In Fluss ertrunken

23. Juli 2019 04:54; Akt: 23.07.2019 06:26 Print

«Wir sahen nur noch den Kopf des toten Hundes»

Dramatischer Fund: Ein Dalmatiner wurde in der Töss in eine Wasserwalze gezogen. Er hatte keine Chance.

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«Das ist schon eine echt krasse Gefahr», sagt Renate Hoffmann, Stützpunktleiterin der K-9 Tiersuche in St.Gallen. Sie spricht von den Wasserwalzen in den Flüssen, die schon viele Hunde das Leben kosteten. Erst letzte Woche suchte sie mit ihrem Team mehrere Tage nach einem vermissten Dalmatiner.

Am Freitag dann der traurige Fund: Der 35 Kilo schwere Dawei war in der Töss bei Winterthur in eine Wasserwalze gezogen worden. Das Tier ertrank. Perfid: Das Wasser dort ist an einer schmalen Stelle rund 2 Meter tief; die Vertiefung im sonst gerade mal 30 Zentimeter seichten Wasser ist kaum sichtbar.

Verschwunden ist der Hund einer 5-köpfigen Familie am Dienstag. Dawei spielte laut Schilderungen erst noch ausgelassen am Fluss. In einem kurzen Momentes der Unachtsamkeit verlor ihn die Familie aus den Augen. Danach begann die Suchaktion (siehe Box).

Kopf in Wasserwalze

Dabei kam das Ostschweizer Team der K-9 Tiersuche zum Einsatz. Der Staffordshire Bullterier Quanto, ein ausgebildeter Tiersuchhund, nahm beim letzten Sichtungspunkt von Dawei die Fährte auf. Er lief sofort zum Wasser, sprang hinein und verhielt sich auffällig.

Manuela Collenghi, die Hundehalterin von Quanto und Mitglied der K-9, brachte ihn zurück zum Auto und überprüfte die Stelle bei der Töss. «Unsere Befürchtung bestätigte sich: Wir sahen den Kopf des toten Dalmatiners in der Wasserwalze», erzählt die 36-Jährige aus Niederbüren SG. Für die Familie von Dalmatiner Dawei ein Schock.

Die K-9 Tiersuche warnt vor den Gefahren im Wasser. (Video: K-9 Tiersuche)

Da die Bergung des Tieres an dieser tiefen Stelle auch zur Gefahr für den Menschen werden kann, wurden die Polizei und die Feuerwehr hinzugezogen. Ausserdem: «Von toten Tieren in solchen Gewässern geht immer eine Seuchengefahr aus», so Collenghi. Umso dankbarer war sie, als die Feuerwehr den Dalmatiner schlussendlich bergen konnte.

Schon mehrere tödliche Unfälle in der Töss

Der Fluss hat schon viele Leben gekostet: 2011 stirbt ein 58-jähriger Mann, als er bei Pfungen ZH seinen Hund aus der Töss retten will. Sowohl Mann als auch Hund wurden von einer Wasserwalze erfasst.

Ein fast identischen Vorfall ereignete sich auch schon 2005: Ein 50-Jähriger stand in Winterthur bei der Töss auf den Ufersteinen, von wo aus er seinen Hund aus dem Wasser holen wollte. Er rutschte aus, stürzte in den Fluss und wurde von einer Wasserwalze erfasst. Der Rettungsversuch eines Joggers blieb erfolglos: Nur mit viel Mühe konnte er sich selbst wieder aus den Wassermassen befreien. Der 50-jährige Hundehalter hingegen starb.

Die Polizei warnt

Die Stadtpolizei Winterthur warnt davor, Tiere die in Wasserwalzen geraten, auf eigene Faust zu retten. «Man bringt sich so nur selbst in Gefahr», sagt Mediensprecher Michael Wirz. Er rät in einem solchen Fall die Polizei zu rufen.

(mwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wasser Mann am 23.07.2019 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Weg damit

    Na dann weg damit. braucht weder Mensch noch Tier, auch für Fische sind das Hindernisse. Natürliche Hindernisse sehen anders aus . Ein paar grosse Steine tuen es auch, wo Wasser an mehreren Stellen durch kann. Ist das Loch zu tief, fällt der Stein rein und fertig.

    einklappen einklappen
  • SeriBeri am 23.07.2019 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es tut mir leid

    Die vermissten Anzeigen habe ich in Töss gesehen. Nun ist die traurige Gewissheit da. Es tut mir sehr leid!

  • Cleo am 23.07.2019 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Eine sehr traurige Geschichte. Ich wünsche der Familie Viel Kraft

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lili am 23.07.2019 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Dawei jetzt brauchst k L mehr

    Ich war bei dem letzten Spaziergang nicht dabei, Sie waren alle im knöcheltiefen Wasser am Spielen. Plötzlich war Dawei wie vom Erdboden verschluckt, das war eine Sekunde und er wurde in ein Loch reingezogen und kam nicht mehr rauf. Nichts war zu sehen. Ich habe dann den ganzen Tag dort gesessen und auf ihn gewartet, dabei war ich neben ihm. Kein Kopf, nichts war zu sehen, er war unter der Holzlatte eingequetscht. Ich mache mir grosse Vorwürfe, mir zu Liebe hätte ich ihn immer an der Leine gehabt, aber immer an der Leine wäre er der unglücklichste Hund auf der Welt.

  • Peter Pan am 23.07.2019 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zu langsam

    die Polizei rufen! Bis die da ist, ist das Tier sowieso Tot. Aber selber versuchen lieber per Hilfsmittel, langer Stock oder ähnliches. Meist reicht es ohne ins (tiefe) Wasser zu gehen

  • Ein Jäger am 23.07.2019 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral

    Es ist tragisch und für alle tut es mir leid. Ich frage mich nur wieviel beim Lesen des Artikels ein Fleischprodukt essen ohne einen Gedanken daran zu verschwenden wie es dem Tier wohl ergangen ist in seinem Leben und wie es getötet wurde.

  • Frau Meier am 23.07.2019 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Mein Beileid der Familie von Dawei. Ich habe die Vermissten-Anzeige gesehen und gehofft, er kommt nach Hause. Wenigstens haben sie nun Gewissheit. Und danke dem Staff Bull Terrier (böser Kampfhund!), der ihn trotz allem gefunden hat.

  • Felix Heinzer am 23.07.2019 09:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen auf eine andere Lösung

    Wie schon im Bericht erwähnt, passierten schon zahlreiche Unfälle in den vergangenen Jahren. Ich hatte lange zeit in Winterthur Töss gewohnt und habe bei meinen Spaziergängen ein paar brenzlige Situationen mitbekommen. Es bleibt zu hoffen das für diese Schwellen einen andere Lösung gefunden werden kann.