Gegen die Kälte

17. Mai 2012 21:09; Akt: 18.05.2012 08:32 Print

Ein Lichtermeer zum Schutz der Reben

von A.Hirschberg - In der Nacht zu Auffahrt fiel das Thermometer unter den Gefrierpunkt. Zu kalt für die zarten jungen Triebe der Reben am thurgauischen Ottenberg. Darum stellten die Winzer Kerzen auf.

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Eine «mysteriöse Lichterkette am Ottenberg» bei Weinfelden TG sichtete Leserreporter Richard Hui in der Nacht auf Donnerstag. «Es sah fantastisch aus, ein richtiges Schauspiel», so der Leserreporter.

Offenbar war er nicht der einzige, der gegen Mitternacht fasziniert sein Auto am Strassenrand abstellte, um die atemberaubende Sicht auf den beleuchteten Rebberg zu geniessen: «Unzählige Schaulustige hielten an und stiegen aus», so Hui.

So faszinierend die Lichterkette auch ist – für die Unterhaltung der Ansässigen haben sie die Winzer von Weinfelden nicht aufgestellt. «Uns ging es darum, die jungen Triebe der Reben zu schützen», sagt Ines Rebentrost, Önologin beim Schlossgut Bachtobel in Weinfelden. Denn die Wetterstationen prognostizierten bis zu minus vier Grad für die Nacht auf Donnerstag.

Zum letzten Mal vor 25 Jahren

«Wenn sich bei diesen Temperaturen Kälteseen in den Rebbergen bilden, erfrieren die jungen Triebe und wir haben einen Totalausfall bei der Ernte», so Rebentrost. Darum haben sich die Winzer in Weinfelden zusammengetan und in den tieferen Lagen 180 Spezialkerzen ins Gras zwischen die Reben gestellt. «Zu zweit dauerte das Aufstellen und Anzünden etwa eineinhalb Stunden», erzählt Rebentrost. Die Kerzen entwickeln sehr viel Rauch, der die kalte Luft verwirbelt. So können keine Kaltluftseen entstehen und die Triebe sind geschützt.

Früher mussten die Winzer im Frühling oft zu solchen Methoden greifen, um die Reben zu schützen. Doch in den letzten Jahrzehnten war es zu dieser Jahreszeit nie mehr so kalt gewesen. «1987 haben wir am Ottenberg das letzte Mal die Reben mit Kerzen geschützt», sagt Rebentrost. Ob die Massnahme wirklich nötig war, kann die Önologin nicht sagen. Eines weiss Ines Rebentrost aber bereits: «Die Reben haben in der letzten Nacht keinen Schaden genommen.»