Toter am Bodensee

01. Juli 2019 17:58; Akt: 01.07.2019 17:58 Print

«Frau schleifte Kind hinter sich her, um zu gaffen»

Am Sonntagnachmittag wurde in Arbon TG ein Toter aus dem Bodensee geborgen. Gaffer regten sich darüber auf, dass sie nicht weiter baden konnten. Augenzeugen berichten.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Ich frage mich, ob den Leuten überhaupt klar ist, dass es in solchen Momenten um Leben und Tod geht», erzählt Michèle Roth aus Arbon TG. Sie gehörte zu den Ersthelfern, als am Sonntagnachmittag ein Toter aus dem Bodensee geborgen wurde. «Mir sind sofort die vielen Leute aufgefallen, die mit ihren Handys die Reanimation filmten und dabei teilweise wirklich im Weg standen und die Helfer behinderten.» Mit einem grossen Badetuch habe sie versucht, einen Sichtschutz herzustellen.

Die Reaktion einiger Gaffer konnte sie kaum glauben: «Tatsächlich motzten einige 'Hey, so seh ich gar nichts mehr.'» Als Roth diese Leute dann «deutlich zurechtwies», verschwanden einzelne Gaffer. Trotzdem seien weiterhin noch gut 30 Leute vor Ort gewesen. Weitere Kommentare der Herumstehenden wie «He, lueg! Do hets en Tote» oder «Super, wege dem chömer jetzt nüm wiiter bade», sorgen bei Roth noch jetzt für Kopfschütteln.

«Kinder waren in Schockstarre»

Besonders aufgefallen seien ihr auch die kleinen Kinder, die das Ereignis beobachteten. «Zwei Jungs waren regelrecht in einer Schockstarre.» Roth ist der Meinung, dass die Eltern, die teilweise als Begleitung dabei waren, die Kinder vor diesen schlimmen Bilder hätten schützen müssen. «Selbst Erwachsene haben Mühe solche Geschehnisse zu verarbeiten.»

Genau so chaotisch ging es auch nebenan im Schwimmbad zu und her: «Ich war einfach nur schockiert», erzählt Sama Mosca aus Arbon TG. Sie war am Sonntagnachmittag mit ihren beiden Kindern in der Badi, als die Rega neben dem Freibad landete. «Eltern haben ihre plantschenden Kinder gepackt und sind zum Zaun gerannt, um einen Blick erhaschen zu können», so Mosca. Ein Kind hätte wahnsinnig geweint und nichts mehr verstanden, «als die Mutter es am Arm hinter sich her schleifte». Auf einmal sei das Schwimmbecken fast leer gewesen. «Man hätte denken können, dass gerade eine Massenpanik ausgebrochen ist», erzählt Mosca.

«Jeder kann helfen»

Um mehr sehen zu können, seien einige aus der Badi rausgesprungen um zum Unfallort zu gehen. Andere hätten versucht, schwimmend zur Unfallstelle zu gelangen. Die Leute nähmen sogar in Kauf, dass Rettungskräfte bei der Arbeit behindert würden, so Mosca.

Wie die Kantonspolizei Thurgau auf Anfrage von 20 Minuten sagt, war dies beim Vorfall vom Sonntag nicht der Fall. Trotzdem sei wichtig: «Wer zu einem Unfallort kommt und nicht hilft, könnte später Probleme bekommen», sagt Matthias Graf, Sprecher der Kapo Thurgau. Unterlassene Hilfeleistung kann zu einer Anzeige führen. «Jeder kann helfen, auch wenn er nur die Rettungskräfte ruft.» Auch Gaffen kann gebüsst werden: «Durch Foto- oder Filmaufnahmen können die Persönlichkeitsrechte der Verunfallten auf der Strecke bleiben.»

(mwa)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pesche am 01.07.2019 18:21 Report Diesen Beitrag melden

    nächste Generation?

    Kein Anstand, keine Empathie, keine Rücksicht. Und das schlimmste: DIE "erziehen" die nächste Generation!

    einklappen einklappen
  • maja rhyn am 01.07.2019 18:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fr

    das Helfer von Gaffern blockiert werden. verstehe ich überhaupt nicht. Hoffentlich kriegen alle eine Busse.

    einklappen einklappen
  • Bob65 am 01.07.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Hirntod

    bleibt bei manchen Menschen jahrelang unbemerkt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Angina am 01.07.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gaffer

    Arbeite auf einer Notfallstation, wir hatten eine Wiederbelebung auf dem PP vor dem Notfall. Als sich eine Mutter mit ihrer ca. 8j. Tochter näherte, forderten wir sie auf sich mit dem Kind zu entfernen. Sie meinte nur, dies sei die Realität und gehöre zum Leben!!

  • Bob65 am 01.07.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Hirntod

    bleibt bei manchen Menschen jahrelang unbemerkt.

  • Autoexperte am 01.07.2019 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und Polizei

    wieso büßt diw Polizei das nicht

  • Harleyfritz am 01.07.2019 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respektlos

    alle Gaffer mit hohen Strafen büssen...!!!!

  • AnonymousSG am 01.07.2019 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja

    Warum wohl wurden Handys mit Kamera entwickelt..