Kita-Betreuer

06. Januar 2020 04:55; Akt: 06.01.2020 09:37 Print

Er filmte Kinder, um in der Pädo-Szene anzukommen

Der ehemalige Kita-Betreuer M. N.* muss sich am 21. Januar vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Er soll sich an mehreren Buben vergangen und dies teils gefilmt haben.

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Die Übergriffe des ehemaligen Kita-Betreuers M. N.*, wobei es vermutlich nicht alle sind, werden von der Staatsanwaltschaft St. Gallen in einer 16-seitigen Anklageschrift aufgelistet. Was der heute 34-Jährige zahlreichen Kleinkindern angetan hat, liest sich nur schwer. Als Opfer werden in der Anklageschrift zehn Buben im Alter zwischen sieben und drei Jahren aufgelistet. Zum Tatzeitpunkt war der jüngste von ihnen gerade einmal 16 Monate alt.

An die Öffentlichkeit gelangte der Fall im August 2018. In einem Schreiben, das 20 Minuten zugespielt wurde, informierte der Verwaltungspräsident der betroffenen Kinderkrippe, dass Mitarbeiter M. N. verhaftet wurde. Nach Bekanntwerden der Vorfälle wurde er fristlos entlassen.

Umstand ausgenutzt, dass sie nicht sprechen konnten

Die Übergriffe auf die Kindern fanden teilweise in St. Gallen in einer Kinderkrippe statt. So etwa Anfangs April 2018. Damals nahm er sexuelle Handlungen an einem zum Tatzeitpunkt 16 Monate alten Kleinkind vor, das hüftabwärts nackt auf dem Wickeltisch lag. Laut Anklage nahm N. dies mit seinem Handy auf und machte ein 40 Sekunden langes Video davon.

Gemäss Anklageschrift kam es auch zu Übergriffen bei Kindern zu Hause. So liess er etwa im März 2017 einen knapp Zweijährigen unter seiner Anleitung an seinem Glied hantieren. «Der Beschuldigte war sich bewusst, dass das Opfer noch nicht richtig sprechen konnte und sich damit nicht gegenüber seiner Mutter über den Vorfall hätte mitteilen können», heisst es dazu in der Anklageschrift. Auch in diesem Fall fertigte N. Videomaterial an. Teile davon lud er unter einem Pseudonym ins Darknet und machte sie so für andere zugänglich. In der Anklageschrift heisst es, dass N. angab, dies hochgeladen zu haben, um in der Szene Glaubwürdigkeit und Anerkennung zu erhalten.

Bevor der Beschuldigte im Juli 2018 verhaftet wurde, hat er seit 2008 heimlich für sich diverse Fotos von Buben zwischen drei und sechs Jahren erstellt, die die Geschlechtsteile der Opfer ins Zentrum rücken und die Buben beispielsweise beim Urinieren zeigen. Die Bilder hat er an ehemaligen Arbeitsorten gemacht und in der Öffentlichkeit. Er tat dies, um sich beim Anschauen selbst zu befriedigen. Aus dem Internet lud er sich auch Material mit kinderpornografischem Inhalt herunter. «Bei den Auswertungen seiner Datenträger wurden total rund 4600 Videos und rund 61’700 Bilder mit sexuellen Handlungen mit Kindern sowie einzelne mit Tieren oder Gewalt festgestellt», so die Anklage Unter den Opfern sind zahlreiche Babys und Kleinkinder.

Lebenslanges Tätigkeitsverbot

Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten. Zudem eine Busse in Höhe von 600 Franken. Es sei zudem eine stationäre therapeutische Massnahme zur Behandlung der psychischen Störung anzuordnen.

Des Weiteren wird ein lebenslanges Tätigkeitsverbot, das jede berufliche und ausserberufliche Tätigkeit, die einen Kontakt zu Minderjährigen umfasst, gefordert.

Der Beschuldigte befindet sich derzeit im vorzeitigen Massnahmevollzug. Die Öffentlichkeit ist von der Verhandlung am 21. Januar vor dem Kreisgericht St. Gallen ausgeschlossen. 20 Minuten wird vom Prozess berichten.

* Name der Redaktion bekannt

(taw)