Ostschweiz

21. Juni 2018 17:00; Akt: 21.06.2018 21:47 Print

Falsche Tierliebe führt zu Abschuss von Schwan

Tier-Tragödie am Alten Rhein: Tierschützer wollten einen Schwan retten, doch ihre Aktion wirkte wohl eher kontraproduktiv. Nun ist die Schwanen-Mutter tot.

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«Wenn die Jungtiere im Herbst flügge sind, sollte die Schwanen-Mutter eingeschläfert werden», sagt Karl-Heinz Hanny von der Tierrettung Vorarlberg gegenüber dem ORF Vorarlberg. Hintergrund: Bei einer Schwanenfamilie, die beim Alten Rhein zwischen Lustenau (A) und Diepoldsau/Widnau SG lebte, hatte sich das Muttertier den Flügel gebrochen und sollte offenbar nicht unnötig leiden. Dass dem verletzten Tier nicht geholfen wurde, sorgte auf Social Media dieser Tage allerdings für einen regelrechten Shitstorm.

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Wie die Wildtierhilfe Vorarlberg auf Facebook postete, wurde sie deshalb von vielen Tierfreunden um Hilfe gebeten:

Tierschützer sammeln Schwänin ein

Darauf fingen Mitglieder der Wildtierhilfe die Schwanenmutter am Sonntag ein und nahmen sie mit. Wie vol.at schreibt, wollten sie das Tier operieren lassen. Doch die Tierklinik erteilten ihnen eine Absage. Schliesslich wurde das Tier wieder zurückgebracht.

Die ganze Aktion wurde von der Tierrettung Vorarlberg heftig verurteilt. Denn während die Schwanenmutter weg war, kam es zu Revierkämpfen und die Jungtiere waren ohne ihre Mutter auf sich gestellt, so Karl-Heinz Hanny von der Tierrettung Vorarlberg. Seine Organisation habe dann eingreifen müssen, damit die Jungtiere nicht von anderen Schwänen getötet werden.

Ein Happy-End gab es nicht. Wie ORF Vorarlberg weiter berichtete, musste ein Schweizer Jagdaufseher den Schwan mit dem gebrochenen Flügel schliesslich erlösen.

Für die Wildtierhilfe Vorarlberg ist klar: «Tuat ma nix isch ma dr Depp – tuat ma was, isch ma oh dr Depp.» Ihre Aktion könnte zudem ein rechtliches Nachspiel haben.

Nicht das erste Schwanen-Drama

Auch in Rorschach kam es wiederholt zu Schwanen-Dramen. Das, weil ein Schwanenpaar jährlich ihr Nest zu nahe am Ufer baut und ständig die Gefahr lauert, dass es weggespült wird. Die Schwäne seien halt in der Wahl ihres Standortes wirklich ungeschickt gewesen, sagte Wildhüter Mirko Calderara 2016 gegenüber 20 Minuten. Weil er die Schwäne als «blöd» bezeichnet und sich geweigert hatte, das Nest zu verschieben, riefen ihn betrunkene Frauen spätabends an, um ihn zu beschimpfen. Laut Calderara nützt das Wegtragen des Nestes ohnehin nichts, da die Tiere das Nest danach nicht mehr akzeptieren würden.

Schliesslich wurde das Nest wegen des öffentlichen Drucks doch noch mit Sandsäcken geschützt. Dieses Jahr hatten die Schwäne sogar zwei Nistversuche an wieder der gleichen «blöden» Stelle unternommen. Doch beide scheiterten.

(taw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ribel Mais am 21.06.2018 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Und wieder einmal bestätigt:

    Nichts ist für die Tier- und Pflanzenwelt schädlicher/tödlicher als selbsternannte Naturschützer in ihrem blinden Wahn.

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  • Black Swan am 21.06.2018 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht weit gedacht

    Selbsternannte Tierschützer die keine Ahnung haben aber übertriebenen Aktionismus. Die Natur kann brutal sein, dass sollten gerade diese Leute wissen und der Natur ihren Lauf lassen

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  • Bodenständiger Naturmensch am 21.06.2018 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Mit Jööö ist es nicht getan

    Es gibt viel zu viele Jööö-möchtegerne-Tierschützer, welche sich nicht zuletzt von Social-Medien, Emotionen und Pseudowissen zu kontraproduktivem Handeln (ver)leiten lassen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • walter am 24.06.2018 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kostet viel Geld

    Ja und diese Tier und Naturschützler kostet dem Steuerzahler Millionen die unnützlich eingesetzt werden. z.B. am Rhein bei Flaach wurde das Rheinufer ausgebaggert und Nischen gemacht damit das Wasser hineinfließenden kann und im Frühjahr die Fische laichen können, das funktionierte bis im Sommer der Wasserspiegel absank und die Fische in der Nische eingeschlossen starben, unterhalb der Thurmündung wurde Kies in den Rhein gekippt warum das bleibt schleierhaft

  • Clemens Borisch am 23.06.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das für eine Tierklinik gewesen?

    Also wenn ich von einem Tierarzt höre, das er es ablehne ein verletztes Tier zu behandeln, breche ich ihm sämtliche Knochen!

  • Das Wort zum Sonntag am 23.06.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    "Schwänin", "Schwanenmutter"....

    Das klingt so unglaublich nach Mensch und Streichelzoo! Umgekehrt wird ein Tier mit einzelnen gebrochenen Knochen (z.B. auch Pferde mit Beinbruch) sofort "eingeschläfert" und "von ihren Leiden erlöst". Während man schwer kranke Menschen aus ethischen und wohl auch handfesten wirtschaftlichen Gründen bis ins hohe Alter künstlich am Leben hält...

  • Barcelona am 22.06.2018 07:48 Report Diesen Beitrag melden

    Herz und Verstand

    Es ist beim Tierschutz wie bei anderen Themen, es nützt nichts wenn man nur mit dem Herzen denkt. Der Kopf muss auch aktiv dabei sein.

  • jane77 am 22.06.2018 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wiso

    Na das war ja eine tolle Aktion. Sollte man als Tierschützer nicht wissen dass man Mutter und Jungtier nicht einfach schnell mal trennt?!