Glarus

24. April 2019 17:56; Akt: 24.04.2019 17:56 Print

Dieses Tier zu sehen, gleicht einem Wunder

Im Glarnerland wurde kürzlich eine weisse Gämse gesichtet. Sie ist so selten, dass nur alle paar Jahre ein Exemplar in der Schweiz auftaucht. Zudem soll ein Fluch auf ihr liegen.

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«Mit dem weissen Fell stach das Tier sofort aus der Herde heraus», berichtet Vogelkundler Roland Meier gegenüber 20 Minuten. Vergangene Woche sichtete er die weisse Gämse im Glarnerland und hielt die Beobachtung mit der Kamera fest. Es soll sich um ein Jungtier handeln. Der Ornithologe schätzt es auf etwa ein Jahr. «Ich habe sie zusammen mit anderen Gämsen aus etwa einem Kilometer Entfernung mit dem Fernrohr beobachtet.»

Normalerweise tragen Gämse im Sommer ein rotbraunes Fell. Im Winter ist es meist dunkelbraun oder braunschwarz.
Wie viele es von diesen besonderen weissen Gämsen in der Schweiz gibt, kann nicht abschliessend gesagt werden. Die seltenen Geschöpfe kommen in der Natur nur alle paar Jahrzehnte vor. Wie Meier schätzt, kam die Gämse wegen der Witterung so tief ins Tal: «Sie wurde vom Schnee hinuntergetrieben, da sie etwas zum Fressen brauchte. Nun ist der Schnee auch in den oberen Lagen geschmolzen und die Gämse kann wieder zurück in ihr eigentliches Revier.»

Stress vermeiden

Offenbar hatte sich das seltene Tier bis anhin gut versteckt gehalten, denn auch der Glarner Jagdaufseher Christoph Jäggi wusste nichts von ihr. «Das höre ich zum ersten Mal», sagt er gegenüber den «Glarner Nachrichten».

Dem Tier nachgehen will der Jagdaufseher aber nicht: «Man soll das Tier in Ruhe lassen. Wer eine weisse Gämse sieht, soll einfach ihren Anblick geniessen und aus sicherer Distanz Fotos schiessen», erklärt er. Diese Auffassung teilt auch Roland Meier: «Wenn sogenannte Naturliebhaber nun zum Tier pilgern und mit riesigem Equipment Fotos schiessen, wird es nur unnötig unter Druck gesetzt.» Er appelliert an die Menschen, dem Tier den nötigen Freiraum zu geben und es nicht zu stressen.

Tödlicher Fluch

Um Jäger davon abzuhalten, ein solches Tier zu schiessen, sind die Tiere im Kanton Glarus geschützt. Wie Jäggi erklärt, müsse ein Jäger bei einem Verstoss mit Konsequenzen rechnen. Es könne sogar zu einer Verzeigung kommen.

Obwohl er nicht überall als illegal gilt, ist der Abschuss von weissen Wildtieren in der ganzen Schweiz unter Jägern verpönt. Das scheint einige nicht zu stören. Erst 2016 geriet ein junger Jäger in die Schlagzeilen, weil er eine weisse Gämse geschossen hatte. Der Shitstorm liess nicht lange auf sich warten.

Eine Legende besagt, dass der Abschuss einer weissen Gämse Unheil mit sich bringt: Wer sie erlegt, werde verflucht und sterbe innerhalb eines Jahres. Als Beispiel gilt der Tod von Franz Ferdinand. Der österreichische Thronfolger schoss eine weisse Gämse. Ein Jahr später, 1914, wurde er beim Attentat in Sarajewo getötet. Das war der Auslöser des Ersten Weltkrieges.

(juu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laimigs am 24.04.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Mensch ist schon verflucht

    Eine weisse Gämse kann bestimmt keinen Menschen verfluchen. Umgekehrt ist der Mensch mit seinen Freizeitaktivitäten der grösste Fluch für jede Gämse und den gesamten Alpenraum.

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  • Schützenswerte Rarität am 24.04.2019 18:15 Report Diesen Beitrag melden

    dich Fabelwesen sind es nicht

    Ein Mann ein Wort, der Abschuss ist unter Jägern verpönt.

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  • Kathrin am 24.04.2019 18:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weisse Gemse

    Vor 2 Jahren hatte es im Gantrisch Gebiet auch eine weisse Gemse

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vertrauen am 25.04.2019 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Heiliger Fridolin

    Im Glarnerland wird doch der Heilige Fridolin verehrt. Vertrauen wir auf ihn, dass er ein wachsames Auge auf die weisse Gemse wirft, vor allem um Wilderer und andere Gefahren zu bannen.

  • Sandro Benz am 25.04.2019 08:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheiliger Roland Meier

    "Diese Auffassung teilt auch Roland Meier: «Wenn sogenannte Naturliebhaber nun zum Tier pilgern und mit riesigem Equipment Fotos schiessen, wird es nur unnötig unter Druck gesetzt.» Er appelliert an die Menschen, dem Tier den nötigen Freiraum zu geben und es nicht zu stressen." Aber selbst damit zu 20 Minuten rennen. Wie doof kann man nur sein?

    • U.M. am 25.04.2019 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      Traurig von Ihnen!

      Herr Benz, Herr Meier hat die Fotos aus grosser Entfernung gemacht, wie im Bericht ersichtlich. Er ist schon seit vielen Jahren für den Wildtierschutz im Einsatz, freiwillig und unentgeldlich! Er weis haargenau dass man den Tieren ihren Freiraum lassen muss, sich daran zu halten ist für ihn Ehrensache. Ich finde es traurig in den Komentaren negatives lesen zu müssen von Leuten die weder ihn nich die genauen Zusammenhänge kennen. Ihrer ist jedoch der einzige der nicht mal den kleinsten Funken Anstand erkennen lässt. Zum Schluss noch: M. ist nicht zu 20min damit sondern zur kleinen Lokalzeitung

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  • Alerta am 25.04.2019 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Leben lassen

    Bestimmt nehmen das unsere tollen Jäger jetzt als Herausforderung...

    • MaKo am 25.04.2019 12:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alerta

      Was soll daran herausfordernd sein?

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  • es UFO... anei e geissbock am 25.04.2019 05:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wunder abgeblitzt in der zeitung

    warum sieht man es dann? in der schweiz leben 9 mio sture ziegen und ziegenböcke

  • Aschi am 25.04.2019 04:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder kein Fluch

    In Faulensee,BE tummeln sich am Thunersee mehrere schneeweisse Rehe. Kein Wunder kein Fluch nur ein Pigmentproblem.