Wasserleichen

30. August 2019 04:51; Akt: 30.08.2019 09:36 Print

Fast hundert Tote liegen noch im Bodensee

Dieses Jahr sind im Bodensee bereits mehrere Personen ertrunken. Nicht alle konnten geborgen werden. Annähernd hundert Leichen sollen im See liegen.

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Am Dienstag gegen 17 Uhr ereignete sich in Friedrichshafen (D) im Bodensee ein Badeunfall. Ein Schwimmer entdeckte einen Mann, der reglos im Wasser trieb. Gemeinsam mit anderen Badegästen konnte der 78-Jährige an Land gebracht werden, wie die Polizei in einer Medienmitteilung schreibt. Ein zufällig anwesender Arzt konnte den Mann vorerst reanimieren. Er wurde in eine Klinik gebracht, wo er jedoch kurz vor 23 Uhr auf der Intensivstation verstarb.

Auch im Kanton St. Gallen ist dieses Jahr bereits eine Person tot aus dem Bodensee gezogen worden. Ein Passant entdeckte den leblosen Körper am 1. Mai in Rorschach SG. In einen aufwendigen Verfahren konnte der Mann schliesslich mittels Zahnstatus identifiziert werden. Es handelte sich um einen 24-jährigen Eritreer, der gut drei Wochen zuvor von Angehörigen als vermisst gemeldet worden war.

Im Kanton Thurgau kam es es dieses Jahr am Bodensee noch zu keinem Badeunfall. Jedoch wurde ein 83-jähriger Mann Ende Juni in Arbon TG tot aus dem Bodensee geborgen. Woran der Mann gestorben ist, konnte nicht endgültig geklärt werden. Die Kantonspolizei Thurgau teilte mit, dass es keine Hinweise auf Dritteinwirkung gebe. Der Mann fiel von einem Schiff. Es wird eine gesundheitliche Ursache dafür vermutet.

Seetiefe verhindert Auftrieb

Die beiden Männer in Rorschach und Arbon konnten geborgen werden. Das ist jedoch nicht immer der Fall. Im Juli 2015 ertrank im Bodensee vor Egnach TG ein im Thurgau wohnhafter Chinese. Sein Körper konnte trotz Suche mit Sonde nie gefunden werden.

Seine Leiche ist eine von knapp hundert, die auf dem Grund des Bodensees liegen. Seit 1947 wird eine Liste von vermissten Personen im Bodensee geführt. «Derzeit sind wohl 99 Personen auf dieser Liste», sagt Marcel Kuhn, Leiter der Seepolizei Thurgau. Weil der Bodensee je nach Wasserstand mehr als 250 Meter tief sein kann, kommen Leichen nicht mehr an die Oberfläche. «Ab 60 Meter Tiefe ist der See nur noch vier Grad warm. Das ist wie ein Kühlschrank. Bei dieser Temperatur entstehen kaum noch Gase, die den Körper nach oben treiben könnten», sagt Kuhn. Der Wasserdruck tue das Übrige und verhindere zusätzlich den Auftrieb. «Bis 20 Meter Seetiefe stehen die Chancen gut, dass ein Körper an die Oberfläche treibt», sagt Kuhn. Würden die Körper tiefer liegen, sinkt die Wahrscheinlichkeit eines Auftriebs.

(jeb)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus K. am 30.08.2019 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So viele Leichen?

    Dass es einige sind war mir klar. Aber gleich so viele, das dachte ich nicht.

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  • giorgio1954 am 30.08.2019 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P.

    Sterben ist immer mühsam, obwohl wir alle sterben müssen. Aber ertrinken bei Bewusstsein muss furchtbar sein. Ruhet in Frieden.

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  • Msrcello am 30.08.2019 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tragisch

    ich finde das immer tragisch wenn man von seinen lieben nicht Abschied nehmen kann. das muss für die Angehörigen ein eigenartiges Gefühl sein. so aber sicher auch für die Polizisten der Seepolizei welches ihr bestes geben wenn sowas passiert.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sack Zement am 30.08.2019 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wäre gut zu wissen

    Wird das Trinkwasser vom Bodensee auf Rückstände von Leichen untersucht? Mit den heutigen hochempfindlichen Analysemethoden findet man grundsätzliche alles was man sucht. Wie hoch ist der Grenzwert für menschliche Überreste im Trinkwasser?

    • @ Sack Zement: Insofern es doch Bekannt am 30.08.2019 20:57 Report Diesen Beitrag melden

      ist, was im B'see-Wasser so enthalten

      ist, muss das doch wohl kaum, ständig neu Kontrolliert werden. Aber Bedenke. sämtliche andere Gewässer der Schweiz enthalten genau dieselben Bestandteile.

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  • Thurgauerin am 30.08.2019 16:03 Report Diesen Beitrag melden

    egaaal

    bereits fischfutter. ich fahre seit 35 jahren jeden sommer mit dem boot raus und hab noch nie einen toten gesehn. aber jemand den ich kenne, der bei der bsb arbeitet, hat schon einen gefunden.

    • anatomica am 30.08.2019 19:46 Report Diesen Beitrag melden

      Das kommt mir bekannt vor..

      ja ja, ich kenne jemanden der jemanden kennt der schon einen kennt welcher auch einen kennt und dieser kennt jemanden ..

    • @ Thurgauerin: Die Fischerin vom am 30.08.2019 21:03 Report Diesen Beitrag melden

      Bodensee, ist eine scharfe Maid, juchhee

      Und ich selber kenne schon auch die Launigkeiten der "Mademoiselle Constanze" zu Genau. Sie forderte mich persönlich auch schon ein paarmal auf das Äusserste heraus, aber Gewonnen habe ich allemal selber. Und seither gibt sie kir stets nur "Klar Schiff" mit auf den Seeweg, PS: Ich mag sie.

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  • Bernerfussballfan am 30.08.2019 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Wasser gibt es immer wieder tote

    Je länger einer unter Wasser ist desto mehr ist er wahrscheinlich Fischfutter geworden und dann findet man höchstens noch Knochen. Tragisch für die die betroffen sind. Doch sie haben im See ihr Grab gefunden. Man sollte sie ruhen lassen.

  • melocoton am 30.08.2019 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normaler Zyklus

    Rein pragmatisch betrachtet ist das nur Fleisch, wie jedes andere Tier das im See verendet. Die Fische und Mikroorganismen räumen auf und zurück bleiben die Knochen. Ein ganz normaler Zerfall von organischer Materie. Wer also Fisch aus dem See isst, konsumiert möglicherweise ein bisschen Schwan und Ente oder sogar etwas Mensch.

  • Tita-Nina am 30.08.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sind die Sagen vom See....

    Am Bodensee gibt es ein Sprichwort: "Ruhet in Frieden bis zum nächsten Sturm." Die meisten ungeübten Schwimmer die den Grund gesehen haben, kommen meistens nach einem Sturm an die Oberfläche, je grösser und länger der Sturm auf dem See je tiefer gelegene Leichen können Auftrieb bekommen. Jedenfalls ab einer gewissen Tiefen zersetzen sich die Körper nur noch laaangsam.