Holzmarkt

27. Juni 2011 16:31; Akt: 27.06.2011 18:32 Print

Grosssägerei geht nach Deutschland

Die Versteigerung der bankrotten Grosssägerei im bündnerischen Domat-Ems hat mit einer saftigen Überraschung geendet.

storybild

Die konkursite Grosssägerei in Domat-Ems: Die bisherigen österreichischen Besitzer Mayr-Melnhof liessen die Grosssägerei Mitte Dezember 2010 in den Konkurs gehen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die interne Versteigerung der bankrotten Grosssägerei in Graubünden hat am Montag mit einer saftigen Überraschung geendet: Die deutsche Klausner Holz Thüringen holte sich die Anlagen für 20,05 Mio. Fr. und bremste zwei österreichische Unternehmen aus.

Die Klausner Holz Thüringen GmbH war vor der Versteigerung nie als mögliche Käuferin aufgetreten und auch nie als Interessentin der schweizweit grössten Sägerei genannt worden. Das Unternehmen will die Anlagen innerhalb von sechs Monaten in Domat/Ems im Bündner Rheintal demontieren und andernorts wieder aufbauen.

Die beiden Bewerber aus Österreich, die Tiroler Egger-Gruppe sowie der Wiener Holzindustrielle Gerald Schweighofer, sagten ihre Teilnahme an der Auktion kurz vor der Versteigerung ab. Schweighofer offerierte 17,13 Mio. Fr., die Egger-Gruppe 17,18 Mio. Franken. Egger wollte den Sägereibetrieb in Domat/Ems fortführen.

Zu wenig Holz

Trotz intensiver Bemühungen sei es nicht möglich gewesen, ausreichende Zusicherungen für Rundholzlieferungen von ausserhalb Graubündens zu erhalten, teilte die Egger-Gruppe mit. Zusicherungen über 150'000 Kubikmeter Rundholz aus deutschschweizer Kantonen neben der gleichen Menge aus Graubünden wären die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Betrieb des Sägewerks gewesen.

Die zwei Baurechtsgrundstücke, das Areal der Grosssägerei, sollen laut Angaben der Konkursverwaltung an den Meistbietenden veräussert werden. Der Gläubigerausschuss und die Konkursverwaltung setzten den Steigerungstermin auf den 22. September fest.

Ein Grosser

Die neue Besitzerin der Sägerei-Anlagen, die Klausner-Gruppe, ist eigenen Angaben zufolge eines der grössten Holzunternehmen Europas. Die Firma produziert hauptsächlich Schnittholzprodukte, die in der Bau- und Verpackungsindustrie verwenden werden.

Insgesamt gehören zwei Sägewerke sowie mehrere Vertriebsgesellschaften zur Klausner-Gruppe. Das Unternehmen, das den europäischen Markt wie auch die Märkte in Nordamerika und Asien beliefert, beschäftigt rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das endgültige Aus nach vier Jahren

Mit der neuen Besitzerin enden die Bündner Träume von einer Grosssägerei nach rund vier Jahren. Die bisherigen österreichischen Besitzer Mayr-Melnhof liessen das mit Unterstützung des Kantons angesiedelte Unternehmen Mitte Dezember letzten Jahres in den Konkurs gehen. Rund 130 Angestellte verloren die Arbeit.

Der Grund für die Pleite war, dass das Bündner Parlament zuvor einen Kantonsbeitrag von 6,75 Mio. Fr. an den Bau eines Pelletwerks für die teilweise Neuausrichtung des Betriebs verworfen hatte. Der Beitrag war Teil eines Rettungspakets, mit dem das Sägewerk wieder auf Kurs hätte gebracht werden sollen.

Millionen verloren: Regierungsrat schweigt

Der Bündner Baudirektor Mario Cavigelli wollte vor den Medien nicht sagen, wie viele Millionen Franken der Kanton bei der Ansiedlung der Grosssägerei in den Sand gesetzt hat. Er habe das Dossier als Regierungsrat erst in der bisher letzten Phase übernommen, sagte Cavigelli. Vorher sei das Geschäft beim Volkswirtschaftsdepartement gewesen.

