Wasserpest

11. Mai 2019 08:31; Akt: 11.05.2019 08:31 Print

Diese Pflanze könnte Sie ertrinken lassen

Eigentlich sollte die Wasserpest vor rund zwei Jahren aus dem Obersee bei Näfels GL verschwunden sein. Nun machten Fischer eine besorgniserregende Entdeckung.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Bevölkerung und Touristen konnten aufatmen, als im Jahr 2017 die sogenannte Wasserpest, eine Wasserpflanze, aus dem Obersee weitgehend verschwunden war, nachdem sie fast drei Jahre lang Umweltamt, Gemeinde und Bevölkerung auf Trab gehalten hatte. So habe man bereits den Wasserspiegel erhöht, ihn danach wieder gesenkt und ein Mähboot, auch Seekuh genannt, auf den See geschickt. Nichts konnte dem Bestand der Schlingpflanze etwas anhaben. Zeitweise habe man sogar überlegt, dem Obersee stillzulegen. Dann verschwand sie plötzlich.

Doch nun gibt es erneut Grund zur Besorgnis. Als Fischer kürzlich das Seeufer reinigten, bemerkten sie wieder viele grüne Stängel, die der Oberfläche entgegenwachsen. Nun fürchten Fischer und Behörden, dass sich die grüne Wasserpflanze wieder einnisten könnte: «Es gab Anzeichen, dass die Wasserpest wieder kommt», sagt Jakob Marti, Leiter der Abteilung Umweltschutz und Energie beim Kanton Glarus, zur «Südostschweiz». Ob sie sich allerdings wieder zu einer Plage entwickelt, wisse man derzeit noch nicht. Erst die Sommermonate würden Klarheit bringen.

Ungeübte Schwimmer könnten ertrinken

Doch die Pflanze ist keinesfalls harmlos. Wie «Focus» berichtet, sollten sich Badegäste zweimal überlegen, in einem von Wasserpest befallenen Gewässer zu schwimmen, denn die Pflanze kann für Schwimmer zu einer tödlichen Gefahr werden. Da die Schlingpflanze mehrere Meter lang werden und direkt unter der Wasseroberfläche wuchern kann, können sich Schwimmer leicht mit Armen oder Beinen darin verheddern.

«Ungeübte Schwimmer geraten dabei leicht in Panik», sagt Peter Sieman, Leiter der Abteilung Einsatz, Medizin und Rettungssport der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft, gegenüber dem Magazin. Durch unkontrollierte und panische Bewegungen könne sich der Schwimmer noch mehr in der Wasserpest verfangen und so an Auftrieb verlieren und ertrinken. In so einem Gewässer könne das richtige Verhalten lebensrettend sein. Laut Sieman sollte man deshalb Ruhe bewahren, sich in Rückenlage bringen und flach an der Oberfläche aus dem Gefahrenbereich herausschwimmen.

Mit Jutenetzen den Seeboden abdecken

Doch auch der Gestank der Pflanze ist nicht ohne, denn die abgestorbenen Stängel vermodern am Uferrand und sondern einen sonderbaren Geruch ab. Laut Marti gibt es aber leider noch kein erprobtes Gegenmittel gegen diese Pflanze. Eine Massnahme für diesen Sommer sei allerdings parat: «Gibt es wieder ein Pest-Jahr, müsste eine Spezialfirma einen kleinen Teil des Seebodens mit Jutenetzen abdecken», wird er von der «Südostschweiz» zitiert. Der Versuch sei schon länger geplant, aber immer wieder verschoben worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Obersee negative Schlagzeilen macht: 2017 starben mehrere Hunde, nachdem sie an dem Glarner See unterwegs gewesen waren. Damals wurde vermutet, dass Blaualgen schuld am Verenden der Tiere seien. Daraufhin wurde eine Warnung vor dem See platziert, in der explizit vom Baden im See, vom Konsum des Seewassers (gilt für Mensch und Tier) und vom Berühren der herumliegenden Algen abgeraten wird. Wie «Glarus 24» allerdings berichtete, konnte bereits drei Wochen später Entwarnung gegeben werden: Untersuchungen ergaben, dass der Giftstoff Anatoxin-a zwar nicht im Wasser, hingegen aber in den angeschwemmten Blaualgen vorhanden ist. Ob dies tatsächlich zum Tod der drei Hunde geführt hat, ist nicht bekannt.

(juu)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Orlamu am 11.05.2019 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    menschliche Nasenspitze

    Dafür produziert diese Pflanze vergleichsweise mit anderen Unterwasserpflanzen sehr viel Sauerstoff! Für die Lebewesen, die nicht nur aus Spass ins Wasser steigen sondern im Wasser immer wohnen, ist diese Pflanze ein Bereicherung für Nahrung/Laichplätze etc. Die Menschen und ihre permanente Unfähigkeit über die menschliche Nasenspitze hinaus zudenken ist ätzend für die Natur!

    einklappen einklappen
  • Ameliore am 11.05.2019 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Gott - da dachte

    ich schon, es sei irgendeine fleischfressende Monsterpflanze zB gentechnisch modifizierte Utricularia (Wasserschlauch) - aber nein? Hundsgewöhnliche Wasserpest! Für Jungfische und Kleingetier sind ihre Unterwasserwälder überlebenswichtig. Und - wer in einem See schwimmen geht, sollte mit Kraut am Boden zurechtkommen, sonst halt ins chlorierte, blaue Schwimmbad.

  • Sam23wolf am 11.05.2019 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört mir zu

    Ja es stimmt schon aber für die Fische fürs Klima und Wasser sind diese Pflanzen wichtig

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Josef am 11.05.2019 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Für sowas Steuergelder ausgeben?

    Für alle, die es noch nicht wissen, im Wasser kann man ertrinken. Deshalb sollte man die Gefahren kennen. Wie überall in der Natur. Oder soll man jetzt alles ausreissen, was giftig ist. Alle Lawinen, jeden losen Felsen sprengen. Jeden Abhang einzäunen? Freut euch doch, dass es der Wasserpest in diesem See gefällt.

  • Claude am 11.05.2019 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Das Leben ist gefährlich...

    Ein Flugzeug könnte abstürzen. Bitte das Verhältnis nicht vergessen.

  • Poseidon am 11.05.2019 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Sein lassen!

    Eine der schönsten und nützlichsten Wasserpflanzen ausrotten??? Geits no!

  • Nationless am 11.05.2019 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu hoher Trophiegrad

    Man sieht es schon an, dass dieser See etwas zu eutroph wirkt. Was ist der Umstand? Hat es zu viele Kühe auf der Alp? Wasserpflanzen sind bis zu einem Punkt nur kurzfristig gut für die Fischfauna. Irgendwann vermodern diese auf Grund entziehen so umso mehr Sauerstoff für die Fische. Nur olitrophe bis mesotrophe Seen sind gesund und sauber.

  • rustico 2 am 11.05.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo ist das problem

    mit chlor füllen somit ist alles für den menschen nicht praktikable weg und man kann fröhlich darin baden. ev noch heizen.