Ostschweiz

30. August 2018 05:44; Akt: 30.08.2018 05:44 Print

Familie in Not wird der Kühlschrank gefüllt

In Ostschweizer Facebook-Gemeinschaften häufen sich Spendenaufrufe von Familien in Not. Die Netzgemeinde zeigt sich grosszügig. Fachleute sind geteilter Meinung.

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«Ich und meine Familie sind von der Solidarität der Menschen einfach überwältigt», schreibt eine vierfache Mutter auf Facebook unter Bilder ihres gefüllten Kühlschranks.

Vor einigen Tagen hatte sie auf Facebook einen Aufruf gestartet und gefragt, ob jemand «eventuell noch Brot übrig hätte». Das Brot sei allerdings nicht für hungernde Tiere gedacht, sondern für sie und ihre Familie. «Der Lohn ist noch nicht gekommen und deswegen ist es bei uns dieses Wochenende sehr knapp. Etwas Brot würde schon reichen», heisst es weiter unten im Beitrag.

Prompt meldeten sich dutzende Ostschweizer und boten der Familie ihre Hilfe an. Nebst Brot sollen auch Puddings, Gemüse, Nudeln, Kuchen und viele weitere Sachen bei der Familie eingetroffen sein.

«Es braucht einen Budgetplan»

Dies ist kein Einzelfall: Unlängst hat eine Rorschacherin wegen eines finanziellen Engpasses über Facebook Nahrungsmittel gesucht.

«Solche Facebook-Postings sind grundlegend eine gute Idee», findet Stefan Gribi von Caritas Schweiz. Es sei sehr mutig, dass Leute ihre finanziellen Nöte eingestehen. Dennoch ist es mit dem Aufruf laut Gribi nicht getan. Um das Problem langfristig in den Griff zu bekommen, sei eine professionelle Beratung unvermeidlich. So brauche es etwa einen Budgetplan.

Da viele Menschen Angst oder Scham vor einem Gang zu den Behörden hätten, empfiehlt er unabhängige Stellen wie die Caritas: «Wir bieten an mehreren Standorten Sozial- und Schuldenberatungen an, natürlich unabhängig von den Gemeinden.»

«Vieles landet im Müll»

Doch die Meinungen über die Spendenaufrufe auf Social Media sind geteilt. «Absolut nicht sinnvoll», findet sie eine Mitarbeiterin einer St. Galler Lebensmittelabgabestelle. Erfahrungsgemäss würden die Leute dann mit Lebensmitteln überhäuft, die sie selber gar nicht essen könnten. «Und so landet vieles im Müll, das muss nicht sein.» Die Frau weist darauf hin, dass man an den Abgabestellen Lebensmittel beziehen kann, auch ohne dass man Sozialhilfe bezieht. Das dafür notwendige Kärtchen gibt es auf dem Sozialamt.


(juu)