St. Gallen

28. August 2019 04:51; Akt: 28.08.2019 04:51 Print

Diese Schildkröte gehört hier nicht hin

Im Nestweier wurde eine Wasserschildkröte gesichtet. Das Tier wurde ausgesetzt. Es ist nicht die erste ausgesetzte Schildkröte in St. Gallen.

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Diese Woche ging beim Stadtmelder von St. Gallen ein Beitrag zur Sichtung einer Schildkröte im Nestweier ein. In der Beschreibung steht: «Ich glaube nicht, dass diese Schildkröte hier reingehört, oder?» Ähnlich denkt auch Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St. Gallen. «Das ist nicht ihr gewohnter Lebensraum», sagt Widmer. Das Tier sei hier nicht heimisch. «Die Schildkröte ist mit Bestimmtheit ausgesetzt worden.» In den Kommentaren zur Meldung schreibt ein User: «Diese Schildkröte wurde vor mehreren Jahren hier ausgesetzt und lebt immer noch, lassen wir ihr diese Freiheit doch!!!» In einem darauffolgenden Kommentar heisst es: «Nein! Tötet sie.» Auf die Frage weshalb man das tun sollte, wird das Tier als Ungeziefer bezeichnet.

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Laut Angaben der Stadtpolizei St. Gallen wird das unerlaubte Aussetzen von Tieren strafrechtlich verflogt. Die Besitzer der Tiere zu fassen, sei jedoch nicht einfach. Grund für die intensiven Abklärungen sei, dass ausgesetzte Tiere meist Schwierigkeiten hätten, in der freien Wildbahn zu überleben. Und die Menschen, die Tiere aussetzten, somit den Tod ihrer ehemaligen Tiere in Kauf nähmen. Nach Möglichkeit würden ausgesetzte Tiere rasch eingefangen. Gerade auch bei Schildkröten sei das aber schwierig, sagt Widmer: «Schildkröten sind sehr scheu und im trüben Wasser können sie leicht entwischen.»

Nordamerikanische Wasserschildkröte

Unter Schildkröten gäbe es Überlebenskünstler, die ausgesetzt mehrere Jahre in der Wildnis überleben könnten. So zum Beispiel die nordamerikanische Wasserschildkröte «Schildi», die vor rund vier Jahren in den drei Weieren gesichtet wurde. «Diese Art ist harte Winter gewohnt», so Rolf Brun, Präsident Sektion Ostschweiz der Schildkröten-Interessengemeinschaft Schweiz (SIGS). Da «Schildi» damals laut der Stadtpolizei nicht gefangen werden konnte und sie kalte Temperaturen gewohnt sei, könne davon ausgegangen werden, dass die Schildkröte noch lebt.

Die beiden Sichtungsorte der Schildkröten, Nestweier und die drei Weieren, liegen rund einen Kilometer Luftlinie auseinander. «Es ist vorstellbar, dass eine Schildkröte eine solche Distanz überwinden kann», sagt Brun. Es besteht folglich die Möglichkeit, dass «Schildi» überlebt hat und mittlerweile im Nestweier zu Hause ist. Brun: «Viel wahrscheinlicher ist aber, dass das Tier kürzlich frisch ausgesetzt worden ist.»

(maw)