Flüelapass GR

16. Oktober 2019 18:21; Akt: 16.10.2019 20:19 Print

Hier donnert ein 2,5-Tonnen-Block ins Netz

Um sich in Zukunft besser schützen zu können, wurden am Flüelapass Versuche mit Steinschlagnetzen durchgeführt. Ein Video zeigt, wie gewaltig die Wucht der Steine sein kann.

Schutznetze werden auf ihre Widerstandskraft getestet. (Video: Geobrugg AG)
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Ein 2,5 Tonnen schwerer Stein rollt den Hang hinab und prallt mit voller Geschwindigkeit in ein Schutznetz: Dieses Szenario haben Forschende des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) mit Sitz in Davos zusammen mit der Thurgauer Firma Geobrugg an einem Hang am Flüelapass getestet. Dazu wurden Betonsteine in verschiedenen Formen und Grössen verwendet. Mittels Super-Puma-Helikopter wurden die Brocken in die Höhe transportiert und von einer Plattform aus in Bewegung gesetzt. Für die aktuellen Tests wurden zusätzlich Netze am rund 150 Meter entfernten Hangfuss installiert, um die Aufprallkräfte und das Abbremsen der Steine zu messen.

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Hier sehen Sie, wie die Netze getestet werden. (Video: Geobrugg AG)

Die Netze sind mit Sensoren ausgestattet, die diese Aufprallkräfte messen. Die Steine wiederum enthalten Sensoren zur Messung von Rotation und Beschleunigung. Highspeed-Videoaufnahmen liefern zudem Informationen über die Bewegungsmuster während des Einschlags. «Ziel ist es, neue Messdaten zu gewinnen, um die Konstruktion der Netze sowie unser Steinschlag-Simulationsprogramm zu verbessern», sagt SLF-Projektleiter Andrin Caviezel. Die neuartigen Belastungstests unter Realbedingungen seien eine wertvolle Ergänzung zu den Falltests des Herstellers.

Unterschätzter Faktor der Gefahrenabschätzung

Bisherige Versuche, die noch ohne Netze stattfanden, hätten bereits wichtige Erkenntnisse geliefert. «Unsere Daten zeigen, dass die Steinform ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Gefahrenabschätzung ist», sagt Caviezel. So hätten radähnliche Steine einen deutlich breiteren Auslaufbereich als würfelförmige. Hingegen unterscheiden sich die Steine kaum bezüglich der Geschwindigkeit und Sprunghöhe.

Hier donnert ein 2,5-Tonnen-Block ins Netz

Dank der Messdaten lassen sich nun auch die unterschiedlichen Interaktionen der Steine mit weichem oder hartem Untergrund besser abbilden, als beim bisherigen im Steinschlag-Simulationsprogramm «Ramms::Rockfall».

Ramms (Rapid Mass Movement Simulation) wird weltweit von Ingenieurbüros zur Gefahrenabschätzung und zur Dimensionierung von Schutzbauten genutzt. Bisher lassen sich damit die Auslaufbereiche von Steinen im jeweiligen Gelände simulieren. Langfristiges Ziel ist es, auch die Interaktion der Steine mit Fangnetzen und anderen Schutzbauten in das Modell zu integrieren. Aus diesem Grund wurden die aktuellen Versuche durchgeführt. Für eine solide Datenbasis wird die Testserie im Jahr 2020 mit weiteren Steinabwürfen fortgesetzt.

(maw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R v N am 16.10.2019 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gratuliere. Top aktuell

    Toller Bericht mit ausserordentlich hoher Aktualität. Kam ca. vor einem halben Jahr im SRF Einstein...

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  • Lies die Aufgabe! am 16.10.2019 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer

    "...es wurden Steine mit unterschiedlicher Grösse getestet."

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  • Schnitzel bank am 16.10.2019 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    Durfte es live sehen

    Bin an dem Tag durch zufall über den Pass gefahren. Habe da dann 1 Stunde zugeschaut wie sie 4 Steine geschmissen haben. War Super. Die aufnahmen sind aber von einen anderen Tag. Bei mir war strahlender sonnenschein. Aber die stelle ist die gleiche gewesen. Schön das es noch gute berichte gibt

Die neusten Leser-Kommentare

  • alice am 17.10.2019 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Katastrofe

    ich war in Campocologno als das riesen Unklück passierte das ganze Tal wurde verwüstet und ich hütete maine Mamma nach dem Herchasper es war nur schrecklich sie Starb kurze zeit später wie einige ältere Talbewohner !ist mir täglich im Herzen

  • G. Iphy am 17.10.2019 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    im Ernstfall

    steht Greta oben und bringt die Steine ins Rollen.

    • Tt am 17.10.2019 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. Iphy

      ... vielen Dank für Ihren ewiggestrigen Kommentar...

    • We am 17.10.2019 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. Iphy

      ... die Steine kommen von selber... schon mal was von auftauenden Permafrost gehört???

    • Olie P. am 17.10.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. Iphy

      ne ne ne, Greta beschuldigt nur die Anderen, selber macht sie nix.

    • Olie P. am 17.10.2019 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @We

      ... schon mal.was von Plattentektonik gehört? Die drücken immer noch, von wegen Permafrost.

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  • Ganjaflash am 17.10.2019 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
    Giphy Giphy
  • m13 am 17.10.2019 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu viele Leute in den Bergen

    Wenn man die Menschen in der Bergwelt oder sonst in der Natur, sind die meisten absolut nicht Schützenswert .

  • Augenwischerei am 17.10.2019 05:02 Report Diesen Beitrag melden

    Echt - 2,5 t!?

    Multipliziert mit dem Faktor 10 wäre ein ähnlicher Test allenfalls einigermaßen realitätsnah. Aber dann müssten sich ja all die Experten ihre Machtlosigkeit eingestehen.

    • CaptainLonestarr am 17.10.2019 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Augenwischerei

      Man muss sich mit einigermassen vernünftigen Aufwand gegen realistische Bedrohungen schützen. Es werden nach möglichkeit keine Strassen gebaut wo 25t Blöcke runterkommen. Oder man sprengt diese runter. Man könnte es kaum bezahlen alle Bergstrassen gegen 25t Blöcke zu sichern.

    • Aldo am 17.10.2019 07:22 Report Diesen Beitrag melden

      Ja aber

      Dieser Kiesel entspricht nun wirklich nicht den Tatsächlichen Gefahren, geh mal nach Glarus Näfels Netstal und sieh dir die Blöcke an die da runter kommen, die sind 10x so gross, und da gibts keine Netze dafür Auslauf aber wenns dumm geht gehts halt dumm. Leben ist halt mit Risiken verbunden, in Gondo und Bondo wusste man der Gefahren auch und hat auch nicht gesprengt....und da kammen 100x so grosse Blöcke...oder der beim Gotthard ein Auto erwischte der war auch 10x so gross das ganze Auto war daruter begraben....am Schluss mio ausgegeben für eine falsche Sicherheit...

    • CaptainLonestarr am 17.10.2019 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aldo

      Man kann nicht ganze Berge sprengen, sonst sind die Dörfer gleich weg. Leider wurden viele Siedlungen an ungeeigneten Orten gebaut. Mit dem tauenden Permafrost wirds noch schlimmer. Also versucht man zu schützen was geht. Man muss halt auch überlegen was finanziell stemmbar ist. Z.B. ein Tunnel an der Axenstrasse oder nicht. 100% Sicherheit gibts nicht oder ist nicht bezahlbar.

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