Schlechte Erträge

19. November 2013 19:05; Akt: 19.11.2013 19:05 Print

Fischer wollen mehr Phosphate im Bodensee

Nach einem schlechten Jahr kämpfen die Bodensee-Fischer um ihre Zukunft – und für mehr Phosphate im See. Diese würden oft als Gift verteufelt, sagen sie.

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Der Präsident der St. Galler Berufsfischer Gallus Baumgartner auf seinem Boot. (Bild: upz)

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Die Bodenseefischer haben das schlechteste Jahr seit 1950 hinter sich: «Der Fangertrag für 2013 fällt schätzungsweise 30 bis 40 Prozent kleiner als im Vorjahr aus», sagt Michael Kugler, Bereichsleiter beim St. Galler Amt für Jagd und Fischerei, das die Fangstatistiken erstellt. Schon 2012 war der Ertrag um 35 Prozent geschrumpft. Dieser anhaltende Abwärtstrend ist fatal: «Heute kann man nicht mehr von Fischerei leben», sagt Gallus Baumgartner, Präsident der St. Galler Berufsfischer. Dies sei besonders prekär für Fischer ohne zweites Standbein, die nun kein Einkommen mehr haben weil für die meisten Fischarten bis Ende Januar die Schonzeit gilt. Baumgartner: «Die Ertragsausfälle lassen sich somit nicht mehr wettmachen.»

Zu wenig Nährstoffe im See

Für Wolfgang Sigg, Vorsitzender des Internationalen Bodensee-Fischereiverbandes in Friedrichshafen, ist die Ursache klar: «Seit Phosphate in Kläranlagen chemisch ausgefällt werden, gehen die Fangerträge zurück», sagt Sigg. Phosphate sind wesentlich für die Entwicklung von Algen und Plankton, die Fischen als Nahrung dienen. «Damit sich die Fischbestände erholen, muss die Ausfällung von Phosphaten reduziert werden», so Sigg. Heute beträgt der Phosphatwert im Bodensee 5,6 Milligramm pro Kubikmeter, ideal wären laut Sigg 12. «Für Trinkwasser ist das unbedenklich.» Leider würden Phosphate oft als Gift verteufelt, oder man befürchte eine Überdüngung des Sees. Keinesfalls wolle man Extremwerte wie jene der 1970er-Jahre anstreben. «Diese waren mit 87 Milligramm pro Kubikmeter tatsächlich schlimm.»

Um die Angst vor Phosphaten abzubauen, planen die Bodenseefischer nun eine länderübergreifende Kampagne: In Deutschland werden bereits Informationsbroschüren verteilt, für die Schweiz sind solche in Arbeit.

(tso)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Georg am 19.11.2013 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser = zu sauber

    Das Wasser ist leider viel zu sauber in den Schweizer Flüssen und Seen. Früher wurden die ganzen Essensreste ins nächste Gewässer geleitet und die Fische haben sich wie blöde fortgepflanzt. Dank Kläranlagen, schon gut, dass es die gibt, hat es nun viel zu wenige Nährstoffe in den Gewässern.

  • Marcel Martin, Fischermeister, Ligerz am 20.11.2013 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    "klares Wasser - totes Wasser"

    Fischer waren die Ersten die für die Reinigung unserer überdüngten Gewässer gekämpft haben - mit Erfolg - Heute müssen die Fischer wieder kämpfen, weil die Fische verhungern! Die Kläranlagen entziehen alle "natürlichen Nährstoffe", aber eine Nahrungskette ohne Nährstoffe funktioniert nicht! Tote Fische liegen nicht auf den saftigen Wiesen, sie verhungern ungesehen auf dem Seegrund.

  • Martin am 20.11.2013 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verwechslung?

    Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Phosphate mit Phosphor verwechselt werden. So weit ich weiss, sind das aber zwei paar unterschiedliche Dinge. Phosphor ist tatsächlich sehr giftig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marcel Martin, Fischermeister, Ligerz am 20.11.2013 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    "klares Wasser - totes Wasser"

    Fischer waren die Ersten die für die Reinigung unserer überdüngten Gewässer gekämpft haben - mit Erfolg - Heute müssen die Fischer wieder kämpfen, weil die Fische verhungern! Die Kläranlagen entziehen alle "natürlichen Nährstoffe", aber eine Nahrungskette ohne Nährstoffe funktioniert nicht! Tote Fische liegen nicht auf den saftigen Wiesen, sie verhungern ungesehen auf dem Seegrund.

  • Martin am 20.11.2013 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verwechslung?

    Ich habe irgendwie das Gefühl, dass Phosphate mit Phosphor verwechselt werden. So weit ich weiss, sind das aber zwei paar unterschiedliche Dinge. Phosphor ist tatsächlich sehr giftig.

  • Georg am 19.11.2013 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Wasser = zu sauber

    Das Wasser ist leider viel zu sauber in den Schweizer Flüssen und Seen. Früher wurden die ganzen Essensreste ins nächste Gewässer geleitet und die Fische haben sich wie blöde fortgepflanzt. Dank Kläranlagen, schon gut, dass es die gibt, hat es nun viel zu wenige Nährstoffe in den Gewässern.