77 Schäden

24. Juli 2013 17:39; Akt: 24.07.2013 19:05 Print

Geothermie-Bohrloch in St. Gallen abgedichtet

Was ein Erdbeben alles anrichten kann: Risse in Fassaden, kaputte Vasen oder klemmende Tumbler-Türen. In St. Gallen sammelt man Schadensmeldungen nach den Geothermie-Bohrungen.

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Das Bohrloch in St. Gallen ist abgedichtet. Nun beginnt die Suche nach den Ursachen des Erdbebens, das am Samstag durch Bohrungen in über 4000 Metern Tiefe ausgelöst wurde und zum vorläufigen Stopp des Geothermie-Projekts geführt hat. Bisher wurden 77 Schäden gemeldet.

Die Schadenmeldungen reichten von heruntergefallenen und zerbrochenen Vasen über kaputte Autoscheiben, klemmende Tumbler-Türen, gerissenem Lättlirost, Rissen in Fassaden bis zu einer kaputten Skulptur, wie Roman Kohler, Mediensprecher der Stadt St. Gallen, zu einer Mitteilung vom Mittwoch sagte.

Stadt sammelt Meldungen

Die Stadt sammle die Meldungen, sagte Kohler. Versicherungsexperten klären dann vor Ort ab, ob die Beschädigungen einen Zusammenhang haben mit dem Erdbeben. Die Hotline für Schadenmeldungen ist nach wie vor in Betrieb.

Die Stadt ist «der Bevölkerung dankbar, wenn nur Schäden gemeldet werden, die effektiv durch das Erdbeben verursacht wurden», wie sie in ihrer Mitteilung schrieb. Bisher habe man den Eindruck, dass kein Missbrauch betrieben werde, sagte Kohler dazu. «Wir hoffen, dass das so bleibt.»

Für Folgen des «durch Menschenhand» verursachten Erdbebens muss laut dem Sprecher die Stadt St. Gallen respektive die im Rahmen des Projekts abgeschlossene Versicherung aufkommen, abhängig von der Höhe der Schadensumme. Die Stadt rechne damit, bis rund in einem Monat eine Vorstellung der Schadenhöhe zu haben.

Wie die Stadt in ihrem am Mittwoch veröffentlichten «Statusbericht Geothermieprojekt» meldete, sind die Dichtungsmassnahmen am Fuss des Bohrloches abgeschlossen. Die Untersuchungen, welche als wichtige Grundlage für weitere Entscheide dienten, könnten nun beginnen.

Sonde ins Bohrloch

Dies könne man sich so vorstellen, dass eine Sonde ins Bohrloch hinuntergelassen wird, führte Kohler aus. «Damit lässt sich mehr über die Temperatur und den Druck erfahren.» Frühestens nächste Woche soll entschieden werden, ob und wie es mit dem Projekt weitergeht.

Im Bohrloch selbst befindet sich kein Gas mehr. Weil aber nicht klar ist, ob im Untergrund Gas vorhanden ist, ist es nicht möglich, die anfänglich vorgesehenen Produktionstests mit dem Airlift-Verfahren durchzuführen. Mit diesem Verfahren hätte das Vorhandensein von Wasser nachgewiesen werden sollen.

In den nächsten Tagen wird das Testequipment abgebaut. «Ein Präjudiz für die Einstellung des Projekts bedeutet das nicht», betonte Kohler.

Stimmung gespalten

Die Stimmung in der Bevölkerung ist derweil gespalten: Verärgerte Anrufer, die einen Stopp fordern und die Bohrungen für unverantwortlich halten, finden sich ebenso wie solche, die den Verantwortlichen Zuspruch geben und zum Weitermachen auffordern. Um die 120 Anrufe sind bei der Hotline bis heute früh eingegangen.

Auch eine nicht repräsentative Umfrage von 20 Minuten zeigt, dass die Meinungen geteilt sind: Von 1524 Lesern vertrauen rund 43 Prozent der Geothermie weiterhin. 26 Prozent finden, dass die Technologie zuerst verbessert werden sollte und 31 Prozent finden die Bohrungen zu gefährlich.

(pwe/sda)