Hilfe für Bauern

29. Mai 2018 17:35; Akt: 29.05.2018 17:35 Print

Drohnen retten Rehkitze vor dem Mähtod

von Ladina Maissen - Schweizweit werden jährlich bis zu 1500 Rehkitze durch Mäher getötet. Rettung soll es nun aus der Luft geben: In Ausserrhoden sucht man mit Drohnen nach den Tieren.

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Ein tragischer Fall ereignete sich vergangene Woche in Ruggell FL. Wie das «Liechtensteiner Vaterland» berichtete, fand ein Jagdaufseher auf einem frisch gemähten Feld ein totes Rehkitz auf. Es war der Mähmaschine zum Opfer gefallen. Der Landwirt wurde angezeigt. Dies könnte einem Bauern in der Schweiz bei ähnlichem Verhalten auch passieren: «Wenn es sich nach Gesetz um Tierquälerei handelt, dann würde es durchaus eine Anzeige geben», sagt Heinz Nigg, Leiter des Amts für Raum und Wald und Jagdverwalter des Kantons Appenzell Ausserrhoden am Dienstag gegenüber 20 Minuten.

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Wärmebildkamera spürt Kitzlein auf

Um den Mähtod in Zukunft generell zu vermeiden, haben Ausserrhoder Jäger und Landwirte nun in Rehetobel Drohnen getestet, mit denen die gefährdeten Jungtiere im hohen Gras aufgespürt und gerettet werden können. «Seit diesem Frühling befassen wir uns intensiv mit der Rehkitzrettung», so Nigg zum Pilotprojekt. Mit einer Drohne, an der eine Wärmebildkamera befestigt ist, wird eine Wiese abgesucht. Auf dem Bildschirm von Drohnenpilot Ueli Sager erscheinen dann in roter Farbe Wärmepunkte: «Mittels Funk lotse ich die Wildhüter dann genau zu diesen Punkten, wo sie nachschauen können, was dort ist», erklärt er das Vorgehen.


So sieht es aus, wenn die Drohne mit einer Wärmebildkamera die Wiese filmt. (Video: Ueli Sager)

Die ersten Versuche zeigen bereits grosse Erfolge: «Vergangene Woche haben wir sechs Kitze in den Wiesen gefunden», so Jäger und Wildhüter Mirko Calderara. Die Jungtiere werden dann mit einem Holzharass zugedeckt und mit einer Fahne markiert. Der Bauer kann dann um das Kitz herummähen und es nach getaner Arbeit wieder freilassen.

Natürlich seien die roten Punkte auf dem Bildschirm nicht immer Rehkitze. «Manchmal stossen wir auch auf Feldhasen, Katzen oder Mäusehaufen», so Calderara. Doch der Drohnenflug sei immer ein Erfolg – auch ohne Rehkitzfund. Denn: «Wir wissen dann, dass die Wiese rehfrei ist und können grünes Licht fürs Mähen geben.»


Jäger und Drohnenpilot zeigen und erklären das Vorgehen. (Video: lad)

Finanzierung noch unklar

Für die Bauern eine Erleichterung: «Wenn wir unbeschwert Mähen können, ist das natürlich ein grosser Vorteil», sagt Ernst Graf, Präsident des Bauernverbandes Appenzell Ausserrhoden. Zudem sichere es die Futterqualität. Gerät nämlich ein totes Tier ins Futter der Kühe, könne dies zu tödlichen Vergiftungen führen.

Für das Absuchen eines Feldes von einer Grösse von sieben Hektaren brauche das Team normalerweise 15 Minuten. Die Zeiteinsparung gegenüber der konventionellen Methode mit Verblendungen ist enorm. Auch die Erfolgsquote steigt. «Das zeigt uns, dass das Projekt auf technischer Seite funktioniert. Nun fehlt noch der organisatorische Teil», sagt Jagdverwalter Nigg. Es werde mit involvierten Parteien verhandelt und mit den Bauern kommuniziert. Zudem muss die Finanzierung geklärt werden: «Ist der Preis für die Bauern tragbar, wäre die Drohnensuche eine sehr gute Lösung», sagt Bauernvertreter Graf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nadine am 29.05.2018 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiere retten

    Super Sache. Daumen hoch.

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  • Dore am 29.05.2018 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Bravo, welch grandiose Idee! Jedes tote Rehkitz ist eines zu viel...

  • Emmentaler Bauer am 29.05.2018 22:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wille wäre da

    Als wir mähen wollten ( anfang Mai) kontaktierten wir den zuständigen Wildhütter damit er verblenden kann. In unserer Region wäre es seine Pflicht. Der Herr war aber zu faul und meinte: Die Rehe haben est im Juni setzzeit (Junge kriegen) Wir haben dann verblendet und siehe da!! Wir konnten beobachten wie eine Rehgeiss ihr Junges wegzügelt. Wir Bauern sind weder Mörder noch Tierquäler, wer mal ein Kitz erwischt hat vergisst seine schreie ein Leben lang nicht. Aber wir sind nicht Gott und manchmal kann es trotz verblenden und suchen passieren. Faulem Jagdaufseher sei dank..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus am 30.05.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    kranke gesetzte

    Ein verstecktes Tier überfahren ist jetzt also schon Tierqälerei? Wiso wird man dann nicht genauso bestraft wen man mit dem Auto einen Spatz trifft?

  • Susanne am 30.05.2018 10:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und wer machte dies bisher

    Die Jäger haben diese Arbeit bisher und auch weiterhin kostenlos Angeboten. Schön dass Sie nun so viel Lob für Ihre Arbeit bekomnen. Fürwelche Arbeit Sie auch noch bezahlt werden, auch wenn nicht mit dem Lohn den Sie als angemessen empfinden. Für Jäger war die gratisarbeit bisher kein Grund zum jammern. Leider waren die Bauern nicht immer bereit vorher den Jäger zu informieren, dies wird sich durch Sie auch nicht ändern.

  • Dni am 30.05.2018 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Drohnen retten Rehkitze vor dem Mähtid

    Dann wird die neue Technik ja mal positiv gebraucht - beobachtet und Statistiken sind wir in der Schweiz gross - ob sie richtig genutzt werden muss sich jeder selber fragen - aber diese Schlagzeile ist doch mal positiv und gut!

  • Mathias B. am 30.05.2018 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Bilanz für die Bauern

    Unglaublich diese Bauern. Nicht nur vergiften sie alles, es ist den meisten wohl auch egal, wenn sie Kitzlein töten. Auf die Idee, was dagegen zu unternehmen sind sie nicht mal von selbst gekommen. Gott sei Dank gibt es noch Menschen, die selbst denken können und nach Lösungen suchen. Vielen Dank an diese!

  • Dave74 am 30.05.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht ganz neu

    "22.04.2013 - Service > News > Drohnen für Rehkitze ... mit Ingenieuren der BFH-TI eine Methode gefunden, um junge Rehe vor dem Mähtod zu bewahren." Ist die Drohne von der HAFL.