Egnach TG

20. März 2018 05:55; Akt: 20.03.2018 05:55 Print

Legten Jugendliche aus Versehen Grossbrand?

In Egnach stand am Freitag ein Kühlhaus in Flammen, kurz zuvor brannte in der Nähe eine Schubkarre. Haben Jugendliche etwas mit dem Brand zu tun, der stark an den in Züberwangen erinnert?

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Am späten Freitagabend, rund eine halbe Stunde vor Mitternacht, brach beim Früchtehändler Tobi Seeobst in Egnach TG ein Feuer aus. Ein Aussenlager stand bereits in Flammen, als Blaulichtorganisationen beim Obsthändler eintrafen. Später griff das Feuer auf das Kühlhaus über.

Bereits zwei Stunden vor dem Grossbrand hatte eine Schubkarre gebrannt. «Diese stand hundert Meter neben dem späteren Grossbrand», sagt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. Das Feuer in der Schubkarre konnte von Polizisten gelöscht werden. Noch sei nicht endgültig nachgewiesen, dass der Brand der Garette mit dem Brand des Aussenlagers der Tobi Seeobst zusammenhängt. Die Polizei geht in beiden Fällen von Brandstiftung aus.

Technische Ursache ausgeschlossen

«Eine technische oder natürliche Brandursache schliessen wir aus», sagt Graf. Nun werde abgeklärt, ob der Brand fahrlässig oder absichtlich ausgelöst wurde. Weshalb die Polizei von Brandstiftung ausgeht, gibt sie nicht bekannt. «Da es sich möglicherweise um Täterwissen handelt, können wir aus ermittlungstechnischen Gründen keine näheren Angaben machen», so Graf.

Es seien bereits zahlreiche Hinweise bei der Polizei eingegangen. Diese würden nun ausgewertet. Auch Befragungen haben schon stattgefunden, etwa von Jugendlichen, die sich vermutlich zum Tatzeitpunkt in der Nähe aufhielten.


Der Schaden dürfte in die Millionen gehen. Video: SDA

Erinnerungen an Züberwangen

Der Grossbrand in Egnach mit vorgelagertem Kleinbrand erinnert an den Brand einer Grossgärtnerei in Züberwangen SG. Dort hatten im Herbst 2013 zwei Jugendliche in einer selbstgebauten Hütte aus Kunststoff-Kisten mit Feuer gespielt.

Darauf brach das Feuer auf die Gärtnerei über. Mit schwerwiegenden Folgen: Das Feuer frass sich in Windeseile durch die Treibhausreihen auf einer Fläche von rund 20 Fussballfeldern und zerstörte eine Million Topfpflanzen. Der Sachschaden lag bei rund 30 Millionen Franken.

Weniger Schweizer Äpfel auf Markt

Der Schaden bei der Tobi Seeobst AG kann noch nicht beziffert werden, dürfte laut Polizei aber mehrere Millionen betragen. Rund 1000 Tonnen Äpfel und Gemüse wurden ein Raub der Flammen. «Die Äpfel waren für den Frischkonsum bestimmt», sagt Geschäftsführer Benno Neff am Montag zu 20 Minuten. Am Wochenende seien damit rund fünf Prozent der einheimischen Äpfel, die noch an Lager waren, vernichtet worden.

Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den führenden Betrieben im Handel mit Schweizer Früchten. Es lagert, sortiert, verpackt und verkauft pro Jahr rund 35'000 Tonnen Äpfel, Birnen, Steinobst, Beeren und Bio-Früchte. In Egnach, Bischofszell und Güttingen beschäftigt Tobi 135 Vollzeit-Mitarbeiter und erzielt einen Umsatz von 90 Millionen Franken.

Arbeit geht nicht aus

Kurzarbeit gebe es nach dem Brand nicht. «Die Verpackungsanlagen wurden glücklicherweise nicht beschädigt.» Somit könnten nach wie vor Verpackungsarbeiten durchgeführt werden. Ausserdem gäben die Aufräumarbeiten viel zu tun, so dass die Arbeit sicher nicht ausgehe.

Wer für die Brandstiftung des Kühlhauses in Frage kommt, ist für Neff unklar. Es habe im Vorfeld keine Drohungen oder dergleichen gegeben. Man verlasse sich nun auf die Ermittlungsarbeiten der Polizei. Auf Spekulationen wolle man sich nicht einlassen.

(jeb/sda)