Gemäss den bekannten Zahlen dürfte der Kanton gegen 20 Millionen Franken verloren haben. Die Sägerei der ehemaligen österreichischen Firma Stallinger erhielt einen Investitionsbeitrag von 7,5 Millionen Franken, weiter gewährte der Kanton ein Darlehen von 10 Mio. Fr. sowie Steuererleichterungen während zehn Jahren.

Der Montag, an dem die Grosssägerei nach Deutschland verkauft wurde, sei «kein schlechter Tag gewesen», betonte Regierungsrat Cavigelli und fügte an: «Wir gehen aufgrund der gemachten Erfahrungen gestärkt in die Zukunft.»

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Kohler am 27.06.2011 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Regierung in der Klemme!

    Was die bündner Regierung dort mit Kantonsgeldern gemacht hat ist schlichtweg inakzeptabel. Da mischt sich der Kanton gegen private Unternehmen ein. Der kleine bekommt keine Hilfe und die grossen bekommen soviel das sie nachher noch Konkurs gehen können. Anscheinend geht es dem Kanton Graubünden finanziell gut.....

  • Peter Kälin am 27.06.2011 20:07 Report Diesen Beitrag melden

    UNGEPFLEGTE EWS

    Es ist eine Absolute frechheit dass diese Holzfabrik nicht durch den Bund, ich meine direkt durch Eveline Widmer Schlumpf gerettet wurde! Sie hat dem Bau dieser Sägerei im Jahr 2000 zugestimmt und eigenes Kapital eingeschossen dies kann nachwievor im NZZ Archiv nachgelesen werden!!! Und jetzt? Was passiert mit den Armen Familienvätern welche Ihre Kinder nicht mehr ernähren können? Ich trauere mit den Famililen.

    einklappen einklappen
  • De Steibogg am 27.06.2011 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schuld ist nicht das Bündner Parlament..

    Der Grund für die Pleite ist nicht wie im Text angegeben, die fehlende Unterstützung durch das Parlament, sondern die Tatsache, dass die Sägerei von Beginn an zu gross geplant wurde und man viel zu optimistisch war!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Arbeiter am 28.06.2011 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder Arbeitsplätze vernichtet. Ade CH

    Mal schauen, wer diese ganzen Anlagen abbaut. Vermutlich billige Arbeitskräfte aus dem Ausland ;-)

  • Jachen Curdin am 28.06.2011 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Cavigelli's Superspruch

    130 Menschen verlieren die Arbeit und der Steuerzahler hat 20 Mio. ins Sägemehl gesetzt! Toller Preis für eine Erfahrung, mit welcher man gestärkt in die Zukunft geht.... An Dr. Cavigelli: Erst überlegen und dann reden oder am besten einfach schweigen!

  • Lilly Chur am 27.06.2011 22:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wer bezahlt

    Schön wie wir uns wieder mal zum Deppen machen. Zuerst von den Österreichern und jetzt von den Deutschen. Am Schluss bezahlen wir! Schade, und unser Holz wird auch noch mitverkauft! Super! Gut gemacht. Und 130 Personen sind nun arbeitslos! Aber schön dass wir aufgrund der gemachten Erfahrungen gestärkt in die Zukunft gehen!

  • her chawie am 27.06.2011 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich sieht man klar

    Nun hat es sich definitiv gezeigt und es ist erwiesen, dass das Sägewerk trotzt vieler Gegenstimmen zu gross gebaut wurde. Es wäre nun aber an der Zeit, dass gewisse Politiker zurücktreten und nicht schon wieder neue Projekte planen die auch in die Hosen gehen. Das Vertrauen ist definitiv gestorben. Nur schade kann man die verantwortlichen Personen nicht mit ihrem Privatvermögen haftbar machen.

  • Bergli am 27.06.2011 22:25 Report Diesen Beitrag melden

    Daneben!

    Und wer trägt die Verantwortung? Solange die Regierungen mit fremdem Geld spielen sollten sie keinen Lohn, pardon Entschädigung, erhalten. Schönrederei sollte strafbar sein. Das verschleudern von Stuergeldern mit Strafe belegt werden. Oh, vergessen, es wäre ja die Türe nebenan die die Strafe erlassen müsste. UNd gegenseitig tut man sich ja nicht weh. Dafür hat man ja den Steuerzahler. Un die nächsten Wahlen? die Gleich wieder am Ruder-ander haben keine Chance.