Millionen verspekuliert

12. Dezember 2011 22:50; Akt: 12.12.2011 23:04 Print

Ex-Finanzchef steht vor Gericht

von Marlene Kovacs - Der Prozess gegen den Ex-Finanzchef der EKT Holding hat begonnen. Er soll Provisionen eingeheimst und 35 Millionen Franken verspekuliert haben.

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Angeklagter (hinten) mit Anwalt.

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Die Liste der Vorwürfe gegen den 49-Jährigen, der zurzeit in Bangkok lebt, ist lang. In acht Fällen soll er als Finanzchef der EKT Holding beim Kauf von Anlagen im Zeitraum von 2005 bis 2008 Provisionen über 750 000 Franken und 375 000 Dollar privat einkassiert haben. Dies laut Anklage mit dem Wissen, dass die Einnahmen dem Thurgauer Elektrizitätswerk zustehen würden, dessen Mehrheitsaktionär der Kanton ist. Zudem soll er in Produkte der US-Bank Lehman Brothers investiert und nicht früh genug verkauft haben. Als die Bank 2008 Pleite ging, verlor die EKT Holding 35 Millionen Franken.

Der mehrtägige Prozess im Schloss Arbon startete heute mit Befragungen. Dem 49-Jährigen wird unter anderem Veruntreuung und Geldwäscherei vorgeworfen, den drei Mitangeklagten Gehilfenschaft zur Veruntreuung. Der Ex-Finanzchef erklärte, dass er beim ersten Geschäft von den Provisionen nichts ahnte. «Bis zur Transaktion wusste ich nicht, dass so etwas möglich ist», so der Schweizer. «Ich dachte einfach, das sei ein Lucky Punch.» Geldnot habe er nie gehabt. «Es hat so angefangen und ich konnte quasi nicht mehr zurück», sagte der Hauptangeklagte. Bezüglich des Lehman-Falls weist er die Vorwürfe zurück. «UBS-Experten haben noch kurz vor der Pleite empfohlen, die Papiere zu halten.» Der Prozess geht morgen weiter.