Per Brief

20. August 2019 17:43; Akt: 20.08.2019 18:27 Print

Frau wird anonym für ihren Fahrstil beschimpft

In einem anonymen Schreiben an ihre Privatadresse wird eine Thurgauerin für ihren Fahrstil kritisiert. Für die Leser-Reporterin ist das nicht nur beleidigend, sondern feige.

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Eine Leser-Reporterin aus dem Thurgau hatte vergangenen Freitag einen irritierenden Brief in ihrem Briefkasten. Die Adresse auf dem Umschlag wurde mit einer Schreibmaschine geschrieben. Im Umschlag fand die Dentalassistentin aus der Region Kreuzlingen TG einen auf dünnem, bräunlich-grauen Papier mit Schreibmaschine verfassten Brief. Einen Absender suchte sie vergebens. Am Ende des Briefes heisst es nur: «Freundlicher Gruss von einem anständigen Autofahrer.»

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Im Brief geht es um den Fahrstil der 32-Jährigen. Der Verfasser will beobachtet haben, wie sie ihn am Montag vor einer Woche überholte: «Zirka 13.30 Uhr haben Sie mich auf der Kreuzlingerstrasse Richtung Tägerwilen sehr arrogant und aggressiv auf der ganzen Länge einer Sicherheitslinie überholt.»

Und weiter: «Ihr aggressives Fahrverhalten beweist, dass Sie an einem sehr starken und schweren Porzellan-Syndrom leiden. Sollten Sie nicht wissen, was das ist, fragen Sie einen Arzt von der Seeseite Münsterlingen. Dieser Arzt wird Sie über Heilung und Aufenthalt in der Klink auf der Seeseite aufklären.» Gemeint ist die Psychiatrische Klinik Münsterlingen. Und mit Porzellan-Syndrom soll wohl angedeutet werden, dass sie nicht mehr alle Tassen im Schrank habe.

Kein gefährlicher Fahrstil

«Das ist beleidigend», findet die Leser-Reporterin. Der Verfasser habe wohl selbst psychische Probleme. «Oder wieso schreibt er mir anonym einen solchen feigen Brief?»

An den im Brief beschriebenen Vorfall könne sie sich nicht erinnern. «Ich fahre regemässig diese Strecke, weil sie Teil meines Arbeitsweges ist. Ich fahre aber zu anderen Zeiten dort durch als im Brief beschrieben.» Zudem habe sie keinen gefährlichen Fahrstil. «Ich habe seit Jahren keine Busse mehr bekommen.» Dass der Verfasser ihre Adresse kennt, kann sich die 32-Jährige nur so erklären: «Der Mann hat wohl eine Halterabfrage per SMS zu meinem Kontrollschild getätigt.»

Befragung von anonymen Personen nicht möglich

Im Brief gibt der Verfasser an, diesen in Kopie an die Kantonspolizei zugestellt zu haben. Bei der Polizei ist das Schreiben jedoch nicht bekannt, wie es auf Anfrage heisst.

Selbst wenn die Polizei dieses Schreiben erreicht hätte, hätte sie damit nichts anfangen können. «Um den Fall zu bearbeiten, müssten wir eine Befragung mit beiden Beteiligten durchführen. Da uns weder die Namen der Lenker noch die Kontrollschilder der Fahrzeuge bekannt sind, können wir niemanden befragen», sagt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Eine Anzeige zum Überholmanöver sei keine eingegangen.

Grundsätzlich gebe es aber anonyme Schreiben, die von der Polizei sehr wohl Beachtung finden. «Es kommt vor, dass wir anonyme Hinweise auf Verbrechen bekommen, denen wir nachgehen», sagt Graf. Diese würden in der Regel auf einen konkreten Sachverhalt hinweisen und von Personen stammen, die sich zum Beispiel aus Angst nicht offen bei der Polizei melden.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dr.p am 20.08.2019 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ok

    Hatte Heute einen Brief vom Pfarreiamt. Der Kirchenaustritt von mir wurde angezweifelt.Ob ich denn sicher sei. Würde mich für ein Interview zur Verfügung stellen....

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  • Bernerin am 20.08.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anständig

    Ich ahne zu wissen, wie der selbsternannte "anständige Autofahrer" wohl fahren mag...

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  • Chuck am 20.08.2019 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Halterdaten sperren

    Genau deswegen empfehle ich jedem (vor allem Frauen) das Formular für die Datensperre einzureichen. Man bedenke es handelt sich um jemanden, der nicht einfach so einen harmlosen Brief verfasst.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Gringo am 20.08.2019 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Frau fährt mein Auto

    wenn nun irgend ein Kasper meint bei mir aufzukreuzen... na dann viel Spass :)

  • Carlo am 20.08.2019 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Muss das sein?

    Grösster Mythos: Nur weil man schon lange keine Busse erhalten hat, bedeutet das nicht, dass man keinen gefährlichen Fahrstil hat. Nichts desto trotz: deswegen wieder zu den Medien rennen? Ein Problem ist scheinbar vorhanden...

  • Blyatman am 20.08.2019 20:50 Report Diesen Beitrag melden

    Der Schreibstil des Briefes

    erinnert mich sehr an das Buch "Die Abenteuer des Stefón Rudel" vom Autor Stefan Knapp. Sehr "lesenswert", fast schon ein Meisterwerk :)))

  • artr2d2 am 20.08.2019 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ojeh

    Dass ich nicht weinen muss.

  • Roman am 20.08.2019 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch ok

    Naja, wenn etwas dran ist (die wirkt betroffen), hat der Brief (und so scheint es) seine Wirkung... ansonsten soll sie es einfach vergessen. Ist ja keine Drohung.