Wil SG

24. März 2020 18:06; Akt: 24.03.2020 18:06 Print

Er zwang sie, den Teufel auszukotzen

Er wollte seiner Ehefrau den Teufel austreiben, indem er sie gegen ihren Willen einshamponierte und sie zum Erbrechen brachte. Nun steht er vor Gericht.

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Der Beschuldigte ist heute 42 Jahre alt und muss sich am Mittwoch vor dem Kreisgericht Wil SG verantworten. Ihm werden einfache Körperverletzung und mehrfache, teilweise versuchte, Nötigung vorgeworfen. Zu den Übergriffen kam es im Mai 2018 in der Wohnung des Beschuldigten und seiner Frau.

Wie es in der Anklageschrift heisst, war der Beschuldigte der wahnhaften Überzeugung, er müsse die ihm nicht näher bekannte Angestellte einer Avia-Tankstelle in Wil SG heiraten. Deshalb geriet er mit seiner Ehefrau in Streit.

Gegen Willen einshamponiert

Im Zuge des Streits soll er seine Frau schliesslich an den Haaren ins Badezimmer gezogen haben. Dort habe er sie unter die Dusche gestellt, ihr den Mund zugehalten und sie von Kopf bis Fuss einshamponiert. Das habe er mehrfach getan und sie danach jeweils wieder abgespült. «Durch seine Gewaltanwendung zwang er sie, diesen Waschvorgang gegen ihren Willen zu dulden», so die Anklage.

Unter einem Vorwand gelang es der Frau, sich einzuschliessen und die Polizei zu rufen. Weil ihr Mann aber derart gegen die Tür polterte und sie die schlafenden Kinder nicht wecken wollte, öffnete sie die Türe wieder.

Täter ist schuldunfähig

Als der Beschuldigte ihr Handy sah, wurde er laut Anklage noch wütender und ging auf seine Frau los. Er schlug sie mehrfach und würgte sie. Zudem soll er ihr mehrere Finger in den Rachen gesteckt haben, um sie zum Erbrechen zu bringen. Dies tat er gemäss Staatsanwaltschaft, um ihr den Teufel auszutreiben.

Laut fachärztlichem Gutachten ist der Täter schuldunfähig. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Feststellung, dass der Beschuldigte die ihm vorgeworfenen Tatbestände erfüllt hat. Infolge Schuldunfähigkeit sei er freizusprechen. Es sei eine ambulante Massnahme anzuordnen der Beschuldigte sei zur Einnahme der ihm verschriebenen Medikamente zu verpflichten. Die Kosten des Verfahrens soll der Staat übernehmen.

(taw)