Schwarze Gesichter

22. Januar 2020 17:34; Akt: 22.01.2020 18:45 Print

Übler Shitstorm, weil Frau Kostüme rassistisch findet

Eine Frauenfelderin stört sich an Kostümen in der Bechtelisnacht und macht ihrem Ärger auf Facebook Luft. Es folgen üble Anfeindungen.

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Die Bechtelisnacht (siehe Box) 2020 bleibt einer 26-jährigen Frau aus Frauenfeld wohl nicht in bester Erinnerung. Sie war am Montagabend mit Freunden unterwegs. Was sie an der Veranstaltung störte, waren die gewählten Kostüme gewisser Besucher. Diese waren ihrer Meinung nach rassistisch.

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Besonders schlimm fand sie, dass sich weisse Leute das Gesicht schwarz anmalten. Man spricht vom sogenannten Blackfacing. Stereotype von anderen Ethnien, die zur eigenen Belustigung genutzt werden. Besonders im historischen Kontext betrachtet, könne das für viele Menschen verletzt sein, so die Studentin. Sie findet: «Das geht gar nicht.» Diese Sache sei ihr ziemlich nahe gegangen, sie habe eine schlechte Nacht gehabt nach diesem Abend.

Shitstorm auf Facebook

Ihren Ärger teilte die 26-Jährige in einer lokalen Facebook-Gruppe. In einem Post schreibt sie, dass sie zutiefst schockiert von den vielen Menschen sei, die sich das Gesicht schwarz angemalt hatten. Dasselbe würde für die vielen verkleideten «Indianer», «Mexikaner» und andere Ethnien gelten. Für sie ist klar: «Eine ethnische Gruppe ist kein gutes Kostüm, es ist einfach nur respektlos.»

Der Post wurde innerhalb von 24 Stunden weit über 200 Mal kommentiert. Viele User schossen verbal gegen die 26-Jährige. Sie wurde auch persönlich angegriffen und es wurde ihr gar geraten, Suizid zu begehen. Dieser Post wurde inzwischen gelöscht. Ein User schrieb: «Bleib doch einfach zu Hause. Dann musst du so etwas nicht anschauen und dich nicht aufregen.» Weitere beklagen sich, dass in der heutigen Zeit überall Probleme gesucht würden und sich einige überall diskriminiert fühlten.

Die 26-Jährige bekam aber auch Unterstützung. Einzelne lobten ihren Mut, ihre Ansichten in einer öffentlichen Gruppe zu teilen. Eine Frau schrieb: «Man muss nicht gleicher Meinung sein. Fakt ist: Frauen wie sie verändern die Welt. Auch wenn es dem Pöbel wehtut.»

Nicht mit diesem Ausmass gerechnet

Trotz der teils heftigen Kommentare bereut die Frauenfelderin ihren Post nicht. «Ich war mir bewusst, dass sich viele Personen dadurch provoziert fühlen könnten.» Vielmehr habe sie sich aber gewünscht, eine Sensibilisierung des Themas zu erreichen. Doch die Reaktionen seien stärker ausgefallen, als sie angenommen habe. Sie habe nicht damit gerechnet, persönlich angegriffen zu werden. Es sei nun schon eine Unsicherheit da. Zur Polizei ging sie bisher nicht.

Der Fall erinnert an die Rassimus-Debatte rund um die Basler Fasnachts-Clique Negro-Rhygass und die Gugge Mohrekopf. Den beiden wurde vorgeworfen, ihre Namen würden nicht mehr der heutigen Zeit entsprechen. Das Emblem der Negro-Rhygass wurde zudem kritisiert. Es bediene sich eines rassistischen Stereotypes. Das Emblem zeigt eine schwarze Figur mit Knochen-Haarschmuck. Die Gugge Clique reagierte auf die Kritik und trennte sich vom Emblem.

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Salimi Okubar am 22.01.2020 18:36 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem für uns

    Ich als, ja wie muss ich mich jetzt benennen, dunkler. Habe damit keine Probleme, kenne auch keine dunklen die sich dran stören. Scheint eher ein Problem der weissen, einheimischen zu sein. In meinem Heimatland haben wir echte Probleme und nicht solche konstruierten.

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  • Yakari am 22.01.2020 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Wo ist das Problem wenns gut gemeint ist? Mein Sohn ist Yakari Fan und möchte an der Fasnacht unbedingt ein Indianer-Kostüm. Darf er doch wenn ers gut findet und mal einen Tag Indianer sein möchte! Er diskriminiert diese nicht, sondern zeigt wie toll er sie findet.

  • Nikl am 22.01.2020 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann

    Sind ja alle Kostüme rassistisch?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • fabirah am 22.01.2020 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ABER!

    Nur weil ein Gesicht schwarz angemalt oder ein Sombrero getragen wird heisst dies noch lange NICHTS negatives! Kann genau so eine postive Ferien Erinnerung sein oder sogar das man selbst gerne dort gross geworden ist.

  • Bölleli am 22.01.2020 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein, danke

    In einem Land, in welchem alles verboten wird, möchte ich nicht Leben. Erinnert mich nicht mehr an eine Demokratie sondern eher an eine Diktatur. Wir haben (noch) freie Meinungsäusserung. Da bin ich stolz drauf. Chinesische Verhältnisse mit gesperrtem Internet: nein, danke.

  • Vater am 22.01.2020 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was kommt als nächstes ?

    Was kommt als nächstes ? Will man auch den Kindern verbieten sich zu Fastnacht als Cowboy und Indianer zu verkleiden ? Da hat doch niemand rassistische Gedanken. Man kann überall etwas Schlechtes hineininterpretieren - auch wo es keine Hintergedanken gibt.

  • Simon Lehmann am 22.01.2020 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reicht

    Man merkt, die heutige Gesellschaft hat nichts anderes mehr, über die sie sich aufregen kann. Kühe mit dem Schlitten in den Stall treiben, wird bemotzt Traditionelle Fasnachtssujets und Verkleidungen werden kritisiert. Jegliche menschliche Verfehlung im CH- Militär wird bejammert. Mir reichts. Habe die Schnauze gestrichen voll Es können nicht alle als Baum oder als Stein verkleidet an die Fasnacht gehen. Die Schweiz ist in etlichen Sachen was Klima betrifft Vorreiter. Also hört auf hier etwas, vollkommen dümmlich durch "stieren" zu wollen. Geht nach China, Indien, Russland. Grüess

  • Ingrid B am 22.01.2020 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen

    Die Menschen hatten noch nie wirkliche Probleme, wenn man andauernd über so etwas diskutieren muss!!! Aber ganz klar gesagt, ich bin nicht dafür, dass Menschen geplagt werden, aber man kann es auch immer voll dramatisieren und überall irgend etwas Schlechtes sehen!