Mammern TG

10. Oktober 2019 04:52; Akt: 10.10.2019 09:08 Print

In diesem Schloss wurde eine Jungfrau eingesperrt

Das Schloss Liebenfels im Thurgau steht zum Verkauf. Die Besitzer können den Aufwand nicht mehr stemmen. Das Schloss hat eine lange Geschichte.

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Das Schloss oberhalb von Mammern ist imposant. Es wurde 1254 gebaut, hat 15 Zimmer und das Grundstück ist rund 230'000 Quadratmeter gross. Auf der Immobilienseite Ginesta wird es als «rares Liebhaberobjekt» bezeichnet. Dort steht das Schlossanwesen mit Blick auf den Bodensee für rund zehn Millionen Franken zum Verkauf.

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Schlussstrich ziehen

Die Schlossherrin sagt zum Verkauf: «Wir tun das schweren Herzens. Es ist rational gesehen der richtige Zeitpunkt einen Schlussstrich zu ziehen.» Das sagte sie, während sie im Stall steht, denn die Schlossherrin ist leidenschaftliche Reiterin und packt auch beim Saubermachen mit an. Doch nun könnten sie und ihr Lebenspartner all die Arbeiten auf dem Anwesen nicht mehr erledigen. Es sei immer mehr geworden und nun alles zu viel.

Nicht nur sie und ihr Lebenspartner würden älter, sondern auch ihre Kinder aus erster Ehe, so die Frau. «Die Kinder haben ihre eigenen Pläne und wollen nicht ewig im Schloss bleiben. Sie ziehen weiter.» Die Kinder sind zwischen 24 und 31 Jahren alt. Auf dem Anwesen anzutreffen sind sie immer seltener. «Das hat unseren Entscheid auch beeinflusst», meint die Schlossherrin.

Von Anfang an seit 1992 habe sie das Schloss geliebt, so die gebürtige Deutsche weiter. «Ich habe viel Arbeit und Herzblut reingesteckt.» Das wünscht sie sich auch vom neuen Besitzer. Er soll viel Freude haben am Schloss, aber auch am Landleben in Lanzenneunforn.

Jungfrau gefangen gehalten

Die Geschichte des Schlosses reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Schön war nicht alles, was sich hinter den Mauern abspielte. So erzählte der Schlossherr vor Jahren in einem Fernsehinterview, dass im Turmzimmer eine Jungfrau aus dem Dorf festgehalten wurde. Aus dem Zimmer sei sie als schwangere Frau gekommen. Als ihr Vater Wind davon bekam, habe er seine Tochter retten wollen, worauf er erschossen worden sei.

Gruselig ging es offenbar im dunklen Schlosskerker zu und her. Vor Jahrhunderten seien dort Gefangene bis zu ihrem Tod festgehalten und gefoltert worden. Bei Ungehorsam landeten die Gefangenen gemäss dem Schlossherrn im Angsttrichter, einem Loch im Boden. Dort mussten sie bis zu drei Tagen nur mit Wasser und Brot bleiben.

Diese Zeiten sind vorbei. Zuletzt wurde das Schloss Liebenfels auch für Trauungen genutzt. Wie die Zukunft des Anwesens aussieht, ist offen. Auf mögliche Interessenten angesprochen, meint der Treuhänder Claude Ginesta gegenüber der «Thurgauer Zeitung», er könne dazu aus Gründen der Diskretion nichts sagen. Auf der Internetseite des Immoblienanbieters steht, das Anwesen biete Möglichkeiten aller Art. Weiter heisst es: «Menschen mit Visionen, Plänen und den notwendigen finanziellen Ressourcen finden sich hier vor einer einmaligen historischen Preziose.»

(mig)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Willi Joller am 10.10.2019 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Müssen erhalten bleiben

    Schlösser sind Zeitzeugen der Geschichte, und die sollen erhalten bleiben. Für das hatt der Staat kein Geld, aber die Kohle Millionenweise ins Ausland schicken, dafür reichts immer.

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  • lore am 10.10.2019 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    passt zur schweiz!

    die jungen wollen nur noch geld (erben) der rest wird verkauft und es lebe der ausverkauf unserer kultur und firmen.

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  • Markus Meister am 10.10.2019 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heimatschutz

    Jetzt können die Heimatschützer mal selber zugreifen und Geld investieren. Kauft doch selber das Schloss statt nachher dann dem neuen Käufer nur das Leben schwer zu machen... So läuft das nämlich im Thurgau: Zuerst hat man "alle Optionen" offen und wenn das Geld investiert ist kommt der Natur- und Heimatschutz und will Alles verbieten!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MulleMekk am 11.10.2019 15:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schloss soll in Familie bleiben

    verkauft das Schloss an Thurgauer oder Deutsche es soll in der Famillie bleiben...

  • Schmetterding am 10.10.2019 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Und jetzt?

    Wegen der Jungfrau soll man den alten Kasten kaufen? Man darf auf dem Dach ja nicht einmal eine Solaranlage montieren. Vorschlag: Zu einer schönen Ruine mit verwunschener Parkanlage verfallen lassen. Dann wird die Jungfrauenstory noch interessanter.

  • mediumZH am 10.10.2019 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dort, lebt man "nicht" alleine

    wer das schloss doch kauft und dort drinnen lebt, lebt trotzdem nicht alleine... die gebliebene seele, sind immer noch spürbar!

  • G. F. anonym, sorry am 10.10.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, der Thurgau hat was

    da gäbe es einige schöne Immobilien mit herrlichen Aussichten, sei es auf die Berge, sei es auf den Bodensee. Nicht unteuer, das Ganze, leider. Und die Thurgauerinnen erst! Hatte mal ein Schätzelein dort - wow, ich schweige und schwelge in Erinnerungen...

    • Degu am 10.10.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @G. F. anonym, sorry

      Die meisten Zürcher haben Schätzelis im Thurgau. Vorallem im Sommer. Natürlich werden sie zu Hause als Überstunden angegeben.

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  • Margrit am 10.10.2019 11:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ein erfrischendes Thema!

    Mal von einem schönen, alten Schloss im Thurgau lesen zu dürfen, ist in Zeiten des alles zerstörenden Klimawandels und der grössten Protestaktionen, die die Welt je gesehen hat, eine wahre Wohltat!

    • Thomas O. am 10.10.2019 11:50 Report Diesen Beitrag melden

      Mag sein, aber nachdem man

      seine rückwärtsgewandten Gefühle ausgelebt hat, gilt es, die aktuellen, weltbewegenden und weltzerstörenden Probleme wieder aktiv anzugehen.

    • Zora am 10.10.2019 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Burg für die Bewegung

      Man könnte die Burg der Klimajugend schenken, als Hauptquartier der internationalen Bewegung gegen Klimanotstand, Umweltzerstörung und Kapitalismus.

    • Gündel am 10.10.2019 12:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Zora

      Sie meinen so eine Art Wewelsburg, einfach in Rot-Grün?

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