zwist zu klären, werden die beiden Parteien am 18. Mai einen Termin bei der Schlichtungsbehörde haben. «Ich bin nicht auf Krawall aus», sagt Pingiotti. Er finde es bedauerlich, solche Dinge durch die Presse zu erfahren, und sei sich sicher, dass man mit einem persönlichen Gespräch weitergekommen wäre.

Müller sieht das anders: «Tatsache ist, dass wir dem aktuellen Mieter rechtzeitig gekündigt haben, weil ich neben meinem Haus, das ich seit 30 Jahren besitze, keinen Nachtclub haben möchte», sagt er zu 20 Minuten.

Puff soll «Bed and Breakfast» werden

Wie Felix weiter schreibt, sei noch nicht definitiv entschieden, was künftig mit der Schifflände passieren soll. Müller könne sich vorstellen, das Restaurant im unteren Stockwerk zu belassen und im Obergeschoss ein «Bed and Breakfast» zu eröffnen. Für Pingiotti hingegen ist klar, dass der Betrieb vorerst weiterlaufen wird.

(mwa)