Churer Fensterläden

24. Juli 2017 17:01; Akt: 24.07.2017 17:01 Print

Holz oder Alu? Ein Fall für das Bundesgericht

Das Bundesgericht musste sich mit Fensterläden an einem Haus in der Churer Altstadt beschäftigen. Für die Denkmalpfleger gabs eine Abfuhr.

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Blick auf die Altstadt von Chur mit der evangelischen Kirche St. Martin (links) und dem Dom von Chur. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Das höchste Schweizer Gericht hat nun im Sinne der Hauseigentümer entschieden: Sie dürfen ihre Räume mit günstigeren Aluminiumläden verdunkeln und müssen keine Holzläden montieren.

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Der Stadt Chur und der Denkmalpflege dürfte dieser Entscheid nicht behagen. Sie wollten die 39 grünen Fensterläden wieder durch Holz ersetzt haben. Die Stockwerkeigentümer hatten allerdings die besseren Argumente auf ihrer Seite, wie aus dem am Montag publizierten Urteil des Bundesgerichts hervorgeht.

Das Churer Baugesetz sieht zwar vor, dass Bauherren von Gebäuden in der Altstadt dazu verpflichtet werden können, bestimmte Materialien zu verwenden. Die Altstadt ist nämlich «in höchstem Masse schutzwürdig», wie die Denkmalpflege in ihrer Stellungnahme zum Fall festhält.

Doch das betroffene Gebäude ist gar kein historischer Bau und auch nicht als schützenswert eingetragen. Dennoch muss es sich harmonisch in die Umgebung einfügen. Das geschieht laut Bundesgericht aber auch mit Aluminiumfensterläden, die die gleiche Farbe und das gleiche Lamellenbild wie die bisherigen aufweisen.

Verwaltungsgericht machte sich selbst ein Bild

Die Lausanner Richter stützen damit den Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden. Dieses hatte sich im Oktober 2015 vor Ort ein Bild gemacht und sich auf dem Regierungsplatz umgeschaut.

Das Argument der Hauseigentümer, dass sich Holz- und Aluminiumläden bereits aus geringer Distanz kaum mehr unterscheiden, liess das Gericht gelten. Zudem überzeugten der Preisunterschied von rund 20'000 Franken sowie der viel geringere Aufwand für den Unterhalt die Richter.

Nur 40 Prozent der Altstadt-Gebäude haben Holzläden

Ferner sprechen die Zahlen zur Beschaffenheit der Churer Altstadt-Fensterläden eine klare Sprache, wie das Urteil des Bundesgerichts zeigt. Die Hälfte der Gebäude hat nämlich überhaupt keine Fensterläden. Von jenen Häusern, deren Antlitz von Läden geziert wird oder gemäss Grundbuch zumindest sollte, sind 80 Prozent aus Holz und der Rest aus Metall.

Also nur 40 Prozent der Altstadt-Gebäuden haben Holzfensterläden. Das Verlangen der Stadt Chur nach Holzläden «widerspiegle sich im Ortsbild somit nicht (mehr)», hielt das Verwaltungsgericht fest. Es kam zum Schluss, dass sozusagen ein Holzfensterladen-Vollzugsdefizit vorliege. Ausserdem seien am Regierungsplatz an zwei Gebäuden Holzfensterläden ohne entsprechende Baubewilligung durch Aluminiumfensterläden ersetzt worden. Dies geht aus dem Urteil des Bundesgerichts hervor.

In St. Gallen wird es ähnlich gehandhabt

Auch in St. Gallen stehen die Mehrzahl der Gebäude aus der Altstadt unter Denkmalschutz. Auch dort können daher nicht beliebig Veränderungen vorgenommen werden. «Bei den restlichen Gebäuden, die nach 1920 gebaut wurden, wird von Fall zu Fall überprüft», sagt Niklaus Ledergerber, Leiter der Denkmalpflege. Allerdings müsse in jedem Fall auf Ästhetik, das Material und die Bauweise des Gebäudes geachtet werden. Ledergerber: «Bei einem geschützten Gebäude wurden einmal Klapp- mit Rollläden ausgewechselt. Prompt kam von der Stadt die Weisung, wieder auf Klappläden zu wechseln.»

(air/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmen diaz am 24.07.2017 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    die denkmalpflege nervt...

    ...mich inzwischen gewaltig. ich liebe alte häuser und die altstädte egal ob in der schweiz oder sonstwo. aber die denkmalpflege haut des öfteren total sinnlos auf die pauke. ich finde die optik muss von aussen so sein, dass es eben ins stadtbild passt und es eine altstadt bleibt. ob ein laden aus alu oder holz ist, ist doch völlig egal. oder ob ein sichtbalken ersetzt und nun nach rechts zeigt während er vorher nach links zeigte weil man eine neue dachgaube einbaut, damit eine dusche platz hat, ist egal, schliesslich sind die häuser auch vorher meist schon unzählige male umgebaut worden...

  • Payne am 24.07.2017 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaft

    So ein Fall vors Bundesgericht zu bringen gibts auch nur in der Schweiz!!! Einfach lachhaft. Der Bürobunker lässt grüssen!

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  • Metallbauer am 24.07.2017 18:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Entscheid

    Aluläden und Holzläden lassen sich optisch kaum auseinander halten. Holzläden sehen mit zunehmendem Alter mies aus, was bei Alu nicht passiert. Holzige sind teuer in der Anschaffung, brauchen Unterhalt, verziehen sich je nach Situation und haben somit keinerlei Vorteile. Alu ist ökologischer. Heimatschützler sehen manchmal vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Theoretiker ab Studium neigen eben zu theoretischen Entscheiden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • G.R. am 28.07.2017 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Dom?

    Chur hat keinen Dom! Was man auf dem Bild sieht, ist die Kathedrale.

  • Laden Bauer am 27.07.2017 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    Sondermüll

    Die Lebensdauer von heutigen Holzfensterladen ist durch die Wasserlacke und das Insektizid-Verbot nur noch sehr beschränkt. Die alten Holzfensterladen sind im eigentlichen Sinne Sondermüll. Bleiweiss und Insektizid turchtränkt dütfen diese nur noch im Hochtemperaturofen entsorgt werden. Neue Holzfensterladen brauche jährliche Pflege. Solange die Denkmalpflege nur ca. 10% an die Unterhaltskosten beiträgt, sollte diese die Bauherren nicht bevormunden dürfen.

  • MeBa am 25.07.2017 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten

    Hauptsache die Bierdosen sind nicht aus Holz.

  • ENU am 25.07.2017 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    abartig

    Und wieder kommt die leidige Denkmalpflege mit ihren abartigen Ideen nicht durch. Der fehlende normale Menschenverstand wir von Bundesgericht korrigiert.

  • Hingucker am 25.07.2017 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug Gelegenheiten

    Schweizer erfinden halt nur zu gern Regulatorien zum alleinigen Selbstzweck. Oh, nein, noch lieber dafür, dass es im Lande sicher niemandem zu wohl wird. Gelegenheiten für kleine Gemeinheiten gibt's unendlich viele. Auch wenn's für einmal nicht geklappt hat.