Fedpol bestätigt

09. November 2019 13:41; Akt: 09.11.2019 13:41 Print

Experten warnen vor Mafia in Graubünden

Laut Mafiaexperte Paolo Bernasconi operieren hunderte Mafiosi in der Schweiz. Das Fedpol bestätigt und räumt ein, die Stärke der Mafia lange Zeit unterschätzt zu haben.

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Die Schweiz bleibt von der italienischen Mafia nicht verschont. Wie Experte und ehemaliger Staatsanwalt Paolo Bernasconi sagt, soll es mehrere hundert Personen geben, die in der Schweiz für die italienische Mafia aktiv sind. Während sie sich früher hauptsächlich im Tessin aufgehalten haben, operieren sie heute weiter nördlich – in Graubünden. Wie die «Südostschweiz» berichtet, soll vor allem das Bündner Südtal Misox als «Umschlagplatz» dienen. So soll es im gesamten Misox auf 8000 Einwohner rund 1600 Firmen geben – die meisten davon als Briefkastenunternehmen.

«Es ist bekannt, dass Briefkastenfirmen der Geldwäscherei dienen», sagt Bernasconi gegenüber der Zeitung. Während im Kanton Tessin die Gesetze zu solchen Firmen verschärft wurden, sind diese in Graubünden nicht per se illegal. Bernasconi ist beunruhigt, dass die Abwehr gegen die kriminellen Organisationen so schwach ist. Das erleichtere die Infiltration durch die Mafia auf Schweizer Boden ungemein, so der Tessiner.

Könnte «brutales Erwachen» für Kanton geben

Auch das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bestätigt auf Anfrage von Radio Südostschweiz, dass die Mafia hierzulande sehr aktiv ist: «Die Mafia ist eine Realität in der Schweiz. Auch in Graubünden oder St. Gallen», sagt Mediensprecherin Anne-Florence Débois. Zudem räumt sie ein, dass man die Stärke der Mafia lange Zeit unterschätzt habe.

Doch was tun die Behörden dagegen? Laut dem Radiosender scheint das Thema keine Priorität zu haben. Wie es auf Anfrage bei der Bündner Staatsanwaltschaft heisst, könne man zu den Vorkommnissen keine Auskunft geben. Unter anderem, da es keinen Straftatbestand «Mafia» gebe. Das mache eine statistische Erfassung nicht möglich, so die Staatsanwaltschaft. Auch die Kantonspolizei soll gemäss dem Radiosender keine Kenntnis von Mitgliedern haben, die sich im Kanton aufhalten würden.

Experte Bernasconi verurteilt das Verhalten der Behörden scharf: So soll ihr Zusehen mit ein Grund sein, warum sich die Mafia im Norden ausbreite. Damit steht er nicht alleine da. Bereits Journalistin Madeline Rossi warnte die Behörden, dass die italienische Mafia – allen voran die kalabrische 'Ndrangheta – auch in der Schweiz aktiv ist und sich ausbreiten wird. Sie sagte damals, dass die bündnerischen Behörden auf der Hut sein müssen. Denn sonst könnte es ein «brutales Erwachen» für den Kanton geben.

(juu)