Rechtsrock-Konzert

17. Oktober 2016 10:11; Akt: 17.10.2016 14:28 Print

Dieser Flyer lockte die Neonazis ins Toggenburg

Ein Grossaufmarsch an Rechtsextremen überraschte am Wochenende das Toggenburg. Ein Flyer kündigte die Veranstaltung an, weitere Informationen folgten übers Telefon.

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Rund 5000 «unverkennbare» Neonazis zu Besuch im 1000-Seelen-Dorf – Unterwasser wurde am vergangenen Samstagabend quasi überschwemmt. Sie alle kamen, um sich die Auftritte der deutschen Rechtsrockbands Stahlgewitter und Frontalkraft sowie des Schweizer Genrevertreters Amok anzuhören.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? «Der Mann sprach von einem Anlass mit jungen Schweizer Bands – und von 600 bis 800 erwarteten Besucherinnen und Besuchern», sagt Gemeindepräsident Rolf Züllig zum «Tagblatt». Die Tickets würden lediglich im Familien- und Freundeskreis der Bands verkauft, sagte der Anrufer aus dem Zürcher Oberland.

Infos via Telefon

Statt Familien und Freunde kamen jedoch carweise Rechtsextreme ins Toggenburg. Die Besucher waren mittels eines Flyers dazu aufgerufen worden, sich zwischen 16 und 16.30 Uhr im Raum Ulm bereitzuhalten – weitere Infos zu den Konzerten folgten via Telefon. Die entsprechende Infonummer werde später freigeschaltet. Der Flyer diente auch gleichzeitig als Eintrittskarte.

Die Veranstalter riefen die Besucher dazu auf, den Personalausweis bei sich zu tragen, Handys und Kameras aber im Auto zu lassen. Es sollten keine verbotenen Gegenstände mitgeführt werden, steht auf dem Papier geschrieben.

«Sehr unschön und unangenehm»

Auf dem Flyer war neben den Bands auch ein zynischer Gruss der «Reichsmusikkammer» aufgedruckt, wie ein Exemplar zeigt. Diese Institution sorgte in der Zeit des Dritten Reichs für die Förderung und «Reinigung» deutscher Musik.

Es sei «sehr unschön und unangenehm», dass in seiner Gemeinde der grösste Neonazi-Anlass der Schweiz über die Bühne ging, sagt Züllig zum «Tagblatt». «Ich bin vor allem froh, dass nichts passiert ist.» Die Veranstalter hätten die Auflagen erfüllt und sogar Leute organisiert, die den Abfall eingesammelt haben. Um 2 Uhr sei das Konzert zu Ende gewesen, um 4 Uhr der ganze Spuk vorbei. Das legitimiere den Anlass jedoch in keiner Weise, betont er.

«Vor der Halle war nicht viel los»

Auch die St. Galler Kantonspolizei spricht von einem friedlichen Anlass. «Vor der Halle war nicht viel los», sagt Polizeisprecher Markus Rutz zur Zeitung. Man habe die Halle nicht betreten, da es sich um einen Privatanlass gehandelt habe.

Dennoch könnte das Konzert ein Nachspiel haben. Die Gemeinde will mit der Staatsanwaltschaft prüfen, ob etwa durch rechtsextreme Liedtexte Strafnormen verletzt wurden.
Dies sagte der Gemeindepräsident von Wildhaus-alt St. Johann, Rolf Züllig, am Montag der Nachrichtenagentur sda. Mit Konsequenzen müssen laut Züllig auch die Veranstalter des Grossanlasses rechnen, weil sie bei der Gemeinde mit falschen Angaben eine Bewilligung erschlichen hätten.

(pat)