Mosnang SG

23. Juni 2019 18:33; Akt: 02.07.2019 12:01 Print

Gefängnis-Insassen müssen auf Sex warten

Seit Jahren warten Insassen in Bitzi auf das versprochene Zimmer, in dem sie Sex haben könnten. Die Bauarbeiten verzögern sich. Human Rights Watch kritisiert das Vorgehen der Anstalten.

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16 Personen, darunter Mörder, Vergewaltiger, Betrüger und anderer Kriminelle, sitzen im Massnahmenzentrum Bitzi bei Mosnang SG in der geschlossenen Abteilung. Dort haben sie verschiedene Einschränkungen, dürfen nicht raus und auch keinen Sex haben. Seit längerer Zeit fordern Insassen nun schon ein Zimmer für intime Zweisamkeit. Die Anstalt hat dies zwar schon vor zwei Jahren bewilligt, getan hat sich bis jetzt aber nicht viel.

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Zentrumsdirektor Claudio Vannini klärt gegenüber dem «SRF Regionaljournal» auf: «Es gab Verzögerungen bautechnischer und finanzieller Art.» Darum habe man mit dem Bau erst im vergangen Herbst beginnen können. Bis das sogenannte Beziehungszimmer fertig ist, wird es wohl noch mehr als ein Jahr dauern.

Intimität nur mit festen Partnern

Laut dem Direktor soll das Zimmer für die Insassen aber spätestens 2021 stehen. Schon jetzt hat er eine klare Vorstellungen, wie das intime Örtchen aussehen soll: «Es wird ein ungefähr 22 Quadratmeter grosser Raum sein, in dem ein Bett, eventuell ein Ausziehsofa und sanitäre Anlagen stehen werden.» Man könne sich auch vorstellen, einen wohnlichen Bereich zu gestalten.

Sex gebe es in dem Raum ausschliesslich zwischen den Insassen und ihren festen Partnern, erklärt Vannini. Intime Zweisamkeit unter den Insassen oder mit einer Prostituierten ist verboten. Das Zimmer ist jedoch nicht nur für sexuellen Kontakt gedacht: Insassen sollen dort die Möglichkeit haben, ihre Familie und ihre Kinder zu treffen.

«Sexualität ist ein Grundbedürfnis»

Die sexuelle Einschränkung in solchen Anstalten wird von Menschenrechtsorganisationen kritisiert. David Mühlemann von Human Rights Watch sagt gegenüber dem «SRF Regionaljournal»: «Die Sexualität ist ein zentrales menschliches Grundbedürfnis und darf nicht unterdrückt werden.» So stehe es auch in der Europäischen Menschenrechtskonvention und in unserer Bundesverfassung.

«Man muss sich immer bewusst sein, dass dies ein Massnahmenzentrum ist: Da geht es nicht um eine Strafe, sondern darum, jemanden zu heilen, der psychisch krank ist», so Mühlemann. Es gelte alles zu unternehmen, dass der Freiheitsentzug eben nicht so erlebt werde.


(viv)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich glaub ich Spinn.Unsere Kuscheljustiz verwöhnt die Insassen.Diese sollten für ihre Strafen 16 Stunden pro Tag Steine Klopfen im Steinbruch.Dann haben sie kein Sexbedürfnis mehr und überlegen sich nochmals Kriminell zu werden! – Ronny L.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • E Frau am 23.06.2019 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ähmm

    "Die Sexualität ist ein zentrales menschliches Grundbedürfnis und darf nicht unterdrückt werden.".... aha... Und dass diese Menschen vieleicht jemandem das menschliche Grundbedürfnis zu LEBEN genommen haben ist ja kein Problem! Finde so ein Zimmer braucht es nicht!

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  • Marianne am 23.06.2019 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn!

    Was kommt als nächstes? Sauna? Massage-Praxis? Kino? 5-Sterne-5-gang-Menu vom Spitzenkoch? Meine Güte! Wo führt das alles noch hin?

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  • Martin Brändle am 23.06.2019 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    Klar! Man macht mal wieder alles für die Täter - aber nix für die Opfer!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Acktheripper am 20.07.2019 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Längerer Ferienaufenthalt

    Am Schluss sind die Haftanstalten so attraktiv, dass gewisse Menschen absichtlich eine Straftat begehen werden, um reinzukommen. Gefängnisse in der Schweiz verglichen mit solchen in Russland, Irak, Cuba, Algerien etc., sind ein Ferienlager.

  • Andy am 24.06.2019 20:15 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Einsicht

    Wer glaubt dass sich durch jegliche Unterdrückung der Sexualität etwas besser, scheint sich nicht bewusst zu sein, dass diese Menschen irgendeann entlasden werden. Gerade Pädophile welche den Umgang mit erwachsenen Menschen üben könnten, wird diese Möglichkeit genommen. Aus Erfahrung mit dieser Instution, kann ich nur sagen, dass es wünschenswert wäre, dass auch Insassen untereinander Sex haben könnten.

  • sandylein1983 am 24.06.2019 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krimineller sind ja nicht umsonst da!

    Hmm, wenn es ein Grundbedürfniss ist der Sex, dann ist es aber auch keine Strafe mehr oder? Weil Mörder, Krimineller sind ja nicht umsonst dort....

  • Tommy am 24.06.2019 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Sicherheit oder Mittelalter-Sühne?

    Na die Frage ist einfach ob man ein Gefängnissystem à la USA oder Iran will: drakonische Strafen, die nicht funktionieren. Aber immerhin das mittelalterliche Rachebedürfnis der Öffentlichkeit befriedigen. Das macht aber uns zwar alle unsicherer, weil die Leute die nach Jahren oder Jahrzehnten aus solchen Gefängnissen kommen, garantiert wieder auf die schiefe Bahn geraten. Oder man kann ein System haben, das darauf ausgelegt ist, Verbrechen zu bekämpfen. Und wenn man Rückfallquoten und Kriminalitätsraten vergleicht, dann ist der norwegische Kuschelansatz ganz klar effektiver.

  • Gruusig am 24.06.2019 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Ekelt das gerade nur mich?

    Ekelt das jetzt gerade nur mich, oder stören sich noch andere daran, dass in ein und dem selben Raum die einen Sex haben und die anderen nachher ihre Familie mit Kindern treffen? Wenn man schon so etwas einrichtet, dann soll dieser Raum nur für den Sex da sein. Den Raum noch als Familienzimmer mitnutzen ist gruusig. Ihr könnt mich gerne prüde nennen.

    • Tommy am 24.06.2019 14:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Gruusig

      1) Gibt ja schon genug Skandal wegen einem einzelnen Zimmer. Doppelt so viel Baubudget veranschlagen zu müssen wird das Vorhaben nicht beliebter machen. Die Leute hier würden nur schreien, dass man das selbe Geld in Elektroschocks und Daumenschrauben hätte investieren können. 2) Hatten Sie noch nie ausserhalb Ihres Bettes Sex? Jeder der schon mal Sex in seinem eigenen Wohnzimmer hatte, bewirtet irgendwann mal Leute (evtl sogar Kinder) in einem Raum, in dem schon mal jemand Sex hatte.

    • Betroffen am 24.06.2019 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gruusig

      Noch ekliger ist der Gedanke dass Kinder überhaupt in ein Gefängnis geschleppt werden, wohl kaum freiwillig, sondern vom Staat diktiert. Der Täter hat halt seine Rechte, auf die kann er bestehen, viele Kinder nicht. Trotzdem weigere ich mich als betroffene Mutter dies zu tun.

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