Erlen TG

15. Mai 2018 17:54; Akt: 15.05.2018 18:36 Print

Haus ist Strasse im Weg – Familie muss umziehen

Bei Erlen TG führt die geplante Oberlandstrasse OLS mitten durch ein Haus. Durch das Buschtelefon gelangte die Information an die betroffene Familie. Nun braucht diese ein neues Zuhause.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Schrecken für eine Familie in Pulvershaus bei Erlen TG: Ihr Haus steht den kantonalen Strassenplanern im Weg. Wie die «Thurgauer Zeitung» schreibt, soll die Liegenschaft der Familie abgerissen werden, damit dort die Oberlandstrasse OLS gebaut werden kann. Diese führt auf den Plänen des Kantons nämlich mitten durch das Einfamilienhaus.

Kanton entschuldigt sich

«Das ist schon schlimm, aber es bleibt uns nichts anderes übrig, als es zu akzeptieren», sagt die Hausbesitzerin am Dienstag gegenüber 20 Minuten. Davon erfahren habe die Familie, weil die Information von lokalen Behördenmitglieder durchsickerte, die über die genaue OLS-Linienführung vorab informiert waren: «Wir hörten es durch das Buschtelefon», sagt die Frau trocken. Der Kanton habe sich dafür entschuldigt.

Für Peter Imbach, OLS-Projektleiter beim Kanton Thurgau, ist es enttäuschend, dass diese vertrauliche Info an Involvierte bereits die Runde gemacht habe, bevor der Kanton die betroffenen Liegenschaftsbesitzer in Kenntnis setzen konnte.

Geld oder anderes Haus

Grund für den Abriss sind die zu engen Platzverhältnisse: Das Haus steht zu nahe an der Strasse. Wo das Haus steht, wird die OLS deutlich breiter, weil parallel zu ihr eine separate Erschliessungsstrasse für den Langsamverkehr verlaufen wird. Diese Strasse, die für Traktoren, Mopeds und Velos gedacht ist, würde der Kanton rund um die Liegenschaft herumbauen. Doch dann wäre das betroffene Haus von zwei Strassen umgeben: Es würden dann Lastwagen und Autos auf der einen und Traktoren und Töfflis auf der anderen Seite vorbeirauschen. Das sind keine schönen Aussichten für die Familie, die seit mehr als 20 Jahren im Haus wohnt.

Für die Familie gebe es nun zwei Möglichkeiten: «Entweder kauft der Kanton das Haus, entschädigt die Familie also für den effektiven Wert der Liegenschaft und das dazugehörige Land, oder er bietet ihr ein anderes Haus an einem anderen Standort als Tauschgeschäft an», so Imbach weiter. Die Summe werde jeweils von je einem Vertreter beider Seiten vorgeschlagen, danach werde gemeinsam ein Preis festgelegt. Wie die Hausbesitzerin gegenüber 20 Minuten sagt, bevorzuge die Familie den Real-Ersatz: «Vorausgesetzt, wir finden etwas, das uns passt», sagt sie. Die nächsten fünf Jahre wird die Familie noch aber in der Liegenschaft wohnen bleiben.

Wäre die Familie nicht so kooperativ, wäre es dem Kanton auch möglich, die Familie zu enteignen: «Eine Enteignung ist aber wirklich immer erst der allerletzte Schritt», so Imbach. Glücklicherweise sei dies zudem ein Härtefall, der so im Kanton noch nie so vorgekommen sei: «So etwas versuchen wir immer zu vermeiden.»

(lad)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • avalon08 am 15.05.2018 18:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    halbsoschlimm

    Bei diesem Angebot würde ich mich als Besitzer ja sogar freuen. Und 5 Jahre können sie noch drin bleiben. Also genug Zeit was schönes zu finden.

  • Gjarne_ am 15.05.2018 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Familie tut mir leid

    Ein haus ist ein teil des lebens. Die kinder wachsen darin auf, wenn man weg ist freut man sich drauf. Und es passieren andere geschichten, welche man ein leben lang in erinnerung behält. In 20 jahren hat man darin wahrscheinlich so viel zum guten verändert, dass es für die familie zum traumhaus wurde. Ich hoffe sie finden woanders ein schönes heim.

  • Jacklyn am 15.05.2018 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele Erinnerungen

    Hoffentlich findet die Familie einen adäquaten Ersatz für das schöne, alte Haus!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Swissfighter am 15.05.2018 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oberlandautobahn

    Aaber weil die Zürcher Oberlandautobahn durch ein Moorgebiet geht, müssen täglich tausende durch Wetzikon/Aathal fahren. Das verstehe noch einer.

  • Dicker Metzger am 15.05.2018 19:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Familie bekommt sicher nicht das erhoffte

    Der Kanton zählt sicher nicht das, was das Grundstück mit Haus wert ist.

  • Bud am 15.05.2018 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ojeminee.....

    ein akzeptabler Ersatz ist hier eine Lösung oder eben die Knete und dann auswandern ! z B. Kanada !!!!!!

  • Dave T am 15.05.2018 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beton ohne Ende

    Die Strasse ist so was von unnötig!

  • Wodoomaster am 15.05.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre wenn?

    Mich würde interessieren was geschehen würde,wenn das Haus einem Kantonsrat oder Nationalrat gehören würde. Euch nicht auch? Es gibt immer mehrere möglichkeiten.