Bluttat in Wil

30. März 2010 12:38; Akt: 01.04.2010 10:59 Print

Freier sticht im Blutrausch auf Prostituierte ein

von Annette Hirschberg, Wil - Ein Freier hat in Wil ein Blutbad angerichtet: Der Mann hat nach einem Streit mit einem Puff-Gast ihn und zwei Mädchen angegriffen. Für eine Prostituierte kam jede Hilfe zu spät.

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Das schmucklose Mehrfamilienhaus an der Säntisstrasse 15 in Wil hat ein heisses Innenleben. «Wiler-Girls», «Sexy Sandra» oder «Studio Bella Donna» steht da an den Türklingeln. Das Etablissement gehört zum diskreten Gewerbe: Die Besucher kommen im Dunkel der Nacht und verschwinden meist auch wieder unbemerkt. Doch die Szenen von Montagnacht haben das ganze Quartier aufgeschreckt: «Überall war Polizei und ich sah einen Schwerverletzten, mit einem grossen Verband am Bein», erinnert sich Pizzeria-Besitzer Mario Lungaretti an die Nacht. Der Mann ist auch einen Tag danach noch aufgewühlt über die Bluttat in der Liegenschaft gegenüber seiner Pizzeria.

Kurz nach 22 Uhr betritt ein jüngerer Mann das Mehrfamilienhaus: Es heisst, er wollte zu den «Wiler-Girls». Weil er betrunken war, will ihn niemand in die Wohnung lassen. Doch der junge Mann verschwindet nicht. Da geht Robert V., der Freund einer Prostituierten hinaus. Wie Zeugen berichten, diskutierten die beiden Männer lauthals. Jessica, eine der Prostituierten, kommt dazu – ein tödlicher Fehler: Mitten in der verbalen Auseinandersetzung zieht der bisher unbekannte Mann ein Messer. Er sticht nach ersten Erkenntnissen mehrmals auf die Beine von Robert V. ein, dann wendet er sich Jessica zu und «rammt ihr mehrmals das Messer in den Bauch», sagt Polizeisprecher Hanspeter Krüsi gegenüber 20 Minuten Online.

«Sexy Sandra» unter Schock

Aufgeschreckt vom Lärm betritt eine weitere Prostituierte das Treppenhaus. «Die beiden Opfer lagen dann bereits schwer verletzt da», sagt Krüsi. Wohl im Blutrausch sticht der Täter auch auf die zweite Dame ein und verletzt sie an der Schulter. Dann macht er sich aus dem Staub und verschwindet in der Wiler Nacht.

Polizei und Notärzte rücken zwar sofort aus, doch für Jessica kommt jede Hilfe zu spät: Die 24-jährige Deutsche erliegt ihren Verletzungen im Spital. Der Robert V. überlebt, muss aber notoperiert werden. Er konnte noch immer nicht von der Polizei einvernommen werden.

Die verletzte zweite Prostituierte hat den Täter zwar gesehen, steht aber immer noch unter Schock. «In einer ersten Aussage in der Nacht, gab sie an, den Mann nicht zu kennen», sagt Krüsi. Vom flüchtigen Täter fehlen deshalb bisher jegliche Anhaltspunkte. Die Polizei sucht Zeugen, die den «jungen Mann mit normaler Statur» gesehen haben. Noch sind aber auch die Ermittlungen vor Ort nicht abgeschlossen: Die Polizei durchkämmt zurzeit das Quartier nach der Tatwaffe.

Der Tatort: die Säntisstrasse in Wil


Interview/Video:Annette Hirschberg