Streitereien statt Familienidylle

15. Juli 2019 17:54; Akt: 15.07.2019 18:35 Print

Das macht selbst die Polizei fassungslos

Zwischen Freitag und Sonntag musste die Kantonspolizei St. Gallen achtmal wegen Streitereien im häuslichen Bereich ausrücken. Oft waren die Täter alkoholisiert.

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«Das ist verhältnismässig wenig. Die Wochenenden zuvor waren es 11, 15 und 16 Einsätze», sagt Hanspeter Krüsi, Sprecher der Kapo SG, gegenüber 20 Minuten. Insgesamt achtmal ist die Kantonspolizei St. Gallen zwischen Freitagnachmittag und Sonntagnacht aufgrund von Streitereien im häuslichen Bereich ausgerückt. Die Schwere der Fälle war besonders hoch.

«Oft ist es die gewaltbetroffene Person, manchmal aber auch die tätliche, die den Notruf wählt», so Krüsi. Auch von Nachbarn und Freunden gehen Meldungen ein. Besonders emotional sei es aber, wenn Kinder den Notruf wählten, um Streit der Eltern zu melden.

Freundin greift Partner mit Besenstiel an

Trauriger Spitzenreiter dieses Wochenendes war die Umgebung Bodensee-Rheintal mit drei Fällen. Von einem Mann ging ein Notruf ein, weil er von seiner Freundin mit einem Besenstiel attackiert wurde. Nach der Intervention der Polizisten kehrte Ruhe ein. An einem anderen Ost kam es zwischen einem Paar zu einer verbalen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Mann seine Freundin anspuckte und sie ihm dafür eine Ohrfeige gab. Vor Ort entdeckten die Polizisten Betäubungsmittel, woraufhin eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde.

Ebenfalls eskalierte es bei einer Frau und ihrem Freund in einem anderen Fall: Als das alkoholisierte Paar streitend vom Ausgang zurückkam, würgte der Mann die Frau, schubste sie zu Boden, schlug sie mehrfach und trat sie in den Bauch. Die Frau biss den Mann und flüchtete aus der Wohnung. Sie begaben sich später ins Spital. Dies war laut Kapo SG nicht der erste Streit des Paars; die Polizei musste bereits im Frühling ausrücken. Der Mann wurde der Wohnung verwiesen. Während des Vorfalls befand sich auch ein Kind in der Wohnung. «Es ist Aufgabe der Polizei sicherzustellen, dass das Kind in einem solchen Fall irgendwo unterkommt», so Krüsi.

Sohn drohte Gegenstände zu zerstören

Im Gebiet Fürstenland-Neckertal verbot ein Vater seinem Sohn, die Zimmertür abzuschliessen, woraufhin die Lage so eskalierte, dass der Sohn drohte, Gegenstände zu zerstören. Beim Eintreffen der Polizei hatte sich die Situation bereits wieder beruhigt. In einem anderen Fall stritt sich ein Paar erst verbal, bevor es zu Tätlichkeiten kam. Die Polizei konnte die Lage beruhigen, woraufhin das Paar die Nacht getrennt verbrachte.

Auch im Linthgebiet-Toggenburg wurde gestritten: Nebst einem verbalen Disput unter Geschwistern, bei dem eine Tür beschädigt wurde, stritt sich ein alkoholisiertes Paar lautstark. Die beiden gaben an, dass dies öfters der Fall sei und gingen sich anschliessend für diese Nacht aus dem Weg.

Polizisten sind fassungslos

Ein weiterer brutaler Übergriff fand in Werdenberg-Sarganserland statt: Dort stritt sich ein Ehepaar, wobei der alkoholisierte Mann das Handy der Frau zerstörte und danach auf sie losging. Nebst Prellungen und Rötungen im Gesicht trug die Frau eine gebrochene Nase davon. Sie wurde vom Rettungsdienst ins Spital gebracht, der Mann zur Befragung auf den Polizeiposten. Er wurde für mehrere Tage der Wohnung verwiesen.

«Unsere Mitarbeitenden sind immer wieder fassungslos, wie brutal einzelne Menschen miteinander umgehen», schreibt Krüsi in einer Mitteilung. Die Kantonspolizei St. Gallen erinnert daran, dass sie über die Notrufnummer 117 jederzeit für Notfälle erreichbar ist.

(mwa)