Bodensee

19. Juni 2019 04:52; Akt: 19.06.2019 10:32 Print

Ertrinkender Bub mit Hilfe von Drohne gerettet

Am Bodensee werden Drohnen mit Schwimmhilfen zur Wasserrettung getestet. Am Samstag konnte so ein kraftloser 13-Jähriger gerettet werden. Setzt sich die Technik nun durch?

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Frische 16 Grad betrug die Wassertemperatur am Samstagnachmittag, als drei Jugendliche im Alter von 13 Jahren im Bodensee zu einem Floss schwammen. Wie die Deutsche Lebens-Retter-Gemeinschaft (DLRG) Konstanz in ihrem Einsatztagebuch schreibt, verliessen einen der Gruppe auf dem Rückweg auf halber Strecke die Kräfte. Glücklicherweise hatten gerade freiwillige Rettungsschwimmer der DLRG Wachdienst und bemerkten den Notfall. Doch statt ins kühle Nass zu springen, nutzten sie ihr neustes Tool: eine Drohne.

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Befestigte Schwimmhilfe

Diese wird seit einer Woche auf deutscher Seite des Bodensees getestet – mit Erfolg: Noch bevor einer der Rettungsschwimmer im Wasser war, erreichte die Drohne den Einsatzort und setzte dort eine Schwimmhilfe ab. Die sogenannte Restube bläst sich bei Wasserkontakt von selbst auf und gab dem erschöpften 13-Jährigen Auftrieb, sodass er nicht in Lebensgefahr kam. Gemeinsam mit seinen Kollegen konnte er so an Land schwimmen. Er blieb unverletzt.

Clemens Menge, Vorsitzender der DLRG, ist sehr zufiedern mit den Minihelikoptern. Gegenüber 20 Minuten sagt er: «Wir hatten die Technik zwar schon länger im Auge, aber bei früheren Modellen dauerte es sehr lange, bis sich die Drohnen mit den Mobilfunkgeräten verbunden hatten und startbereit waren.» Dies habe sich nun geändert. Innerhalb von zehn Sekunden sei sie bereit zum Abflug.

Auch ein Thema für die Schweiz?

Einen Rettungsschwimmer oder ein Boot ersetzten könnte die Drohne aber nicht, wie Menge sagt. «Man muss in der jeweiligen Situation abwägen, was oder wen man einsetzt. Wenn sich die Person in Not überhaupt nicht mehr über Wasser halten kann, dann nützt die Drohne nichts mehr.» Trotztem stelle sie eine grosse Hilfe dar. Darum hofft Menge auf Spenden, um in naher Zukunft alle Rettungsposten mit der Technik ausstatten zu können.

In Deutschland hat sich die neue Technik also bewährt. Wird sie nun bald auch auf der Schweizer Seite des Bodensees getestet? Bei der Thurgauer Wasserrettung habe man auf jeden Fall schon von den neuen Drohnen gehört. Aber: «Für uns ist sie derzeit kein Thema», sagt Daniel Meili, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Man komme auch mit den derzeit vorhanden Mitteln schnell an den jeweiligen Notfallort. «Wir behalten den technologischen Fortschritt in Deutschland aber im Auge», fügt der an.

Fokus auf Unfallprävention

Auch bei der Schweizerischen Lebens-Rettungs-Gemeinschaft (SLRG) waren die Drohnen ein Thema: «Wir haben sie uns angesehen», sagt Philipp Binaghi, Sprecher des SLRG. «Wir sind aber zum Entschluss gekommen, unsere Ressourcen anderweitig einzusetzen», erklärt er. Grund: Der Fokus liege auf der Unfallprävention, die man unter anderem mit Aufklärungskampagnen fördere. «Drohen sind daher in den nächsten Jahren kein Thema in der SLRG», so Binaghi.

(viv)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • fale am 19.06.2019 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rettung

    Über ein Schnelles Rettungsmittel muss man nicht diskutieren. Anschaffen und zwar sofort!

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  • Stefan am 19.06.2019 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!

    Endlich mal ein sinnvoller Einsatzzweck für eine Drohne. Im Gegensatz zu den nervtötenden Insta-Shootings auf Bergipfeln o.ä.

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  • biene maya am 19.06.2019 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    drohne rettet vor ertrinken

    Für solche arbeiten finde ich die drohne gut auch in den bergen. Nur nicht zum spielvertreiben

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritz M. am 19.06.2019 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gefährliche Technik

    Ist schön und gut. Man muss aber auch sehen, dass alles gehäckt werden kann.

  • Erste Hilfe am 19.06.2019 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Ich denke jetzt mal einen Schritt weiter... Vielleicht wird es eines Tages möglich sein bei einem Fluss - oder Seebad ein Armband oÄ zu tragen und in einem Notfal eine Rettungsdrohne anzufordern? Ich verstehe nichts von Technik aber mit GPS sollte das doch möglich sein?

  • 1234 am 19.06.2019 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Elterliche fürsorge

    Die Kinder sollen schwimmen lernen wie wir früher auch!

  • zulius am 19.06.2019 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    chemiewehr

    setzen wir auch in der chemiewehr ein zur Übersicht des Schadenplatzes und senden streamen der Aufnahme an die Einsatzleitstelle. drohen für solche einsätze sollte gefördert werden

  • DLRG Hinterland am 19.06.2019 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es lebe der Fortschritt

    Sind die Rettungsschwimmer jetzt Warmduscher geworden oder nur Technik Freaks. Bis Drohne läuft, Mensch ersäuft oder kriegt Schwimmhilfe an den Kopf geschmissen

    • gogg am 19.06.2019 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @DLRG Hinterland

      Ich denke doch, dass so eine Drohne schneller ist, als ein schwimmer und auch schneller Einsatzbereit als ein Boot mit Crew. Und im Notfall zählt jede Sekunde. Ich wär jedenfalls, könnt ich mich an etwas festhalten.

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