Geothermie

15. Mai 2014 06:03; Akt: 15.05.2014 15:02 Print

Erkenntnisse gewonnen, viel Geld verloren

Nach dem Geothermie-Aus loben Fachleute St. Gallen für das «mutige Projekt». Doch nun gerät die Energiestrategie der Stadt ins Wanken.

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Der Turm des St. Galler Geothermieprojektes wurde November im Sittertobel abgesenkt. Am Mittwoch gab Stadtrat Fredy Brunner gab den Entscheid bekannt, dass das Projekt gestoppt wird. (Bild: Keystone)

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Die Schweizerische Vereinigung für Geothermie bedauert das Aus für das St. Galler Geothermieprojekt. «Ich bin enttäuscht, aber ich habe Verständnis für diesen Schritt», sagt der Präsident Willy Gehrer am Mittwoch auf Anfrage. Er betonte, dass Rückschläge bei solchen Pilotprojekten nicht zu vermeiden seien. St. Gallen habe wertvolle Daten gesammelt und den Weg für neue Geothermie-Kraftwerke geebnet.

Erdgasförderung als Trostpflaster

Ähnlich tönt es beim Bundesamt für Energie. «Wir sind dankbar, dass St. Gallen den Mut aufgebracht hat, auch wenn der Versuch gescheitert ist», sagt eine Sprecherin. Von einem Rückschlag für die Geothermie will man dort nicht sprechen. «Das Projekt hat viel Licht in den unbekannten Untergrund gebracht.» Ungeachtet des Abbruchs sollen weiterhin Fördergelder des Bundes in die Tiefengeothermie fliessen.

Stadtrat Fredy Brunner gab den negativen Entscheid am Mittwoch «schweren Herzens» bekannt. Die in der Tiefe gefundene Heisswassermenge sei für ein Kraftwerk viel zu klein. Hinzu komme das Risiko weiterer Erdbeben und das finanzielle Risiko. Weiter geprüft wird die Möglichkeit, über das 4450 Meter tiefe Bohrloch Erdgas zu fördern. Das wäre dann ein kleines Trostpflaster.

Energieziele in Gefahr

Das Fazit ist ernüchternd: Man hat zwar Erkenntnisse gewonnen, aber viel Geld verloren. Am Schluss wird die Stadt wohl über 50 Millionen Franken ins Geothermie-Projekt verlocht haben. Ungefähr 19 Millionen davon übernimmt der Bund.

Neben den Kosten bringt der Fehlschlag das Energiekonzept der Stadt St. Gallen ins Wanken. «Die Geothermie wäre für uns eine bequeme Lösung gewesen, um den Anteil an erneuerbarer Energie zu steigern», räumt Brunner ein. Geplant war eigentlich, rund die Hälfte der St. Galler Haushalte mit Erdwärme zu versorgen. Brunner: «Jetzt müssen wir nach weiteren Massnahmen suchen, um unsere Energieziele zu erreichen».

(dst)