Festung Furggels

08. März 2019 05:45; Akt: 08.03.2019 05:45 Print

Dieser Schweizer besitzt ein unterirdisches Dorf

Der Widnauer Erich Breitenmoser ist stolzer Besitzer einer der grössten Festungen der Schweiz. Diese war bis vor 20 Jahren streng geheim.

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Armee-Fan Erich Breitenmoser hat sich zum Jahresanfang etwas Besonderes gegönnt: Eine der grössten Festungen der Schweiz. Die Festung Furggels liegt in St. Margrethenberg SG an einer Strasse. Die ersten rund hundert Meter ist die Festung sogar befahrbar. «Da der Wendeplatz recht eng ist, befindet sich im Eingangsbereich eine intakte Drehscheibe», so Breitenmoser. Im Bunker hat es tüber 190 betonierte Räume. Zudem ist die Anlage zweistöckig. All dies wurde in den Felsen hineingebaut. Auf Anfrage wird Breitenmoser auch als Tourguide aktiv. Die Festung ist extrem geschützt: «Die Wände bestehen aus rund fünf Meter dickem Beton», erklärt der Eigentümer. Die Festung Furggels ist die grösste Festung in der Schweiz, die sich in Privatbesitz befindet. Auch Duschen sind in der Anlage vorhanden. Ein noch erhaltenes alte Postbüro befindet sich ebenfalls in der Festung. Auch das Inventar ist noch erhalten. In der Festung sieht es aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Telefone mit Wahlscheiben stehen auf alten Bürotischen. Und auch die Messanlagen zur Schussberechnung liegen noch original in den Räumen der Festung. «Diese Maschinen waren die heutigen Computer», sagt der Familienvater. Die Festung hat auch einen Spitaltrakt. Dieser besteht aus Krankenbetten und einem Behandlungszimmer. Auch die Totenkammer ist noch erhalten. Laut Breitenmoser hat die Festung insgesamt über 15'000 Treppenstufen. Natürlich dürfen auch Räume für die Lagerung von Munition nicht fehlen. Diese Munition wiegt laut Breitenmoser rund 30 Kilogramm. Es habe aber auch noch schwerere Munition in der Festung. «Die Geschütze mussten jeweils von fünf Soldaten gleichzeitig in Betrieb genommen werden», so der Eigentümer. Auch Schlafplätze bietet die Festung einige. Insgesamt sollen 541 Betten im Inneren des Felsens stehen. Da dürfen natürlich Kantine und Speisesaal nicht fehlen. Es existiert auch ein Küchenlager, in dem die Armee ebenfalls viele Gegenstände zurückgelassen hat. Zudem besitzt die Festung drei Wasserreservoirs, die insgesamt 1,8 Millionen Liter fassen, und Notstromaggregate. «Auch eine ABC-Filter-Anlage ist hier unter der Erde installiert», erzählt Breitenmoser. Die Festung hat mehrere Ausgänge. Unter anderem kommt man sogar am Fusse eines Wasserfalls heraus. Bis 2002 war die Festung geheim. «Man durfte nicht einmal seiner Frau erzählen, wo man genau hinging. Der unterirdische Bau war top secret», so Breitenmoser. Nun, rund 20 Jahre später, versucht Breitenmoser die Kasernenabteile als Lagerräume zu vermieten. «Bei konstanter Temperatur von 10 Grad eignen sich diese zum Beispiel als Lager für Lebensmittel.» So könne man im Bunker etwa Wein oder Käse lagern. Aber auch für die Lagerung von Festplatten oder für die Sicherung von Daten, für Bitcoin Mining und vieles mehr könnten die Räume genutzt werden. Breitenmoser arbeitet dafür extra mit einem Sicherheitsexperten zusammen. Das das riesige Areal im Unterhalt aber ganz schön teuer ist, ist Breitenmoser derzeit auf der Suche nach Gönnern oder Spendern. So werden beispielsweise Arbeiter gesucht, die beim Malen oder Erneuern verschiedener Räume helfen können. Park- und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es ja genug.

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Anfang Januar 2019 erfüllte sich die Familie Breitenmoser einen kleinen Traum. Vielleicht auch einen grossen. Vater Erich Breitenmoser kaufte in St. Margrethenberg SG eine Festung, die sich über rund 7,5 Kilometer erstreckt. Auf die Idee kam die Familie in den USA: «Wir haben von 1983 bis 2012 in Amerika gelebt. Dort gibt es viele sogenannte Prepper», so Breitenmoser. Unter Preppers versteht man Leute, die sich gezielt auf denkbare Naturkatastrophen oder Kriege vorbereiten, etwa durch den Bau von Schutzbunkern. «Was bringen mir fünf Lamborghinis, wenn doch mal etwas passiert? Da ist eine Festung schon nützlicher», sagt Breitenmoser mit einem Lachen.


