«Darfst nicht stürzen»

16. April 2014 09:37; Akt: 16.04.2014 11:55 Print

Freeskier fährt Säntis-Nordwand hinunter

Der Genfer Sébastien de Sainte Marie hat den Säntis bezwungen – auf Ski. Er fand den wilden Ritt sportlich, «aber nicht extrem».

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Sébastien de Sainte Marie war mit seinen Ski schon überall unterwegs: im Himalaja, in Neuseeland und im Mont-Blanc-Massiv. Nun hat er den Säntis bezwungen. Der gebürtige Genfer ist wohl als Erster auf direktem Wege den steilen Nordhang des Säntis hinuntergefahren. «Es war eine meiner schönsten Entdeckungen», so der 32-Jährige gegenüber dem «St. Galler Tagblatt».

Keine früheren Spuren

Um die Lage vor Ort auszukundschaften, reiste de Sainte Marie zum ersten Mal im Dezember auf den Säntis. In den Wochen vor der Erstbefahrung sprach er mit lokalen Alpinisten, die ihn mit Bildern und Wetterdaten versorgten. Normalerweise bevorzugt es der Westschweizer, seine Gipfel vorher zu besteigen, um sich mit dem Gelände vertraut zu machen. Doch an jenem Tag war die Zeit knapp und er entschied sich, die Luftseilbahn zu nehmen.

Am vergangenen 8. März ist es dann so weit: Es ist ein sonniger Samstagmorgen, als er auf dem Gipfel des Säntis steht, rund 1000 Höhenmeter vor sich. «Die Abfahrt ist zwar sportlich, aber nicht extrem», so de Sainte Marie. Im oberen Bereich gebe es zwei Sprünge von etwa drei Metern. Im unteren Teil war der Extremskifahrer allerdings gezwungen, sich zweimal über rund 40 Meter abzuseilen. Dass die Linie zuvor kaum befahren worden war, zeigte sich in der Tatsache, dass er keine Spuren anderer Bergsteiger fand.

Präzises Skifahren

Bis zu 55 Grad steile Berghänge fährt der Genfer, der sich selber als Freerider und klassischen Alpinisten bezeichnet. Seit 15 Jahren bereist de Sainte Marie Berge auf der ganzen Welt, immer auf der Suche nach neuen Hängen. Unbefahren und möglichst steil sollen sie sein. Auf die Frage nach dem Risiko sagt er gelassen: «Du darfst nicht stürzen.» Freerider seien vielleicht nicht die besten Skifahrer, aber die sichersten. Auch bei den Sprüngen verzichte man bewusst auf Kunststücke, denn es gehe um präzises Skifahren. Trotzdem müsse man immer gut vorbereitet und hellwach sein. «In den Bergen kannst du überall sterben», sagt de Sainte Marie.

(jeh)