St.Gallen

17. Juli 2014 15:46; Akt: 17.07.2014 15:46 Print

Drogenschnelltests werden noch genauer

Seit bald zehn Jahren kann die St. Galler Kantonspolizei die Fahrtüchtigkeit mit Drogenschnelltests überprüfen. Der Test wird immer genauer - und die Kontrollen nehmen zu.

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Verkehrskontrolle: Im ersten Halbjahr 2014 führte die Kantonspolizei St.Gallen 200 Drogenschnelltests durch. (Bild: Keystone/Walter Bieri)

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Drogenschnelltests bei Verkehrskontrollen gehören zum Polizeialltag. Letzten Mittwoch meldete etwa die St. Galler Stadtpolizei, dass sie einen Autofahrer getestet habe. Das Ergebnis: Der Mann hatte Cannabis konsumiert.

Im Januar 2005 wurden in der Schweiz die Drogenschnelltests gleichzeitig mit der Senkung der Alkoholgrenze auf 0,5 Promille eingeführt. Seither nehmen die Kontrollen stetig zu.

Dies belegen Zahlen, die die Kantonspolizei auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bekannt gab: 2014 wurden im Kanton St. Gallen in den ersten sechs Monaten 200 Drogenschnelltests durchgeführt. 2010 waren es im gleichen Zeitraum noch 80 gewesen.

Urinprobe nötig

«Wie ein breiter Kamm mit sechs, sieben Zähnen», so beschreibt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi den neuen Test, den die Kantonspolizei seit zwei Jahren einsetzt. Der «Kamm» wird in einen Behälter mit einer Urin-Probe eingetaucht und zeigt anschliessend an, ob und welche Stoffe konsumiert wurden.

Früher setzte die Polizei präparierte Papierstreifen ein, mit denen Speicheltests durchgeführt wurden. Die Tests namens Drugwipe waren weniger zuverlässig und gaben auch nicht an, welche spezifischen Stoffe gefunden wurden. Dafür waren sie günstiger – und unkompliziert einsetzbar.

30 Franken pro Stück

Der neue Test kostet 30 Franken pro Stück. Das Verfahren ist aufwendig – für die Autolenker wie auch für die Polizei. Am Kontrollplatz müsse Urin abgegeben werden, schildert Krüsi den Ablauf. Die Männer beobachte man dabei aus Distanz, die Frauen könnten dafür hinter ein Gebüsch. Anschliessend wird die Temperatur des Urins gemessen. «Nicht, dass noch jemand Eistee in den Becher leert», so der Polizeisprecher.

Lieferant des Tests ist die Firma Protzek mit Sitz in Lörrach D. Wie steht es mit der Zuverlässigkeit? Bei Kokain stimme das Ergebnis fast hundertprozentig, erklärt Krüsi. Bei Cannabis sei hingegen die Häufigkeit des Konsums massgebend für die Genauigkeit: Bei «Probierkonsumenten» gebe der Test nicht immer an.

Nur bei klaren Hinweisen

Das ganze Prozedere werde bei den Verkehrskontrollen nur bei klaren Hinweisen auf Drogenkonsum durchgeführt, versichert der Mediensprecher der Kantonspolizei. Man sehe es an den Augen. Ein schläfriger Eindruck, eine undeutliche Aussprache seien weitere Hinweise.

Wenn der Test Stoffe anzeigt, die die Fahrtüchtigkeit reduzieren – das gilt auch für legale Arzneien wie Schlafmittel – wird der Fahrausweis entzogen. Anschliessend werden dann im Spital nochmals Blut und Urin analysiert. Diese Resultate sind dann entscheidend für die Massnahmen, die das Strassenverkehrsamt verfügt.

Der Test, den die St. Galler Polizei seit zwei Jahren einsetzt, könnte auch bald wieder ausgewechselt werden. Verschiedene Firmen sind laufend am Forschen. Versprochen werden noch genauere Messergebnisse, noch einfachere Verfahren. Wenn es einen besseren Test gebe, werde man ihn allenfalls übernehmen, so Krüsi.

(sda)