Erich Breitenmoser im Interview. (Video: juu)

In den USA gibt es sogar TV-Serien und Shows für Preppers. Kein Wunder also, dass auch Breitenmosers Tochter von Bunkern und Schutzräumen fasziniert ist. «Ich habe die Festung Furggels also auch für sie gekauft», so der Vater. Der riesige Bunker war 1939 für die Schweizer Armee im Zweiten Weltkrieg erbaut worden und blieb danach bis Ende der 90er-Jahre in Betrieb. 38 Monate dauerte die Bauzeit. Breitenmoser: «Hier können rund 600 Leute Schutz finden und sich in einer Extremsituation bis zu sechs Monate unter der Erde aufhalten.»

Befahrbare Festung

In der Festung sieht es aus, als wäre die Zeit stehen geblieben. Neben alten Telefonen mit Wahlscheiben und grossflächigen Munitionslagern kann man im Inneren auch noch originale Geschütze antreffen. Bis Ende der 90er-Jahre sei die Festung kontinuierlich an neue Bedrohungen angepasst und daher stets auf dem neuesten Stand der Technik gebracht worden. «Auch eine ABC-Filter-Anlage ist hier unter der Erde installiert», erzählt Breitenmoser.

Doch der unterirdische Bunker hat noch mehr Besonderheiten. Im Gegensatz zu anderen Militärfestungen liegt er nicht mitten im Wald oder abseits der Dörfer, sondern direkt an einer Strasse. Der Haupteingang konnte sogar mit einem Fahrzeug befahren werden. «Im Eingangsbereich der Festung befindet sich auch heute noch eine intakte Drehscheibe, mit der man sein Auto oder Lastwagen zur Wegfahrt wenden kann», so der Besitzer.

Bunker war als «streng geheim» eingestuft

Umso kurioser, dass die Festung Furggels bis 2002 ein «geheimer» Bunker war. «Man durfte nicht einmal seiner Frau erzählen, wo man genau hinging. Der unterirdische Bau war top secret.» Die ganze Anlage umfasst über 190 gewölbte und betonierte Räume, mitten im Fels. Neben diversen Schlafsälen im Untergeschoss der mehrstöckigen Festung befinden sich unter anderem noch eine alte Post, eine Telefonzentrale, ein Spitaltrakt, eine Totenkammer und eine riesige Kantine in der Festung.


Ein Blick in den Bunker. (Video: juu)

Da das Riesenareal im Unterhalt und vor allem beim Strom sehr teuer ist, versucht Breitenmoser derzeit einige der Räume zu vermieten. «Bei konstanter Temperatur von 10 Grad eignen sich diese zum Beispiel als Lager für Lebensmittel, Wein, für die Sicherung von Daten, für Bitcoin Mining, aber auch als Schiesskeller für Polizei oder Grenzwacht.» Aber auch die Prepper-Szene will er nicht ausser Acht lassen. Aus den USA habe er bereits die ersten Anfragen erhalten. «Einige Amerikaner wollen einfach damit bluffen, dass sie im Falle einer Katastrophe einen Schutzraum in der Schweiz hätten», sagt Breitenmoser.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pyrat am 08.03.2019 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterirdrische Schweiz

    Ich fand es immer spannend, in der RS und im WK die noch heute klassifizierten Anlagen zu besuchen, meistens im Gebirge, aber auch mal ganz unscheinbar auf einem Hügel. Finde das hat etwas mystisches. Grossen Respekt an die Arbeiter von damals, die das ganze realisiert haben!

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  • @Chris am 08.03.2019 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WK im Furggels

    WK im Furggels. War irgendwie doch eine coole Zeit.

  • Ivo Knecht am 08.03.2019 07:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerung an meine RS

    Durfte hier in dieser Festung meine RS absolvieren :-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werni am 09.03.2019 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Darf nicht verkauft werden

    Die Steurzahler haben alles mal teuer bezahlt und jetzt verkauft man es billig an Möchtegern Heinis. Sollte man gar nicht verkaufen dürfen. AUsser mit der Auflage das das Militär jederzeit wieder Zugriff haben darf inkl. der Bevölkerung im Notfall.

  • Urs Bräggler am 09.03.2019 01:47 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche übernehmen

    Fällt das eigentlich nur mir auf? Mich dünkt bei den Schweizer Medien arbeiten nur noch Deutsche. Auch beim SRF und anderen Medien hört man nur noch hochdeutsche Fragensteller. Das finde ich in einem so mächtigen Bereich wie Massenmedien heikel.

