Altstätten SG

22. Februar 2019 05:47; Akt: 22.02.2019 05:47 Print

Frauen dürfen die Süssigkeiten verteilen

Mehr, länger, grösser: Die Fasnacht in Altstätten ist dieses Jahr voller Superlative. Grund dafür ist das Jubiläum des Röllelibutzenvereins, der sie organisiert.

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Die Röllelibutzen feiern 2019 ihr 100-Jahr-Jubiläum. Zum Jubiläum werden besonders viele Guggen in Altstätten SG aufspielen. 1500 Gugger werden für Fasnachtssonntag erwartet. Gehört einfach dazu: Die Abendpolonaise hat Tradition an der Altstätter Fasnacht. Die Röllelibutzen haben eine lange Tradition. Der Verein besteht seit 100 Jahren, doch die Geschichte der Butzen reicht wohl 400 Jahre zurück. Der Hut der Röllelibutzen ist mit Kugeln, Federn und Blumen geschmückt. Die Röllelibutzen hatten auch einen Auftritt an der Expo.02 im Rahmen des Kantonaltages St. Gallen auf der Arteplage in Neuenburg im August 2002. Wichtigstes Accessoire ist die Spritze, mit der das Publikum eingenässt wird. Dem Röllelibutzen-Verein können laut Statuten nur Männer beitreten. Als Ehrendamen dürfen aber auch Frauen mitwirken – etwa um den Umzug anzuführen und Süssigkeiten zu verteilen. Zum 100-Jahre-Jubiläum organisierten die Röllelibutzen das Europäische Kultur- und Brauchtumstreffen vom 15. bis 17. Februar 2019. Am Sonntag 17. Februar fand der grosse Umzug mit rund 2000 Teilnehmer statt. Im Bild die kroatische Gruppe «Halubajski Zvoncari Viskovo». Für das Fest reisten 32 Fasnachtsgruppen, aus 15 verschiedenen Ländern nach Altstätten SG an. Hier ein Mitglied der spanischen Gruppe «La Vijanera de Silio». Eigentlich hätten es 35 Gruppen sein sollen, wie OK-Präsident Alex Zenhäusern sagt. Der Altstätter Megaevent startete am Freitagabend mit einem Fackelumzug. Hier sieht man weitere Mitglieder der «La Vijanera de Silio». Doch nicht alle schafften es pünktlich: «Ein Teil einer Gruppe blieb bei einer Grenzkontrolle länger als erwartet hängen. Sie traffen etwas verspätet ein.» Es wurden ausschliesslich Gruppen mit einer langen Fasnachtstradition eingeladen. Wie zum Beispiel die «Botzeroessli Appenzell». Oder die «Koranti Borovci» aus Slowenien. Hier sieht man einen «Koranti Borovci» beim Anlegen seines Kostümes. Es scheint, als ob die Glocken ganz schön schwer sind. Am Samstag zogen die Gastgruppen durch die Strassen und zeigten ihre Bräuche. Der Höhepunkt des Festes war der internationale Sonntagsumzug. Unter anderem mit den ungarischen «Buso Gruppe Sokackor Mohacs». Oder der deutschen «Endinger Narrenzunft». Klein und gross kamen, um die Gestalten aus ganz Europa zu bestaunen. Unter anderem kamen die Zünfte und Vereine auch aus Österreich, Italien, Griechenland,... ... Spanien, Portugal, der Schweiz, Deutschland und Rumänien.

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Das Fasnachtsprogramm im Rheintaler Städtli Altstätten hat es dieses Jahr in sich: Am Fasnachtssonntag wird es um 13 Uhr ein Rekord-Guggen-Monsterkonzert mit rund 1500 Guggern geben, am Samstagabend beteiligen sich 52 Gruppen am Tschätteriumzug. «Das ist eine Rekordteilnahme», sagt OK-Präsident Alex Zenhäusern. «40 davon sind Guggenmusiken.» Normalerweise würden etwa 30 Guggen am «Tschätteri» teilnehmen. Auch am Umzug am Sonntagnachmittag sind 80 Gruppen aus vier Ländern dabei.

Grund für die Rekordfasnacht: Der lokale Fasnachtsverein Röllelibutzen feiert dieses Jahr 100 Jahre Jubiläum. Vergangenen Sonntag fand in diesem Rahmen ein europäisches Kultur-und Brauchtumstreffen statt, bei welchem über 30 Vereine aus 15 Ländern teilnahmen.


Die Röllelibutzen führten den Umzug am Brauchtumstreffen letzten Sonntag an. Video: youtube.com/fasnacht

Wichtigstes Accessoire: Die Spritze

Für Aussenstehende: Ein Röllelibutz ist ein verkleideter Mann in einer Standarduniform. Der Name geht auf den Rollengurt, auch «Geröll» genannt, zurück, den die Butzen tragen. Zur Uniform gehören weisse Hosen, schwarze Stiefel und Brustbänder in den Wappenfarben von Altstätten (schwarz-gelb-rot) und St. Gallen (grün-weiss) sowie eben der Rollengurt mit Glöcklein.

Das Auffälligste an der Verkleidung ist der Hut, der mit Glaskugeln, Blumen und Federn geschmückt ist. Heimliches Highlight ist aber die Spritze. Diese stellt eigentlich ein Fruchtbarkeitssymbol dar, dient aber vor allem dazu, bei Umzügen das Publikum mit Wasser zu bespritzen.

Männerverein

Als Butzen verkleidet sind nur Männer: «Das ist so in den Statuten festgeleg und seit der Gründung so», sagt Vereinspräsident Carlo Pinardi. Bislang habe es seines Wissens nie einen Antrag gegeben, das zu ändern.

Ganz ausgeschlossen sind Frauen aber nicht: Als Ehrendamen dürfen sie den Umzug anführen und Süssigkeiten verteilen. In Altstätten SG hält sich das Gerücht, dass die Gruppe der Ehrendamen aus unverheirateten Jungfrauen bestehen muss. Heute sei das nicht mehr so. Aber: «Es ist sicher von Vorteil, wenn eine Ehrendame keine Kinder und keine weiteren Verpflichtungen hat», sagt Pinardi. Denn während der Fasnachtszeit seien die Damen an den diversen Anlässen stark eingebunden. So seien denn die meisten Ehrendamen junge Frauen um die 20 Jahre.

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