Neue Aufgaben

12. April 2019 04:58; Akt: 12.04.2019 09:10 Print

«Keine Ahnung, wer diese blöde Idee hatte»

Ein Bahn-Security-Mann kritisiert, dass er neuerdings die Nachtzuschläge der Fahrgäste kontrollieren muss. Thurbo nimmt Stellung.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Mit ziemlich viel Wut im Bauch meldete sich ein Bahn-Security-Mann kürzlich bei 20 Minuten. «Keine Ahnung, wer diese blöde Idee hatte, oder ob das überhaupt legal ist. Wir sind in dieser Hinsicht nie ausgebildet worden», sagt er. Seit Anfang Jahr müssten er und seine Kollegen in allen Thurbo-Zügen von 1 bis 4 Uhr die Nachtzuschläge der Passagiere kontrollieren. Dafür hätten sie neu ein Bussenformular dabei, das sie im Falle eines nicht vorhandenen Nachtzuschlags ausfüllen und weitergeben müssten.

Umfrage
Haben Sie bisher zu den vorgegebenen Zeiten immer einen Nachtzuschlag gelöst?

Der Mann sieht den Sinn in der neuen Aufgabe nicht: «Wir müssen nur den Nachtzuschlag kontrollieren, das eigentliche Billett aber nicht.» Auch seine Arbeitskollegen seien nicht begeistert.

Tätliche und verbale Angriffe seien zudem nicht selten. «Viele der Passagiere glauben oft nicht, dass wir dazu befähigt sind, die Nachtzuschläge zu kontrollieren, und zeigen sie uns dann einfach nicht», sagt der Security-Mitarbeiter. Es käme des Öfteren vor, dass durch die Verweigerung oder durch folgende verbale oder tätliche Angriffe die Polizei ausrücken müsse. Der Mann vermutet, dass die Einführung dieser ergänzenden Aufgabe Sparmassnahmen seien, denn einen höheren Lohn erhalte er trotz Zusatzleistung nicht. Und einen Kontrolleur aufzubieten, würde ja wieder zusätzlich Kosten verursachen.

Weiterhin Stichkontrollen von normalen Billetten

Laut Thurbo-Mediensprecher Werner Fritschi haben rund acht Prozent der Fahrgäste keinen Nachtzuschlag gelöst, Tendenz steigend. Diese zusätzliche Gebühr sei aber nötig, damit ein Bahnnetz nachts überhaupt betrieben werden könne. Zum Vergleich: Bei rund 1,5 Prozent aller Thurbo-Fahrgäste würde gar kein gültiger Fahrausweis vorliegen.

Zur neuen Aufgabe der Security-Mitarbeiter sagt Fritschi: «Nachtzüge wurden schon immer durch Sicherheitsbeamte begleitet. Die Tickets wurden, wie bei den Tageszügen, sporadisch durch Thurbo-Zugpersonal kontrolliert. Neu ist nur, dass das bereits anwesende Securitas-Personal jetzt zusätzlich die Nachtzuschläge bei jedem Zug kontrolliert.» Das ändere aber nichts daran, dass das Thurbo-Zugpersonal stichprobenartig die regulären Billette kontrolliere.

Fritschi bestätigt, dass verbale Angriffe wegen fehlender Nachtzuschläge häufiger seien als wegen fehlender Tickets. Er ergänzt: «Das hat aber auch mit der prozentual grösseren Anzahl nicht gelöster Zuschläge zu tun.»

Ein Nachtzuschlag in Netz von Ostwind muss zwischen 1 und 4 Uhr auf allen Billetten (auch GA und Gleis 7) gezahlt werden. Die einfachste Variante ist ein SMS mit der Nachricht «NZ» an 988.

(mwa)