St.Gallen

04. Juli 2014 05:49; Akt: 04.07.2014 05:49 Print

Hausabbruch löst Drama um seltene Jungvögel aus

St.Galler Tierschützer sind aufgebracht. Nachdem ein Haus mit Mauersegler-Nestern abgebrochen wurde, müssen sie drei Jungvögel aufpäppeln. Verantwortlich sei die Stadt.

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Vogelschützer Christian Müller mit den drei jungen Mauerseglern vor der Baustelle an der Notkerstrasse. (Bild: Eli)

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«Mit diesem Abbruch hätte man zwingend noch zwei oder drei Wochen warten müssen, dann wären diese Vögel flügge gewesen», sagt Christian Müller. Der Präsident der St.Galler Volièrengesellschaft steht aufgewühlt neben einer Baustelle an der Notkerstrasse und hält drei kleine Mauersegler in den Händen. Die geschützten Tiere konnte er mit Hilfe der Feuerwehr im letzten Moment retten.

800 verzeichnete Nistplätze

Kurz zuvor war der Bagger aufgefahren und begann das Haus, an dem die Mauersegler nisteten, abzureissen. Müller: «Ich sah die Vogeleltern aufgeregt herumfliegen und wusste gleich, dass etwas passiert war.» Der 69-Jährige ging der Sache nach und stiess auf die Baustelle. «Eigentlich hätte dieses Haus im städtischen Mauersegler-Inventar aufgeführt sein müssen», so Müller, «dann wäre es gar nicht soweit gekommen.» Denn die Nistplätze der bedrohten Vögel sind geschützt. Nimmt der Besitzer einer betroffenen Liegenschaft eine Änderung am Bau vor, muss er eine entsprechende Bewilligung einholen.

Beim zuständigen Stadtplanungsamt bedauert man den Vorfall. «Leider war diese Liegenschaft nicht erfasst worden», sagt Robert Kull, Leiter der Fachstelle Natur und Landschaft. «Bei rund 800 Nistplätzen ist dies nie ganz auszuschliessen.» Kull fordert Leute, die Segler-Nistplätze entdecken, dazu auf, diese zu melden.

Füttern von früh bis spät

Die drei Jungvögel von der Notkerstrasse werden nun von Christian Müller und dessen Ehefrau aufgepäppelt. Zwischen 6 Uhr morgens und 22 Uhr müssen sie jede halbe Stunde
gefüttert werden. «Um im August die 10'000 Kilometer weite Reise nach Südafrika antreten zu können, müssen sie topfit sein», so Müller. Der Vogelkenner weiss: «Mauersegler haben einen perfekten Orientierungssinn.» Er geht davon aus, dass sie in einem Jahr an die selbe Adresse zurückkehren werden und hofft, dass sie dort dann wieder eine Nistmöglichkeit vorfinden.

Auch möchte er Hausbesitzer und Baufachleute für die Sache der Vögel sensibilisieren. Müller: «Jeder, der Hand an eine alte Liegenschaft legt, sollte sie auf mögliche Nistplätze absuchen.»

(eli)