«Roadkill»

19. Dezember 2017 05:46; Akt: 19.12.2017 05:46 Print

Die einen dürfen Unfallwild essen, die andern nicht

Unfallwild darf man nicht nach Hause nehmen und verspeisen. Die getöteten Tiere gehören dem Kanton oder einer Jagdgesellschaft. Diese entscheiden, wie mit dem Kadaver zu verfahren ist.

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Das richtige Verhalten beim Zusammenstoss mit einem Rehbock demonstriert ein Motorradfahrer an einem bereits erlegten Bock während einer Vorführung im Landkreis Ebersberg/Oberbayern (Sommer 1999). (Bild: Keystone/AP/Uwe Lein)

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Vor knapp einer Woche meldete die Kantonspolizei Graubünden, dass ein portugiesischer Autofahrer (47) mitten in der Nacht ein Reh angefahren hatte. Statt den Vorfall zu melden, lud der Mann das tote Tier in den Kofferraum und fuhr nach Hause. Er hatte vor, das Reh zu verwerten, sprich zu essen.

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Dieses Vorgehen war jedoch verboten, weshalb der Portugiese, der schon lange im Land lebt, bei der Staatsanwaltschaft verzeigt wurde.

Unfälle mit Tieren immer melden

Doch wieso darf man «Roadkill» nicht nach Hause nehmen und verzehren? Dafür gibt es mehrere Gründe, wie Ämter und die Polizei klar stellen. «Wichtig ist, dass alle Unfälle mit Tieren unverzüglich der Polizei gemeldet werden», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. «Bei Hunden und teilweise auch bei Katzen kann dann über den Chip der Tierhalter ausfindig gemacht und informiert werden. Bei Wildtieren wird von der Polizei ein Jäger aufgeboten.»

Wichtig sei, dass man auch Meldung macht, wenn ein Tier nicht getötet wurde. «Der Jäger nimmt dann mit einem speziell ausgebildeten Hund die Fährte auf und sucht das verletzte Tier.» Wenn das Tier noch lebt, wird es von seinen Leiden erlöst. Je nach Zustand entscheidet der Jäger, ob das Tier noch verwertet werden kann.

In St. Gallen und Thurgau ist Verzehr möglich

Denn im Kanton St. Gallen gilt die Revierjagd. Das heisst, Wildtiere gehören der regionalen Jagdgesellschaft. «Sobald ein Tier tot ist, geht es in den Besitz der Jagdgesellschaft über. Deshalb darf man keinesfalls einen überfahrenen Dachs oder eine getötete Wildsau nach Hause nehmen», sagt Markus Brülisauer, Fachspezialist Jagd beim Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen. «Der Jäger rückt zum Unfallort aus und entscheidet, was mit dem Tier geschieht.» Dieser könne durchaus auch entscheiden, dass das Tier zum Verzehr freigegeben wird, etwa wenn es nur am Kopf verletzt wurde.

Auch im Kanton Thurgau herrscht Revierjagd. Kommt es zu einem Unfall mit Wild, wird der zuständige Jagdaufseher aufgeboten. «Dieser entscheidet dann vor Ort, was mit dem Tier passiert», sagt Roman Kistler, Amtsleiter der Jagd und Fischereiverwaltung. Klar geregelt sei, dass das Fleisch des Tieres nicht in den Handel gelangen darf. Jedoch könne der Aufseher für die Jagdgesellschaft das Tier zum Verzehr freigeben. «Dann ist theoretisch auch denkbar, dass der Jagdaufseher dem Autofahrer das Tier verkauft». Ob und wie oft das geschehe, sei unklar.

Getötete Tiere landen in Entsorgung oder im Zoo

Anders im Kanton Graubünden. Dort gilt Patentjagd und alle getöteten Wildtiere sind Eigentum des Kantons. Und dieser lässt laut Georg Brosi, Amtsvorsteher beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden, keine Verwertung von Unfallwild zu. «Dass Unfallwild in Graubünden gegessen wird, kommt nicht vor.» Die Tiere landen in der Kadaverentsorgung.

Dies teilweise im Gegensatz zum Kanton Appenzell Ausserrhoden. Dort gilt zwar wie in Graubünden Patentjagd. «Die getöteten Tiere gehören dem Staat», zitiert Heinz Nigg, Amtsleiter, Oberförster, Jagdverwalter beim Amt für Raum und Wald, aus dem Gesetz. Der Kanton habe sich entschieden, dass Roadkill grundsätzlich nicht zur Verwertung an Menschen freigegeben wird. «Hingegen kommt es oft vor, dass solche Tiere dem Walter Zoo zur Fütterung abgegeben werden.»

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CaptainLonestarr am 19.12.2017 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschwendung

    Eigentlich schade wenn das Tier in der Entsorgung landet. Zumindest wie im Appenzell sollte es wenigstens verfüttert werden. Dann war der Tod nicht komplett sinnlos.

  • Baselbieter am 19.12.2017 07:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wo kein Kläger, da kein Richter.

    Bei mir würde die Rehkeule oder das Wildschweinsteak klar in der Pfanne landen. Bei solchen Aussagen wie der Bündner, das Tier zu verbrennen, wäre es sogar schade es nicht zu verwerten! Immerhin könnte man die toten Tiere im Wald für Fuchs, Wolf, Luchs usw. liegen lassen.

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  • Pirsch am 19.12.2017 07:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jägerlobby

    Das ist wie im Mittelalter. Die Jagdgesellschaft waren die Adligen und wehe, jemand "wilderte"... Ich würde dem Portugiesen das Wild gönnen, es hat sowieso zu viel Rotwild, weil er es sofort fachmännisch tötet und so noch verwerten kann, ist doch sinnvoll. Die Jägerlobby ist leider ein Egoclub!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bebbi tell am 19.12.2017 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja

    tiere gehören nicht auf die strasse...

  • Jägersauce am 19.12.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehe es nicht ein

    Die Tiere gehören der Natur und nicht dem Kanton. Wenn man ein Tier überfährt, müsste man es so oder so entsorgen, wieso also nicht mitnehmen und zubereiten?

  • Cöne am 19.12.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschmacklos

    Ein echtes Tier zu verwenden (zwar tod aber dennoch) ist schon sehr geschmacklos. Gibt genug Alternativen

    • Artussine am 19.12.2017 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cöne

      Wenn man es genug würzt nicht. Nein im Ernst, würde mir sowas passieren, täte mir das in der Seele weh und mich lange verfolgen. Trotzdem kann man das Tier noch verwenden, z.B. Zoo oder wie auch immer. Helfen kann man ihm eh nicht mehr.

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  • Eidgenosse am 19.12.2017 12:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentum

    Und warum bezahlt mir eigentlich nicht der angebliche Eigentümer des Tieres den Schaden den es mir verursacht? Wenn eines meiner Tiere einen Schaden an Nachbars Eigentum verursacht bin ich als Besitzer auch Schadensersatzpflichtig. Eigenartiges System?!

    • RBiz am 19.12.2017 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eidgenosse

      dafür gibt es die freiwillige Kasko- Versicherung

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  • Albert K am 19.12.2017 12:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir Egal

    Ich habe auch schon einen Hasen überfahren. Er schmeckte sehr gut mit Kartoffelstock.