Taschenkontrolle

07. November 2019 21:10; Akt: 07.11.2019 21:10 Print

«Das ist eine bodenlose Frechheit»

Eine Leser-Reporterin regt sich über ein Schild bei Otto's auf, das Kunden auffordert, an der Kasse die Taschen offen herzuzeigen. Der Detailhändler verweist auf die hohe Diebstahlquote.

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«Taschenkontrolle» steht in grossen Buchstaben auf einem Schild bei der Kasse im Otto's in Wil SG. «Dürfen wir Sie bitten, Ihre Einkaufstasche, Rucksack, etc. unaufgefordert an der Kasse offen zu zeigen. Danke für Ihr Verständnis», heisst es darunter in mehreren Sprachen. Diese Aufforderung ging einer Leser-Reporterin (27) zu weit. «Ich war mit meiner Mutter diese Woche in dieser Filiale, als ich bei der Kasse das Schild sah», so die Frau, die selber im Detailhandel arbeitet. «Ich habe meiner Mama gleich gesagt, dass sie dieser Aufforderung niemals nachkommen soll. Das ist eine bodenlose Frechheit, so etwas den Kunden zuzumuten.»

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Als gelernte Detailhandelsangestellte empfinde sie diese Aufforderung als krassen Übergriff in die Privatsphäre der Kunden, «völlig unerhört und unangebracht». «Ich war geschockt, als ich das gelesen habe.» Niemals würde sie zulassen, dass man ihr in die Tasche schaut. Sie habe zudem gelernt, dass man Kunden nicht im Geschäft kontrolliere.

Viele Diebstähle

Otto's sagt auf Anfrage, dass die Plakate in allen der über hundert Filialen in der Schweiz aufgehängt sind. Und das sei auch nötig. «Wir müssen leider extrem viele Diebstähle verzeichnen», sagt Sprecherin Angela Schnyder. Zahlen nennt das Unternehmen keine, betont nur, dass es «wirklich extrem viele» seien. Vor allem Parfüme und Schuhe seien im Visier der Diebe. «Wir werden auch von organisierten Banden heimgesucht», sagt Schnyder. Diese kämen zum Beispiel mit präparierten Taschen (siehe Bildstrecke) und anderen Utensilien in die Läden.

Schnyder kann die Leser-Reporterin beruhigen. «Die Taschenkontrolle ist absolut freiwillig.» Wenn jemand seine Taschen nicht von sich aus öffne und zeige, dann sei das in Ordnung. Die Mitarbeitenden seien zudem klar angewiesen, dass sie nur einen Blick in die Taschen werfen. «Es ist untersagt, in die Taschen zu greifen.» Bei begründetem Verdacht auf Diebstahl könne es sein, dass jemand aufgefordert werde, die Tasche oder den Rucksack zu öffnen. Wenn sich dann jemand weigere, dann könne die Polizei hinzugezogen werden. Das passiere selten. Pro Jahr komme es zu ein paar hundert Anzeigen wegen Diebstahls.

Das Anbringen des Schildes und der Blick in die Taschen sei rechtlich kein Problem, heisst es bei Otto's. Das sieht Anwalt Andreas Fäh der St. Galler Kanzlei Grand & Nisple auch so. «Es handelt sich um eine freundliche Bitte, die jeder dankend ablehnen kann», sagt Fäh. Somit ist das Schild rechtlich nicht bindend.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas Steiner am 07.11.2019 21:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach! 

    Wer nichts zu verbergen hat soll sich nicht aufregen.

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  • Riichä Richi am 07.11.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl

    Es ist erst Diebstahl wenn der Kunde mit unbezahlter Ware die Kasse passiert hat.

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  • SenD am 07.11.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    In anderen Ländern ist das schon lange so. Ich sehe hier kein Problem. Fragwürdig ist eher die Handhabung, wenn es freiwillig ist, werden wohl Diebe kaum die Tasche öffnen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • SenD am 07.11.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    In anderen Ländern ist das schon lange so. Ich sehe hier kein Problem. Fragwürdig ist eher die Handhabung, wenn es freiwillig ist, werden wohl Diebe kaum die Tasche öffnen.

  • Margareth am 07.11.2019 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Minus Umsatz

    Ich arbeite im Detailhandel und es ist tatsächlich so dass sehr viel gestohlen wird !!! Das ist für mich nicht Schlimm wenn Ich aufgefordert werde meine Tasche zu öffnen.... es gibt aber effizienter Methode um Langfinger zu fassen!!!

  • Scrat am 07.11.2019 22:20 Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Lösung

    Der Händler soll jederzeit befugt sein, eine Taschenkontrolle durchzuführen. Ist sein Verdacht bestätigt, dann wird der Dieb nach Gesetz zur Rechenschaft gezogen - ist er aber falsch, dann erhält der zu unrecht Kontrollierte einen Einkaufsgutschein in der Höhe von CHF 100.-. Wäre doch absolut vertretbar, oder?

  • Suellen am 07.11.2019 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Video

    Ich war vor zwei Tagen bei Otto,s habe nichts gelesen,und es wurde auch meine Tasche nicht durchsucht,es ist ja schon traurig und könnte das auch verstehen,ich denke in jedem Laden wir geklaut,aber eine Videoüberwachung wäre sinnvoll,

  • Markus Grossenbacher am 07.11.2019 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täterschutz ?

    In Frankreich (Paris) völlig normal,in Spanien dürfen keine (grossen) Taschen und Rucksäcke in den Laden mitgenommen werden und müssen in einem Schliessfach deponiert werden.Wo ist das Problem in der CH ??? - Täterschutz etwas ???