Hefenhofen TG

09. August 2017 05:50; Akt: 09.08.2017 10:33 Print

Hat Ulrich K. Tiere auf andere Höfe verschoben?

von A. Rutishauser/J.Furer - Tierschützer vermuten, dass Ulrich K. Tiere kurz vor der Räumung seines Hofs wegtransportiert hat. In St. Gallen und Graubünden ist man alarmiert.

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Der Hof von Ulrich K. wurde am Dienstag geräumt, die Tiere wurden evakuiert. Für die Tierschützer ist das aber kein Grund zum Jubeln, denn sie vermuten, dass K. kurz vor der Räumung Tiere verschoben hat. «Wir haben gesehen, wie er über eine Wiese Tiere zum Nachbarshof gebracht, sie auf einen Anhänger geladen und wegtransportiert hat», sagt ein Aktivist zu 20 Minuten.

Es sei nicht bekannt, wo die Tiere hingebracht worden sind. Tierschützerin Edith Zellweger vermutet, dass sie sich auf Höfen in Graubünden befinden könnten. Giothen Bearth, stellvertretender Kantonstierarzt von Graubünden und Glarus, sagt dazu: «Wir haben Hinweise erhalten, dass Tiere von Herrn K. im Kanton Graubünden sind.»


Die Pferde werden von Hof evakuiert.

«Der Zeitpunkt der Verschiebung ist entscheidend»

Das Veterinäramt habe bereits an einigen Standorten unangekündigte Kontrollen durchgeführt. Bearth: «Zu den Ergebnissen kann ich keine Auskunft geben, weil es sich um ein hängiges Verfahren handelt.» Einige Abklärungen würden noch dauern. Teil davon werde auch die Frage sein, ob K. Tiere wegen der angedrohten Beschlagnahmung verschoben oder ob er es schon früher getan hat. «Diese Frage ist entscheidend», betont Bearth.

Tierschützerin Zellweger nimmt an, dass die Tiere nicht nur in Graubünden, sondern auch nach St. Gallen transportiert wurden. Dort betreibt offenbar eine Bekannte von K. eine Ranch. Der Kantonstierarzt Albert Fritsche sagt: «Auch bei uns sind Hinweise eingegangen, dass Tiere von K. in unseren Kanton verschoben wurden.» Man habe eine unangekündigte Kontrolle auf der Ranch durchgeführt. Fritsche: «Es gab keinen Hinweis darauf, dass der Tierschutz dort nicht eingehalten wird.»

«Ich schlage dich tot»

Das Veterinäramt St. Gallen hofft, dass die Kantone vom Thurgau informiert werden, wohin K. möglicherweise Tiere abgeschoben haben könnte. «Wenn nötig, werden wir Kontrollen durchführen», so Fritsche.

Tierschützer vermuteten zudem, dass K. Tiere zu einer weiteren Bekannten auf einen Hof in Braunau verschoben hat. Das Veterinäramt sei informiert worden. Die Frau ist kein unbeschriebenes Blatt. Im Jahr 2009 hat sie den Tierschützer Erwin Kessler, offenbar im Hinblick auf die damals bevorstehende Gerichtsverhandlung gegen K. wegen Tierquälerei, bedroht und beschimpft: «Ich schlage dich tot, wenn du uns nicht in Ruhe lässt, ich sage dir, ich komme bei dir vorbei.» Dafür wurde sie 2011 per Strafbefehl zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je 30 Franken bedingt verurteilt.

Tierquäler lässt Pferde verhungern und tot liegen

«Aus Mitleid habe ich vier Hunde mitgenommen»

Da das Veterinäramt Thurgau am Dienstag mit der Räumung des Hofes von K. beschäftigt war, konnte es keine Stellung dazu nehmen, ob Tiere auf die Ranch in Braunau transportiert wurden. 20 Minuten hat deshalb die Ranch selber besucht. Die Bekannte nahm den Reporter in Empfang und führte ihn durch den Hof. Der Augenschein zeigt: Die Tiere auf dem Hof sind wohlauf und gut genährt. Auch beteuert die Frau, keine Tiere von K. aufgenommen zu haben. «Ich habe seit längerem keinen Kontakt mehr zu ihm», sagt sie.

Erst als die Presse über K. schrieb, habe sie sich entschlossen, den Hof von K. zu besuchen. «Aus Mitleid habe ich vier Hunde, die sich auf dem Hof befanden, mitgenommen.»