Luxusflug

28. Januar 2020 18:49; Akt: 28.01.2020 18:49 Print

Für 1600 Franken direkt von London nach Samedan

Britische Skitouristen sollen mit Charterflügen nach Samedan fliegen. Die St. Moritzer Hotels wittern eine Chance. Klimaschützer sind verärgert.

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Vor 100 Jahren flog das erste Flugzeug von St. Moritz direkt nach London. Zu diesem Jubiläum hat das 5-Sterne-Hotel Badrutt’s Palace in St. Moritz ein besonderes Angebot lanciert. Gäste aus London können für rund 1600 Franken von London direkt nach Samedan fliegen und zurück.

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Geschäftsführer Richard Leuenberger sagte gegenüber dem Regionaljournal Graubünden von SRF: «Die Nachfrage ist vorhanden. Zwei Flüge sind mit je 30 Leuten schon ausgebucht.»

Der Zeitpunkt mit dem ersten Flug am 14. Februar sei ideal. Denn am Engadin Airport in Samedan ist neu der Instrumentenanflug möglich. So kann auch bei schlechten Sichtverhältnissen gelandet werden. Zudem würden die Flüge klimaausgleichend betrieben mit Kompensationen an globale Projekte zur CO2-Reduktion, so Leuenberger

Weitere Hotels mit an Bord

Die Charterflüge sind Teil eines grösseren Projekts: Mit Direktflügen aus europäischen Städten nach Samedan sollen zahlungskräftige Gäste aus Nordeuropa ins Bündnerland geholt werden. Daran sei nicht nur das Hotel Palace beteiligt, sondern auch andere Luxushotels in der Region, wie Heinz Hunkeler, Geschäftsführer des 5-Sterne-Hotels Kulm in St. Moritz, auf Anfrage von 20 Minuten sagt. Sein Kollege Leuenberger fügt an: «Das Ziel ist vorerst, die Gäste aus Grossbritannien schnell bei uns zu haben. Sie sollen nicht über andere Flughäfen reisen müssen.»

Für das übergeordnete Projekt wurde bereits eine Machbarkeitsstudie gemacht. Die Studie hat ergeben, dass Direktflüge aus Städten wie Paris, Berlin oder London attraktiv sind.

Sinn und Unsinn der Flüge

Der Unternehmensberater Peder Plaz hat die erste Analyse zu den Charterflügen durchgeführt. Er sagte zu SRF: «Es ist eine grosse Chance für diverse Unternehmen. Das Pilotprojekt wird vielfältige Erfahrungswerte liefern.» Dazu würden etwa die Preise für die verschiedenen Involvierten gehören und welche logistischen Hürden noch zu überwinden sind für eine allfällige Ausweitung des Projekts auf andere Städte.

Kritisch dagegen ist Hansjörg Bhend, der Präsident der Vereinigung Bünder Umwelt-Organisationen. Er meint zu 20 Minuten: «Wir sind gegen solche zusätzlichen Flüge im Alpenraum. Sie sind aus klimatechnischen Gründen nicht gut.» Zudem sei St. Moritz auch auf anderen Wegen als mit dem Flugzeug erreichbar. Für Bhend sind die klimaausgleichenden Kompensationen nur dazu da, das schlechte Gewissen zu beruhigen.

Ausbau in den nächsten Jahren möglich

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL hat die Flüge noch nicht bewilligt. Laut Leuenberger könnten die Charterflüge aber auch ohne Bewilligung durchgeführt werden. Das Ziel sei aber, diese Bewilligung vor dem ersten Flug in gut zwei Wochen zu haben. Er sei optimistisch. «Das BAZL soll alle Abläufe am Flughafen kennen und gutheissen. Denn im besten Fall wird das Pilotprojekt in Zukunft ausgebaut», so Leuenberger.

Nötig sind laut dem BAZL noch gewisse Vorkehrungen für die Sicherheit am Engadin Airport. So müsse beispielsweise das Bodenpersonal noch geschult werden.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pleitier am 28.01.2020 19:12 Report Diesen Beitrag melden

    direkt fliegen ist okölogischer

    Passt schon, dann hat es einige weniger auf der Strasse.

  • Lilly am 28.01.2020 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    ÖV keine Alternative

    Endlich werden regionale Flugplätze berücksichtigt. Macht mehr Sinn als über ZRH. Zugverbindung ins Engadin ist viel zu langsam.

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  • Keep It Real am 28.01.2020 19:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diskutieren oder Kompensieren

    "klimaausgleichenden Kompensationen nur dazu da, das schlechte Gewissen zu beruhigen." Natürlich ist das so! Dieser Kompensationsquatsch bzw. Ablasshandel wurde doch von den Klimahysteriker erfunden und gepusht. Dass der Spiess nun umgedreht wird ala "wir kompensieren also ist ja Alles gut" passt denen wohl nun nicht. War jedoch vorherzusehen.. Hört doch auf mit der Heuchelei, dann können wir wieder vernünftig über Wichtiges diskutieren, statt das Geld zum Fenster raus bzw. den Klimahysterikern in den Rachen zu schmeissen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Greta Thunberg am 29.01.2020 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    Find ich super

    Bin auch schon mitgeflogen

  • Cadonau, samedab am 29.01.2020 15:00 Report Diesen Beitrag melden

    Rechnet mal genau nach!!!

    Die Alternative, also: Linien-Flug von London nach Zürich und von dort mit der Taxi-Limo nach St. Moritz über den Julier (und das Taxi mit einer Leerfahrt wieder nach Zürich) verbraucht mehr Energie und belastet dieUmwelt rubd 2,5 x mehr als ein Direktflug London-Zürich mit einem 30 Plätzer.

    • marko 34 am 29.01.2020 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Cadonau, samedab

      Leider

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  • oberengadinerin am 29.01.2020 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    STOP !

    Bitte dies STOPPEN ! = HORROR : nicht nur für die Anwohner ! Danke !

    • citoyen am 29.01.2020 18:57 Report Diesen Beitrag melden

      Sie übertreiben gewaltig

      Diese kleinen Jets machen weniger Lärm als ein RhB-Zug. Der Flugplatz Samedan wurde jahrzehntelang von der Luftwaffe mitgenutzt. Da gab es noch ab und zu Krach. Wer im Oberengadin wohnt, profitiert via Tourismus und Steuerfuss ganz direkt von der Wertschöpfung durch das attraktive Angebot im Hotel-und Alpinsportbereich. Der Flugplatz ist ein einzigartiges Plus im Angebot. Ist doch gut, wenn die Reichen ihr Geld hier liegenlassen als anderswo.

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  • Vreni am 29.01.2020 11:06 Report Diesen Beitrag melden

    Methanausstoss der heiligen Kühe

    Der Methanausstoss der heiligen Kühe in der Schweiz und global ist um ein zigfaches schädlicher als der Luftverkehr

  • dada am 29.01.2020 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    upsala

    Ich dachte fliegen sei zu billig? Sollen die Touristen lieber für 20.- CHF mit Easyjet fliegen als direkt für 1600.-?