    • AW am 09.03.2019 19:38 Report Diesen Beitrag melden

      Hochdeutsch

      Nur weil jemand hochdeutsch spricht, heisst das nicht, dass sie oder er ni jt Schweizer Bürger sein kann. :)

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  • murmeli65 am 09.03.2019 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Restaurant in der Festung

    vor ein paar Jahren hatte es sogar ein öffentliches Restaurant in der Festung. Wir besuchten es mit unserem Motorradclub.

  • Wurde entsorgt? am 08.03.2019 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geheime Festung

    Was hat man eigentlich mit den Arbeitern, die die geheime Festung gebaut haben, gemacht? Wurden diese Arbeiter entsorgt? Im Tunnel einbetoniert? Die Festung musste ja geheim bleiben.

    • Andi am 08.03.2019 17:09 Report Diesen Beitrag melden

      Geheim

      Diese Festung wurde 1939 gebaut, in einer Zeit akuter Bedrohung durch die Achsenmächte. Die Arbeiter waren vielfach auch Soldaten. Denen war wohl bewusst warum diese Festung gebaut wurde. Darum auch die funktionierende Geheimhaltung.

    • Niklaus Fehr am 08.03.2019 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      geheim Bauen

      Damals war es noch Ehrensache, dass man schweigt. Aber später in Kandersteg hat man tatsächlich nicht mehr darauf vertraut. Es wurden regelmässig Arbeiter ausgetauscht und nur Teilpläne zur Verfügung gestellt. So kannten nur die Verantwortlichen den ganzen Zusammenhang. Das hat nicht hunderprozentig funktioniert, aber mehr konnte man nicht tun.

    • Spaniel am 08.03.2019 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Wurde entsorgt?

      Mein Vater hatte noch in seiner Militär-Dienstzeit an solchen Anlagen im Rheintal mitgearbeitet. Er hat mir einmal erzählt dass nur Schweizer-Soldaten eingesetzt worden sind. Jeder Soldat hätte über einer Schweizerfahne ein Versprechen abgeben müssen - niemandem etwas von dieser Arbeit zu berichten. Auch der Ehefrau durfte er nichts sagen. Er fühlte sich sehr geehrt einen solchen Auftrag erhalten zu haben. Damals war ein Wort noch ein Wort.

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  • Niklaus Fehr am 08.03.2019 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Verkauf

    Die Festung hätte nie an eine Privatperson verkauft werden dürfen. Der Erhalt einer solchen Anlage als historisches Monument ist im Privatbesitz nicht möglich. Der erste Besitzer war Koch im Werk Castels in Mels. Die Nachfolgerin kam aus dem Gastronomiebereich. Und der jetzige Besitzer hat einen Chiropraktikerlehrgang in den USA gemacht und besitzt ein Gym. Hi, it's Dr. Erich! Er ist auch in der SVP wie Luzi Stamm, aber halt nur Vorstand in der Ortspartei Widmau. Wer sich für diese Person interessiert wird schmunzeln. Aber für das Werk Furggels bedeutet es nichts Gutes.

    • Nina am 08.03.2019 15:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niklaus Fehr

      Mich würde es ehrlich interessieren. Was ist mit Erich Breitenmoser und warum ist er nicht gut für Furggels. Dass er in der SVP ist, ist doch kein Nachteil, oder?

    • Niklaus Fehr am 08.03.2019 17:04 Report Diesen Beitrag melden

      Erich

      @Nina Sein Erfolg beruht auf dem Online-Verkauf von Büchern, CDs und rezeptpflichtigen Mittelchen die auch zum Doping verwendet werden. Er verspricht weniger arbeiten aber mehr verdienen und gleichzeitig 1000 Patienten in der Woche. Sorry, aber da ist etwas faul. Es gab ja 2014 den berühmten Fall mit dem Spitzensprinter Tyson Gay wo die amerikanischen Dopingfahnder auf Herr Breitenmoser als Lieferanten gestossen sind. Wie soll ich dem Herrn vertrauen, der solche Schlagzeilen macht. Es hat mich gerade an das schräge Auftreten von SVPler Luzi Stamm erinnert mit dem Falschgeld und dem Kokain.

    • die zufriedene am 08.03.2019 18:30 Report Diesen Beitrag melden

      Neid!!

      ich vermute Luzi Stamm weiss genau was er tut, er hat Courage...etwas was Herr N.Fehr vermutlich gar nicht weiss was das ist. Und irgendwie trieft da der Neid aus jedem Buchstaben von Herr Fehr... und ob es gut ist solche Anlagen an Private zu verkaufen weiss ich nicht.

    • Roli Widmer am 08.03.2019 19:50 Report Diesen Beitrag melden

      Führungen

      Hallo Herr Fehr Ich habe Führung in der Festung gemacht und durfte Herr Breitenmoser persönlich kennenlernen. Die Zeit und Energie die er in die Anlage investiert ist enorm und sehr gut, da die Anlage so der Nachwelt erhalten bleibt

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